World of X

Deine Quelle für deutsche Akte-X Fanfiction

Shoutbox

Kalender

             
             
             
             
             


Umfragen

Momentan gibt es keine aktiven Umfragen.

Richtung Nirgendwo - Stadtgrenzen

von Nicole Perry

Kapitel 1

STADTGRENZEN Kap. 1
von Nicole Perry
(nvrgrim@aol.com)
5/7/99



PROLOG: SONNTAG MORGEN


Ein lautes, schrilles Klingen zerriss die Stille.

Der Mann starrte auf das schwarze Plasikteil, dessen blinkendes grünes
Licht ihm anzeigte, dass er einen Anruf bekam. Er starrte ausdruckslos auf
das Telefon, als ihn eine schlimme Vorahnung befiel. Er hatte schon die
ganze Nacht auf diese Nachricht gewartet, und mit jeder Stunde wurde das
üble Gefühl in seiner Magengegend stärker und stärker.

Er ließ das Telefon einmal, zweimal, dreimal klingeln und zwang seine Hand
ruhig zu bleiben und nicht nach dem Hörer zu greifen.

Das Telefon klingelte sechs mal, bevor er es endlich abnahm.

"Ja?"

Das einfache Wort war mehr ein Befehl als eine Frage.

"Hallo...." Die Stimme am anderen Ende der Leitung war nicht die, die er
eigentlich erwartete hatte. Der Anrufer besaß nicht Christophes
gelassene Autorität; im Gegenteil, er sprach zurückhaltend, geradezu
gestockt in seiner Unsicherheit. "Ich... ich habe diese Nummer hier
gewählt, eine Notrufnummer..."

"Wer ist da?"

"Äh.... Danny. Daniel Payne. Ich bin der Fahrer, der Ihre Männer nach Santa
Fe bringen sollte. Einer von ihnen hat mir diese Nummer hinterlassen."

"Wo sind sie?"

"Tja, Sir", sagte Payne, ein leichtes Leiern in seiner Stimme, "das ist ja
das Problem. Sie sind noch nicht zurück gekommen. Ich sitze schon seit über
zwölf Stunden hier am Rollfeld -- also im Grunde schon die ganze Nacht. Sie
sind in einem Wagen weg gefahren, und ich habe sie seitdem nicht mehr
gesehen."

Der Mann warf einen raschen Blick auf die Uhr und rechnete. In Santa Fe war
es jetzt schon fast Morgen; er würde keine weiteren Informationen mehr
erhalten. Der Mann wusste instinktiv, dass Christophe tot war. Es gab keine
andere Erklärung für die Stille.

"Sir?" Die Stimme des Fahrers unterbrach seinen Gedankengang. "Ich... ähm,
ich bräuchte weitere Instruktionen. Ich kann natürlich weiter warten, aber ich
glaube nicht, dass da noch was kommt, und...."

Der Mann schnitt ihm ungeduldig das Wort ab. "Ihre Dienste werden nicht
länger benötigt."

"Okay, alles klar." Payne schwieg einen Moment. "Was ist mit.... was ist
mit meinem Geld, Sir?"

"Sie werden es im Laufe der Zeit bekommen."

Der Mann legte auf, ohne auf eine Antwort des Fahrers zu warten. Er würde
sich darum kümmern, dass das Geld gezahlt würde; er ließ nie etwas unerledigt.
Er war ein wenig ärgerlich, dass Christophe so etwas Dummes getan hat und
dem Fahrer seine Nummer gegeben hatte. Aber andererseits, Telefonleitungen
konnten auch still gelegt werden. Zumindest war jetzt seine Befürchtung
bestätigt. Die Sache in Santa Fe war schlecht gelaufen, und das gerade zu
dem ungünstigsten Zeitpunkt. Es waren bereits Vereinbarungen getroffen, die
Tests fortzuführen, und die Nachricht einer weiteren Verzögerung würde ganz
und gar nicht gern gesehen.

