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The X-Files: Lost Investigations (Season 4)

von meiko

Kapitel 2: ...of nights to come

The X-Files: Lost Investigantions 4.2 - ...of nights to come

by meiko



Federal Research Facility, U.3,
Maryland
8:23 a.m.

Irgendetwas war an diesem Morgen anders als an den anderen Tagen.
Dr. Antarez setzte nervös seine Kaffeetasse ab und sah seine Unterlagen durch. "Das ist doch nicht möglich!", murmelte er.
Noch während er die Aufzeichnungen überflog, griff er nach dem Telefon und wählte eine interne Nummer.
„Betty? Sergej hier. Ich möchte, dass du mal zu mir runterkommst und dir etwas ansiehst. Was?“ Mit geweiteten Augen blickte er sich um. „Nein. Nein, es ist wohl besser, wenn wir das nicht am Telefon besprechen. Komm einfach her. Und... je eher, desto besser!“
Er fuhr sich mit der Hand an die trockene Kehle, versuchte sich zu beruhigen und suchte mit den Augen die Reihen der Käfige ab.
Nichts Ungewöhnliches spielte sich hier ab. Nur die übliche Reihe der auf ihren letzten Einsatz wartenden Versuchstiere, die glänzenden Augen hinter den Gitterstäben...
Antarez hatte aufgehört, über sein Tun nachzudenken. Doch an diesem Morgen fühlte sich alles verkehrt an, selbst seine Aufzeichnungen waren ihm heute fremd.
Der Forscher hielt inne und drehte sah langsam zur Tür um.
Nichts. Er bildete sich das sicher nur ein!
Und doch - wenn er den Atem anhielt und das Pochen seines Herzschlages in Gedanken ausblendete, dann konnte er es hören. Langsam, gleichmäßig und geduldig näherte es sich ihm, kroch näher, immer näher...
Dann splitterte das schwere Eichenholz der Verbindungstür und in den Käfigen seiner Labortiere brach ein ohrenbetäubendes Kreischen los.



[Opening Credits]



Federal Research Facility
10:21 a.m.

„Agent Doggett?“
Die große Flügeltür schwang auf und eine junge Ärztin in weißer Labortracht trat auf den neonerleuchteten Gang.
John Doggett hatte schlecht geschlafen. Müde nickte er der Wissenschaftlerin zu und deutete mit einer Handbewegung auf seine Begleiterin. „Dies ist meine Partnerin, Special Agent Monica Reyes. Sie haben uns angerufen?“
Die junge Frau nickte. „Ich bin Dr. Starkley. Danke dass Sie gekommen sind. Um ehrlich zu sein... ich bin etwas verwirrt und weiß gar nicht, was ich von der ganzen Sache halten soll! Einer meiner Kollegen, Dr. Antarez, scheint plötzlich nicht mehr Herr seiner Sinne zu sein und...“
John massierte mit Daumen und Zeigefinger seinen Nasenrücken, doch das machte es nur noch schlimmer. „Dr. Starkley“, unterbrach er sie, und Monica konnte den Hauch von Ungeduld in seiner Stimme hören. „Können wir uns irgendwo hinsetzen, wo Sie uns die ganze Geschichte in aller Ruhe erzählen?“
Starkleys Schultern sackten schlaff herab. „Natürlich“, nickte sie. „Folgen Sie mir einfach.“

Sie betraten einen kalt und zweckmäßig eingerichteten Raum, vermutlich ein Dienstzimmer oder ähnliches.
„Bitte, setzen Sie sich“, sagte Dr. Starkley, „ich bin gleich wieder bei Ihnen.“ Wie ein Windstoß verschwand sie hinter der Tür.
„Ich hoffe, sie bringt uns Kaffee“, murmelte Doggett.
Monica richtete sich plötzlich kerzengrade in ihrem Stuhl auf. „Was war das?“
„War was?“ John blickte sich lauschend um. „Ich habe nichts gehört, aber vielleicht war ich auch nur zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Ich habe nicht sehr gut...“
Wumm. Und wieder, noch lauter diesmal. Wumm!
Alarmiert sah John seine Partnerin an. „Jetzt habe ich es auch gehört.“
Dann verlosch das Licht und ließ sie in der Finsternis zurück.


Sunrise Drive,
Silver Spring
9:49 a.m.

Dana Scully wusste, dass sie sich besser auf den Straßenverkehr konzentriert hätte, doch nach den Ereignissen des frühen Morgens konnte sie nicht verhindern, dass ihre Gedanken immer wieder zu Fox Mulder abschweiften. Das Wichtigste war nun, einen klaren Kopf zu bekommen und eine Strategie zu planen. Wenn sie jetzt kopflos aufbrach, gefährdete sie womöglich sich selbst und Mulders Leben.
Dana blies ungeduldig die Luft durch die Nase aus. Sie hasste es, zur Untätigkeit verdammt zu sein.
Doch immerhin: Die Akte in ihrem Mantelfutter war ihre nächste und beste Chance.
Das Telefon klingelte.
„Agent Scully?“ Die Stimme klang fremd und vertraut zugleich. So merkwürdig vertraut, als würde eine lang vermisste Person anrufen, die man schon beinahe vergessen hatte. Eine weiche Stimme, weiblich – doch keinesfalls die Stimme ihrer Informantin, da war sich Scully sehr sicher.
„Wer spricht da?“, wollte sie wissen.
„Es wird Ihnen nicht helfen, wenn ich Ihnen das verrate“, gab die Frau am anderen Ende der Leitung zurück. „Ohnehin müssten Sie es eigentlich besser als ich wissen.“
„Mit wem ich spreche?“, schnappte Dana. „Was soll dieses Spiel? Verraten Sie mir nun, was Sie von mir wollen, oder legen Sie einfach auf!“
Pause. Dann ein Räuspern. „Agent Scully, sehen Sie sich vor, welchen Schritt auch immer Sie als nächstes planen.“
„Ist das eine Drohung oder eine Warnung?“
„Diese Sache ist vielleicht größer, als Sie jetzt ahnen können. Sehen Sie sich einfach vor, wem Sie vertrauen!“ Klick.
Kopfschüttelnd legte Scully das Telefon auf den Beifahrersitz und bog in eine Seitenstraße ein.
Schon wieder meldete sich ihr Telefon. Aufgebracht griff sie nach dem Gerät, doch diesmal zeigte das Display nur den Eingang einer Nachricht.
„Von Monica“, murmelte sie. „Was kann sie wollen?“



Federal Research Facility
10:31 a.m.

"Stromausfall! Das hat uns gerade noch gefehlt", schimpfte Doggett und tastete in dem fensterlosen Raum umher.
"John", versuchte Monica Reyes ihren Partner zu beruhigen. "Setzen Sie sich wieder. Ich bin sicher, Dr. Starkley wird bald wieder hier sein und uns..."
Wumm!
Monica unterbrach sich und horchte besorgt auf die dumpfen Geräusche. "Was ist das bloß?"
"Ich bin nicht sicher", erwiderte Doggett und kauerte sich neben sie. "Schüsse vielleicht. Oder kleine Explosionen."
"In einer Forschungseinrichtung?", fragte Monica zweifelnd.
"Eben. Gemessen an den kargen Fakten, mit denen uns Dr. Starkley bisher versorgt hat, können wir problemlos von dieser These ausgehen. Hier werden genügend Chemikalien gelagert, um noch wesentlich größere Explosionen auszulösen."
Eine Minute verging, in der sich die beiden still verhielten und auf die Geräusche in dem Gebäude lauschten. Von irgendwoher erklangen schrille Schreie, Glas schien zu splittern.
"Dr. Starkley kommt nicht wieder", stellte Monica nach einer Weile fest. So sehr sie sich auch bemühte, so ganz gelang es ihr nicht, die Besorgnis aus ihrer Stimme zu verdrängen.
Doggett erhob sich. "Hier stimmt etwas nicht. Und wir werden nicht hier sitzen bleiben wie die Kaninchen, die in ihrem Bau auf den Fuchs warten. Kommen Sie!"
Er tastete nach ihrer Hand, ergriff sie und zog sie mit sich zur Tür.

Vorsichtig spähte er hinaus. Der Gang lag verlassen vor ihnen. Wie aus weiter Ferne drang gedämpfter Lärm zu ihnen, Stimmen, Schreie... Schüsse?
"Ich denke nicht, dass Dr. Starkley uns einfach vergessen hat", überlegte Monica. "Wenn sie nicht zu uns zurückgekehrt ist, muss es dafür einen Grund geben."
"Und den werden wir herausfinden", gab ihr Partner bissig zurück und schob sich den mit matten Notlichtern beleuchteten Gang entlang.
"Wenigstens scheint das Notaggregat noch zu arbeiten."
"Haben Sie Empfang auf Ihrem Mobiltelefon?", fragte Reyes.
Stirnrunzelnd betrachtete Doggett das Display seines Gerätes. "Nichts. Ich vermute, wir sind hier zu sehr abgeschirmt. Verdammte Forschungseinrichtungen."
"Möglicherweise hat Agent Scully meine Nachricht noch bekommen, die ich ihr auf dem Weg hierher geschickt habe."
Doggett warf ihr einen unruhigen Blick zu. "Ich hatte eigentlich gehofft, einmal einen Auftrag ohne paranormale Verwicklungen bearbeiten zu können."