Der Mann griff nach der zerknüllten Packung auf dem Tisch und holte eine
Zigarette heraus. Er strich ein Streichholz, zündete sie an und inhalierte
das Nikotin. Als er langsam ausatmete, verhärtete sich sein Gesicht
entschlossen. Seine Bemühungen würden diesmal nicht umsonst sein.
Sogar, wenn er die Situation von nun an persönlich in die Hand nehmen
musste. Subjekt Nummer 2-65-49557 würde gefunden werden, die Tests würden
komplettiert und das Programm in Gang gesetzt werden.

Dana Scully, dachte der Mann, deine Zeit ist abgelaufen.



MITTWOCH



Die Wahrheit war, dass man Rain wirklich als unheimlich bezeichnen konnte.

Nicht unheimlich auf eine vulgäre oder geschmacklose oder erschreckende
Art. Nicht unheimlich als schaurig oder angsteinflößend oder gespenstig.
Unheimlich als ungewöhnlich und exzentrisch und... eben *interessant*.

Rain hasste es, wenn alles zu normal war.

Das war der wahre Grund, warum sie die Stadt, in der sie geboren und
aufgewachsen war, verlassen hatte. Nicht, dass dort auch seltsame Dinge
passieren würden -- das war mit Sicherheit so von Zeit zu Zeit. Aber wenn sie
passierten, waren sie nicht seltsam genug für Rain. Es war gewohnt seltsam und
demzufolge schlichtweg langweilig. Deswegen war sie noch in derselben Woche, in
der sie ihren Highschool-Abschluss gemacht hatte abgehauen. Sie hatte Angst,
eine von diesen Alltags-Frauen zu werden, die einen stinknormalen Typen heiraten
und ein paar stinknormale Kinder großziehen und ein steifes, ödes und völlig zu
vergessendes Leben führen bis sie sterben und im örtlichen Friedhof
begraben werden.

Außerdem wusste sie, dass da draußen eine ganze weite Welt auf sie wartete,
und dass es irgendwo Leute gab, die genauso unheimlich wie sie waren. Wenn
sie sie finden würde, würde wohl alles in Ordnung kommen. Also hatte Rain
nach ihrem Abschluss die paar Sachen gepackt, die ihr etwas bedeuteten, und
machte sich auf nach Westen, um ihrer Suche wenigstens einen Anfang zu
machen.

Es war keine Überraschung, dass sie in Los Angeles landete. Rain hatte
einmal einen Witz über L.A. gehört, dass dort nur ein Haufen Trottel und
Verrückte lebten, und obwohl sie sich nicht mehr an die Pointe erinnern
konnte, musste sie zugeben, dass wenigstens ein Fünkchen Wahrheit darin
steckte.

Rain wohnte in Hollywood. In der Stadt, nicht in dem Wunschgedanken. Als sie
Das erste Mal hierhin gekommen war, war sie überrascht gewesen, dass es
Zwischen den beiden einen Unterschied gab. Die meisten der Filmstars und
Filmemachern lebten nicht wirklich *in* Hollywood. Der größte Teil von
ihnen wohnte weiter im Westen, wie Beverly Hills oder Brentwood. Oder im
Norden, oben in einem der Canyons. Die Reichsten wohnten in Malibu.

Und das ließ in der eigentlichen Stadt Hollywood Platz für Leute wie sie.
Die Unheimlichen, die Exzentrischen, die nicht hinein passten. Natürlich
hatte Rain ihre Wahl gehabt. Sie würde noch weiter im Westen wohnen, in Los
Feliz oder Silverlake oder vielleicht unten in Venice bei all den
Künstlern, aber im Moment waren die Mieten dort zu hoch. Und außerdem passte
ihr Hollywood ganz gut. Es war seltsam und ungewöhnlich und einzigartig. Es
war wie ein Zuhause.

Rain ließ diese Gedanken durch ihren Kopf wandern in der Hoffnung, dass
einer von ihnen ihre Vorstellungskraft antreiben würde und ihr eine Idee
für ihr Songbuch geben würde. Ihr waren seit Tagen keine richtigen Ideen
mehr gekommen, trotz der neuen Melodie, die ihr schon die ganze Zeit im
Hirn herumspukte. Sie hatte die Melodie, aber nicht die Worte, und das
trieb sie zum Wahnsinn.

Sie summte leise vor sich hin und spielte ein paar Akkorde auf der Gitarre.
Dann zog sie ihren Ärmel hoch und sah auf die Uhr. Sie musste bald auf der
Arbeit sein, sie konnte es sich nicht leisten, viel länger hier auf der
Treppe von Cedrics Geschäft zu bleiben. "Ich komme zu spät, ich komme zu
spät", sang sie still vor sich hin als ärmliche Begleitung zu der Musik.

Nicht, dass es wirklich etwas ausmachen würde. Das Tolle an ihrem Job war,
dass Louie so unkompliziert war. Man könnte ihn Tage lang an den Empfang des
Hollywood Plaza Motels setzen, und das einzige, was ihn stören würde, wäre
kein Alkohol zu bekommen. Aber im Grunde machte es ihm nichts aus, wenn sie
zu spät kam. Wenn sie mit einem gehörigen Kater zur Vormittagsschicht zur
Tür hineingestolpert kam. Oder wenn sie sich in der Mittagspause mal wieder
viel zu lange in der Lobby des Capitol Records Gebäudes herumtrieb, um zu
sehen, ob nicht irgend jemand Interessantes dort aufkreuzte. Oder wenn sie
früher ging, um irgendeine Band am Troubadour spielen zu sehen in der
Hoffnung, vielleicht einen Song mitsingen zu können.

Louie war cool, und er war total unheimlich und Rain liebte ihn dafür. Er
musste mindestens sechzig sein, aber er trug seine langen grauen Haare offen
auf den Schultern und seine Lieblings-T-Shirts waren die von Led Zeppelin.
Rain war sich sicher, dass er mindestens sein halbes Leben in diesem
schäbigen Motel verbracht hatte. Es war nicht gerade ein Ort, der Freunde
oder Gäste der Einwohner anlockte, und es war auch nicht die Art Motel, wo
Touristen mit Geld übernachten würden. Den größten Umsatz machte es durch
Menschen, die hierher kamen, um sich auszuruhen und die die normalen Preise
bezahlten, als ob sie wirklich planten zu schlafen, anstatt Sex zu haben.
All die anderen Gäste waren gewöhnliche Leute, die an dem Busbahnhof
drüben auf der Vine Street ankamen und nach einer Möglichkeit suchten, sich
eine Runde hinzulegen, bevor sie den nächsten Bus woandershin nahmen.

Rain war das ganz recht, weil es bedeutete, dass die Leute, die sie
normalerweise ein- und auscheckte, ebenfalls unheimlich waren -- oder
zumindest interessant. Und interessant war fast genauso cool wie
unheimlich. Manchmal waren sie allerdings geradewegs angsteinflößend. Sie war
erst zweiundzwanzig (Ende April dreiundzwanzig, aber sie zählte immer gerne
hoch, weil es sich besser anhörte), doch sie war nicht so naiv, um nicht zu
wissen, dass nicht jeder, der in das Motel kam, ein legaler Geschäftsmann
war. Und genau aus diesem Grund war sie froh über die Waffe, die Louie in
einer Schublade unter dem Tisch des Empfangs behielt, und froh darüber, dass
er ihr gezeigt hatte, wie man damit umgeht.

"Ich habe eine Knarre", sang sie vor sich hin. "Ich habe eine Knarre und
ich weiß wie man sie benutzt..."

"Willst du mich etwa erschießen, Kleine?"