Federal Research Facility, U.3
10:32 a.m.

"Dr. Antarez?"
Die Worte der jungen Wissenschaftlerin verhallten zwischen nackten, roh verputzten Betonwänden.
Dann lastete die Stille wieder auf diesem Untergeschoss - der biochemischen Ebene, wie die Kollegen das Reich von Dr. Antarez lapidar nannten. Antarez hatte diese interne Bezeichnung nie gemocht, doch in diesem Augenblick erweckte er nicht den Eindruck, sich darum Gedanken zu machen.
Zitternd hockte er in einem dunklen Winkel und stierte auf seine Handflächen.

Dr. Starkley hielt die Luft an, als sie ihren Kollegen entdeckte und ließ sich langsam vor ihm auf die Knie nieder.
"Was ist geschehen?", fragte sie atemlos.
Antarez antwortete nicht sofort. Mit fahrigen Bewegungen griff er sich in sein dünnes Haar und betrachtete die grauen Haarbüschel, die er sich gerade ausgerissen hatte.

"Rede doch, Sergej", drängte Dr. Starkley und packte seine beiden Schultern. "Was hast du gesehen?"
Noch immer antwortete ihr Kollege nicht. Sein Blick wanderte durch die flackernden Notlichter und bohrten sich schließlich in Starkleys Gesicht.
"Sie kommen", flüsterte er endlich. "Sie kommen. Nein, hör doch..."
Die Wissenschaftlerin lauschte, doch außer dem keuchenden Atem des älteren Mannes und dem Gekreisch der Labortiere konnte sie nichts hören."
"Da ist nichts", hauchte sie.
Antarez schüttelte den Kopf, dann näherte sich sein Mund ihrem Ohr.
"Sie sind schon da", flüsterte er, die Stimme aus Eis.


***

Als Dana Scully das Forschungsgebäude betrat, strömten die letzten Mitarbeiter und die ohnehin eher selten anzutreffenden Gäste aus dem Foyer und verstreuten sich vor dem Gelände. Unruhiges Stimmengewirr erfüllte die Luft.
"Es tut mir leid, Ma'am", sagte ein uniformierter Wächter und stellte sich Dana in den Weg. "Sie können jetzt nicht hinein. Es hat einen Zwischenfall gegeben. Ich muss Sie bitten..."
Scully zückte ihren Dienstausweis und platzierte ihn vor den Augen des Wachmannes. "Special Agent Dana Scully, vom FBI. Ich bitte Sie, eine laufende Untersuchung nicht zu behindern."
Das saß. Der junge Angestellte der Security-Firma zog sich verunsichert hinter seinen Tresen zurück und griff nach dem Telefonhörer.
Scully zuckte mit den Schultern, ließ ihn stehen und drang in das Labyrinth der menschenleeren Gänge vor.
Ein Blick auf den Empfangsbalken ihres Mobiltelefons zeigte ihr, dass es keinen Sinn hatte, Doggett und Reyes anzurufen. Sie musste sie auf eigene Faust finden, und das möglichst schnell.

***

Seltsame Stille lastete über dem ganzen Gebäude. Eine Ruhe, die umso eigenartiger wirkte, wenn man sie mit dem Chaos, das kurze Zeit zuvor hier geherrscht hatte, verglich.
Die Deckenbeleuchtung flammte auf – jemand musste es geschafft haben, die Stromversorgung wiederherzustellen.
Die beiden Agenten hatten sich aufgeteilt - jeder übernahm die Untersuchung eines der gegenüberliegenden Büros auf dem Gang.
Als Monica in den nächsten Raum eintrat, wäre sie um ein Haar mit Dr. Starkley kollidiert.
Sie wollte sich gerade entschuldigen und die Wissenschaftlerin um eine Erklärung bitten, da bemerkte sie, dass die junge Frau an einem der Hausapparate telefonierte. Sie hatte der Tür den Rücken zugewandt und war offenbar so versunken in ihr Gespräch, dass sie die Agentin überhaupt nicht registriert hatte.
"Natürlich habe ich entsprechende Vorkehrungen getroffen", erwiderte Starkley gerade. "Trotzdem ist die Sache irgendwie aus dem Ruder gelaufen. Ich weiß auch nicht, warum er so schnell auf Roehm II reagiert hat - viel schneller, als es eure Experten vorherberechnet haben. Ja, ich habe mich strikt an die Planung gehalten und sogar die Polizei informiert." Eine Pause entstand, während der Starkley unruhig von einem Bein auf das andere trat. "Woher konnte ich denn wissen, dass die dort kalte Füße bekommen haben und mich sofort an das FBI weitergereicht haben? Als die erst einmal hier waren, wollte ich die Geschichte eigentlich als allgemeines Missverständnis verkaufen, doch unser Freund hat uns einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht!"