Rain sah auf und sah Tyrone vor sich stehen, dessen blaue Augen sie
anblitzten als er sie angrinste, Zigarette in der Hand. Er hatte seinen
typischen Tyrone Look an, ein enges schwarzes T-Shirt mit dazu passenden,
ebenso engen und verblassten Jeans. Sein Gesicht und seine Arme waren
gebräunt und seine lockigen braunen Haare waren immer perfekt gestylt. Wenn
er an Rains Heimatort auftauchen würde, würde er glatt ein großes Risiko
eingehen, aber hier in Boys Town war er lediglich einer von vielen
attraktiven Typen.

"Ich sollte dich erschießen", sagte sie zu ihm, "dafür, dass du ohne Mantel
rumrennst. Ich meine, es ist *November*. Du fängst dir noch eine Erkältung
ein."

Tyrone zuckte mit den Schultern und setzte sich auf die Treppe neben sie.
"Ich komme gerade aus der Sporthalle, ich bin aufgewärmt."

"Toll", stöhnte Rain. "Jetzt bin ich mir sicher, dass du dir den Tod
holst."

"Fang nicht an mit der Leier", ärgerte Tyrone sie. "Ich habe schon eine
Mutter. Außerdem", fügte er hinzu und zeigte dabei mit einer varächtlichen
Handgelenkbewegung auf ihre abgenutzte Motorradjacke, "das Ding war du da an
hast, verdient noch nicht einmal die Bezeichnung 'Jacke'."

"Auch egal", sagte Rain und legte vorsichtig ihre Gitarre in den Koffer,
der vor ihr lag. "Gib mal 'ne Zigarette."

Tyrone widersprach nicht und war auch ein Gentleman, als er ihr Feuer gab.
"Wie lange sitzt du schon hier?"

Rain zog ihren Ärmel zurück, um auf die Uhr zu sehen. "Weiß nicht... ein
paar Stunden."

"Mann", bemerkte, Tyrone. "Hast du nichts besseres zu tun als hier
rumzuhängen?"

"Was soll ich denn machen, auf der Promenade spazieren gehen?" Rain kratzte
sich am Kopf und fuhr sich mit den Fingern durch ihr zerzaustes,
hellblondes Haar. Ein Typ in einer Bar hatte ihr gestern gesagt, sie hätte
Haare wie Meg Ryan, was sie schon fast dazu gebracht hätte, es sich auf der
Stelle lila zu färben. Sie hatte es nur nicht gemacht, weil lila nicht
gerade die Lieblings-Haarfarbe der Leute war, die ihre Musik mochten --
und sie wollte möglichen Erfolg nicht wegen Eitelkeit sausen lassen.

"Außerdem", fuhr sie fort, "habe ich gearbeitet. Songs schreiben. Üben. Du
weißt schon."

"Oh, ja, ich *weiß* schon." Was Tyrone da sagte, machte keinen Sinn, aber
'kein Sinn' war Tyrones Spezialität.

"Hast du den Schlüssel nachmachen lassen?"

"Ja. Ich habe sie alle machen lassen." Er nahmen einen Zug von seiner
Zigarette und fragte dann, "Bist du dir sicher mit der Sache? Ich meine, du
kennst diese Leute nicht einmal."

"Was soll ich da kennen?" Rain sah ihn mit einem Unschuldsblick an. "Es
sind nette Leute, da bin ich mir sicher. Und sie brauchen was, wo sie sich
hinhauen können. Und Justin wird nicht vor nächstes Jahr zurück sein, wenn
überhaupt."

Justin war wahrscheinlich der erfolgreichste Mensch, den Rain in L.A.
persönlich kannte. Er war ein Freund von Tyrone und Cedric aus der Bar. Er
machte gute Geschäfte, stattete Firmen mit Internet Software aus. Er
verdiente eine Menge Geld und er teilte sich die Zeit ein wie er wollte,
was ihm viele Gelegenheiten gab, seinen beiden Hobbys nachzugehen: Sport
und Dates, am besten miteinander verbunden.

Mit diesem Gedanken fügte Rain noch flüsternd hinzu, "Ich denke sogar
nicht, dass er vor Ende der Skisaison zurück kommt, wenn du's wirklich
wissen willst."

"Jaja, Skisaison." Noch ein typischer unsinniger Tyrone-Kommentar.

"Es ist perfekt." Rain bestand auf ihren Plan. "Wir beide brauchen das
Geld, und Justin wird nie einen Ton davon erfahren. Außerdem hat er seine
ganze Computerausrüstung mitgenommen. Es gibt also nichts, was geklaut
werden könnte.

"Die Stereoanlage", sagte er. "Sie könnten die Stereoanlage klauen."

Rain rollte die Augen. "Ja, klar, als ob sie die *Stereoanlage* mitnehmen
würden. Sie sind mit einem Bus und *einer* Tasche als Gepäck gekommen, und du
denkst, dass sie mit der kompletten Ausrüstung abhauen werden. Ja, stimmt,
es sind Stereoanlagen-Diebe."

"Sie könnten welche sein." Tyrone nickte nachdenklich. "Sie könnten die
Experten-Diebe von Audio- und Videoausrüstung sein. So verdienen sie sich
vielleicht ihre Kohle. Du weißt schon, sie finden das Zeug und verscherbeln
es."

"Tyrone", sie ließ ein langes genervtes Seufzen los. "Ich werde das nicht
einmal mit einer Antwort würdigen. Du bist verrückt, weißt du das?"

"Und du liebst das, Kleine." Er setzte sein spitzbübisches Grinsen wieder
auf und Rain musste lächeln.

"Ich liebe es vielleicht, aber ich rede kein Wort mehr mit dir, wenn du's
versaust." Rain fixiert ihn mit einem ernsten Blick und öffnete ihre Augen
so weit wie möglich. "Ich brauche dieses Geld. Und ich will, dass du mir
Justins Schlüssel gibst."

Tyrone erwiderte nichts darauf. Er ließ seine Kippe fallen und machte sie
mit dem Fuß aus. Rain fasste sein Schweigen als Aufforderung auf weiter zu
reden.

"Er hat gesagt, es sei nur für eine Woche oder zwei, vielleicht sogar
kürzer. Und ich gehe da rüber und passe auf, dass die Stereoanlage nicht
weg kommt. Ich werde sogar die Blumen gießen", versprach sie und machte
ihre eigene Zigarette aus. "Du musst überhaupt nichts machen."

"Nichts außer dir die Schlüssel zu geben."

"Und ich gebe dir die Hälfte des Geldes!" Sie wurde langsam frustriert.
"Ich halte das für mehr als fair!"

Das Geräusch der Tür, die hinter ihnen geöffnet wurde, unterbrach die
eskalierende Diskussion. "Was ist mehr als fair? Darf ich das auch wissen?"

Rain und Tyrone drehten sich um und sahen Cedric hereinkommen, eine
gebräunte Hand auf seiner Hüfte, die andere hielt die Tür auf. "Ich meine,
alles ist fair in Liebe und Krieg, stimmt's?"

Rain war insgeheim in Cedric verliebt. Er war mit Abstand der schönste
Mann, den sie je gesehen hatte. Halb Jamaikaner und Halb Ire. Er war in der
Karibik aufgewachsen und sprach Französisch genauso fließend wie Englisch.
Seine Haut war kaffeebraun und er trug seine schwarzen Haare in kunstvollen
Zöpfen. Das Auffälligste an Cedric waren seine Augen, die das Grün von
Smaragden hatten und denen absolut nichts fehlte. Sie bewunderte ihn, und
wenn sie die Welt ändern könnte wie sie es wollte, würde sie als erstes
dafür sorgen, dass er in ihrem Team spielte.

Tyrone lächelte beim Anblick seines Lovers. "Verdienst du jetzt deinen
Lebensunterhalt indem du andere Leute belauschst?"

"Nur, wenn es etwas Interessantes zu hören gibt", erwiderte Cedric und
beugte sich zu Tyrone, um ihm einen Kuss zu geben. Als er zurück zog,
runzelte er die Stirn. "Du hast wieder geraucht."

"Und was gibt's sonst Neues?" antwortete Tyrone wie gewöhnlich.