Agent Doggett betrat das Büro. Sofort wandte sich Monica zu ihm um und legte den Zeigefinger an die Lippen. Lautlos schlichen die beiden aus dem Raum, ließen jedoch die Tür einen Spalt weit geöffnet, so dass sie dem Telefonat weiter lauschen konnten.

Doch Starkley schien das Gespräch beendet zu haben. "Verstehe", sagte sie leise und Monica glaubte, ein Zittern in ihrer Stimme hören zu können. Dann legte sie auf und ließ den Kopf erschöpft auf die Brust sinken. Leise schloss John die Tür und eilte mit Monica zum nächsten Treppenaufgang.



Federal Research Facility, U.3
11:12 a.m.

Drohend standen sie über ihm, schwenkten lautlos ihre grotesk verdrehten Arme und stierten ihn an.
Sergej Antarez hatte sich in den hintersten Winkel seines Büros zurückgezogen und versuchte, mit den Schatten an der Wand zu verschmelzen. Vergebens, sie kamen immer näher.
„Bleibt zurück!“, schrie er keuchend – nicht zum ersten mal, doch wie in den anderen Räumen zeigten seine Worte keinerlei Wirkung auf die schemenhaften Gestalten.
Instinktiv wusste Antarez, was sie wollten. „Ihr wollt mich tot sehen!“, kreischte er und zog eine alte Militärpistole aus der Kitteltasche. Bebend überprüfte er das Magazin – gut, noch zwei Schuss. Auch wenn die anderen Schüsse, die er abgefeuert hatte, wenig mehr angerichtet hatten als den Putz von der Wand rieseln zu lassen – diesmal würde er es schaffen!

„Es ist genug, Dr. Antarez“, erklang eine Stimme neben ihm. Erschrocken wirbelte er herum und blickte in das finstere Gesicht seiner Kollegin. „Wir müssen es beenden, bevor das FBI sich zu tief in die ganze Sache hineinfrisst.“
„Zurück, Betty“, keuchte er und ignorierte ihre Worte. „Sie werden dich töten!“
Dr. Starkley schüttelte traurig den Kopf und streifte Latexhandschuhe über die Hände. „Du hättest T01 nicht selbst testen dürfen. Uns beiden war von Anfang an klar, dass es in diesem Stadium der Forschung noch viel zu gefährlich ist.“
Antarez packte ihren Arm und deutete auf die gegenüberliegende Wand. „Sieh doch, Betty! Lass uns hier verschwinden!“
Geräusche hinter der verschlossenen Tür – Stimmen, Klopfen!
Es war eine Sache von Sekunden, ihm die Pistole aus der Hand zu nehmen und sie auf seine Schläfe auszurichten. Sie schloss die Augen und drückte ab.
Antarez’ Körper schwankte und fiel dann mit dumpfem Poltern zu Boden. Mit geübten Fingern legte Dr. Starkley ihrem toten Kollegen die Waffe in die Hand und verschwand durch eine Seitentür.



11:14 a.m.

„Öffnen Sie die Tür, Dr. Starkley!“, rief Doggett. Vergebens rüttelte er an der Klinke, doch sie gab nicht nach.
Monica legte ihm die Hand auf den Arm. „Sie hat sie von innen verriegelt“, sagte sie. „Treten Sie einen Schritt zurück.“
Sie zielte sorgfältig auf das Schloss und gab einen gut platzierten Schuss ab. Doch im gleichen Moment erklang aus dem Inneren den Büros ein weiterer Schuss.
Erschrocken blickten sich die beiden an, dann warfen sie sich zu zweit gegen die Tür, die schließlich ächzend aufsprang.
Dann brach eine wahre Kakophonie los und die beiden Agenten wurden von einer Welle panisch hinausstürzender Labortiere zu Boden gerissen. Als auch der letzte Schimpanse kreischend den Gang entlang geflohen war, richteten sich Doggett und Reyes auf und warfen einen verstörten Blick in das Labor.
In einer Blutlache ausgestreckt lag die Leiche von Dr. Antarez.
Von Betty Starkley fehlte jede Spur.



Fortsetzung folgt...



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