"Das wird dich noch umbringen, Süßer", sagte Cedric, doch Tyrone zuckte
nur mit den Schultern.

Rain hatte solche Diskussionen schon tausend mal erlebt, sie endeten immer
auf die gleiche Weise. Heute hatte sie einfach keine Lust dazu. "Bist du
hier drin fertig, Cedric?" fragte sie. "Ich muss zur Arbeit."

"Noch zwanzig Minuten oder so. Dann geht's ab mit Rock 'n Roll."

"Cool", freute sich Tyrone. "Zeit für M&M. Kommst du mit, Rain?"

"Ich muss arbeiten, schon vergessen?" Rain war nicht unbedingt traurig mit
dieser Tatsache, denn sie war gerade nicht unbedingt in Stimmung für
Margaritas bei Marix, das mexikanische Restaurant im Herzen von West
Hollywood. Im Sommer war es vollgepackt mit geeigneten jungen Männern, die
literweise eiskalte Drinks in sich rein kippten, um der Hitze von Los
Angeles zu entfliehen, und sogar im Winter war es immer noch der beste Ort,
um Kerle bzw. Frauen anzubaggern.

Das ist mein Leben, dachte sie und schüttelte fast den Kopf, als sie die
Absurdität dessen erkannte. Meine zwei besten Freunde sind ein weißer Typ
namens Tyrone und ein schwarzer namens Cedric, die nichts lieber wollen,
als mit mir in Schwulenbars abzuhängen.

Laut sagte sie, "Aber Louie kommt um Mitternacht zurück. Also, wenn ihr
danach in den Club 80s geht, bin ich dabei."

Das ist mein Leben, wiederholte Rain zu sich selbst mit einem verdecken
Lächeln. Und ich liebe es.

"Klasse", sagte Cedric. "Warte noch 'nen Moment, dann bin ich fertig." Damit
verschwand er wieder drinnen, die Tür fiel hinter ihm zu.

Wieder allein mit Tyrone, nahm Rain wieder ihren Angriff auf. "Okay, also
bist du dabei oder nicht? Weil wenn nicht, muss ich mir was anderes
ausdenken."

Tyrone schüttelte eine weitere Zigarette aus seiner Packung und zündete sie
an. "Warum können die nicht bei dir unterkommen?"

"Ha ha", Rain zog eine Grimasse. "Als ob sie das könnten." Ehrlich gesagt
hatte Rain daran schon gedacht, aber sie hatte nicht einmal genug Platz für
sich selbst in dem kleinen Studio, das sie oben in Franklin gemietet hatte.
Außerdem würde sie Ashley nie dazu überreden können. Ashley Fisher war die
Frau, der das Haus gehörte, eine unverheiratete, karrierebesessene
Vorsitzende einer Werbeagentur. Obwohl Ashley auszuhalten war, war sie mehr
als pingelig mit ihren Regeln. Weitere Gäste kamen absolut nicht in die
Tüte.

"Das ist die einzige Möglichkeit, Tyrone. Und es ist die einzige, die einen
Sinn macht. Also, sei kein Idiot, indem du uns beiden ein nettes Sümmchen
durch die Lappen gehen lässt. Das ist Cash auf die Kralle, Mann. Und das
sollte dir etwas bedeuten, es sei denn du hast bei Rocket Video eine
Gehaltserhöhung bekommen."

Tyrone machte sich nichts aus ihrer Spöttelei, sondern zog gemütlich an
seinem Glimmstengel und blies den Rauch in aller Ruhe aus. "Sag mir noch
einmal, wie das alles gekommen ist." Sie warf ihm einen vernichtenden
Blick zu, aber er ignorierte ihn. "Was?" sagte er langgezogen. "Es ist ja
nicht so, als ob wir keine Zeit hätten."

"Okay", seufzte Rain und bediente sich noch einmal aus seiner
Zigarettenpackung. Wenn er Geschichten hören wollte, sollte er sie auch
bekommen.