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Hanuman

von Steffi Raatz

Kapitel 1

Zwei Wachen liefen vor der Tür des Staatsbesuches auf und ab. Nichts konnte ihnen entgehen. Niemand konnte während der Abwesenheit der Herrschaften das Appartement betreten, ohne an den fähigen Wachposten vorbei zu kommen.

Ein leises Sauggeräusch, welches im Lärm der Hotelgäste unterging, ertönte im Inneren des Zimmers. Daraufhin folgte ein noch leiseres, scharrendes Geräusch, als ob man etwas übereinander schieben würde, und wenige Sekunden später ließ sich eine schwarz gekleidete Person von der Zimmerdecke in den Raum hineingleiten.

Leise wie eine Katze setzte sie auf. Kein Geräusch war zu vernehmen.

Suchend blickte sie sich um.

Wie auf Samtpfoten eilte die Person durch das Zimmer und steuerte auf einen schwarzen Aktenkoffer zu.

Noch hatten die Wache nichts bemerkt...

Die Verschlüsse schnappten auf. Die Person hielt den Atem an und lauschte. Als sie sicher sein konnte, dass man nichts mitbekommen hatte, entwendete sie die gesuchten Unterlagen aus dem Koffer und verschloss ihn wieder.

Mit schnellen lautlosen Schritten glitt sie wieder am Seil hinauf, stockte jedoch, als sie vom Flur her Stimmen wahrnahm.

Als der Staatsbesuch das Zimmer betrat, war von dem Einbruch jedoch nichts mehr zu sehen...

***

Zwei Tage später, FBI-Zentrale New York

"Miss Cunningham, wo bleiben meine Akten?"

Eine junge Frau, bekleidet mit einem grauen Kostüm und Hornbrille, betrat das Büro ihres Vorgesetzten und legte die geforderten Akten vor. Hinter der Hornbrille blitzten tückische, katzengleiche Augen, als ihre Hände vorschnellten und mit einem einzigen Griff das Genick des Mannes brachen.

Wenige Minuten später befanden sich Hornbrille und Kostüm im Kofferraum eines roten Sportwagens. Zartgliedrige Finger ließen eine Diskette im Handschuhfach verschwinden und starteten den Wagen.

Keine Spur deutete mehr auf 'Miss Cunningham'; sie hatte nie existiert...

***

Das Ekko-Tech Gebäude lag etwas außerhalb der City. Es war ein recht imposantes Gebäude und zeugte vom Fortschritt und Reichtum der Firma.

"Ich war ja dafür, dass wir jemanden engagieren, aber gleich Mord?" Arthur Kingsley, Vizepräsident der Ekko-Tech Corp. lief nervös auf und ab.

"Ich weiß", versuchte sich Peter Owen, Vorstandsmitglied und Leiter der Abteilung Forschung, zu verteidigen, "sie hat ihre Grenzen überschritten, aber wie sollen wir sie stoppen?"

"Gar nicht, meine Herren!", erklang eine erotische Frauenstimme aus dem Hintergrund. Die Fahrstuhltüren schlossen sich hinter ihr und dem gesamten Vorstand war klar, dass es kein Entkommen mehr gab.

"Tamara..." setzte Kingsley noch zu einer Erklärung an, doch da war es bereits zu spät.

Unter den Augen seiner Kollegen richtete sie ihn gnadenlos...

***

AD Masters vom FBI, New York hatte von oberster Stelle die Anweisung erhalten, sich persönlich um den Fall 'Ekko-Tech' zu kümmern. Er hatte sich strikt an die Anweisung zu halten und die besagte, zu seinem Bedauern, dass er sich persönlich um die Aufklärung der Angelegenheit zu kümmern habe. Er stellte diesbezüglich keine Fragen, auch wenn ihm mehrere auf der Zunge brannten.

Er wirkte mehr müde als interessiert, während er über seinen Unterlagen brütete. Seit einer Woche tat er nichts anderes. Es war frustrierend.

Er hatte es satt, immer auf derselben Stelle zu treten, aber was sollte er machen? Diese mysteriöse Frau war zu gerissen. Nichts deutete auf sie hin, hätte es da nicht einen Zeugen gegeben: Peter Owen. ... leider war Owen wenige Stunden nach seiner Vernehmung im Krankenhaus auf mysteriöse Weise umgekommen.

"Richard? Kann ich Ihnen was zu trinken bringen?"

Seine Sekretärin lugte hinter der Tür hervor und betrachtete ihn ein wenig besorgt.

Er nickte dankbar und sah ihr hinterher. Wie kam es nur, dass sie noch so spät arbeitete?

"Es ist reichlich spät, warum arbeiten Sie noch?" Masters griff nach der Tasse und ließ seinen Blick aus dem Fenster schweifen.

"Sie arbeiten doch auch", lächelte sie.

Ihre Blicke trafen sich und er hatte ein wunderbar merkwürdiges Gefühl von Vertrautheit dabei.

Verwirrt blickte er wieder aus dem Fenster.

Als sie jedoch den Raum verlassen wollte, hielt er sie zurück: "Natascha, warten Sie!"

Erstaunt drehte sie sich wieder zu ihm um.

Er deutete auf den Stuhl ihm gegenüber und gab ihr zu verstehen, dass sie doch bleiben solle.

"Ein wenig Gesellschaft täte mir ganz gut... glaube ich jedenfalls."

Sie lächelte.

*Was für Beine!*, schoss es Masters durch den Kopf. Warum fiel ihm das erst jetzt auf?

Aus einer Eingebung heraus fragte er sie spontan: "Hätten Sie Lust, noch etwas trinken zu gehen?"

"Ja."

Er verschluckte sich am Kaffee und begann zu husten. Masters hatte mit allem gerechnet, aber mit keinem 'Ja'.

"Alles in Ordnung?" Sie klopfte ihm sanft auf den Rücken und sah ihn Stirn runzelnd an.

Masters war verwirrt. Wie war sie nur so schnell und ohne, dass er es bemerkt hatte, hinter ihn gelangt?

"Nein! Ich meine ja, oh Mann, lassen Sie uns gehen, bevor ich es mir noch mal überlege!"

Mit einem Satz war er aus seinem Stuhl und griff sich seine Jacke. Sie folgte ihm verschmitzt lächelnd...

***

Er hatte bereits festgestellt, dass sie hübsche Beine hatte, aber während er ihren Körper neben sich auf einem der Barhocker betrachtete, fiel ihm mehr als deutlich auf, dass sie nicht nur hübsche Beine hatte. Er atmete tief ein und nahm einen Schluck Bourbon.

"Ich gehe mich kurz frisch machen!" Ihre Augen hafteten einen Moment länger an seinen als es nötig gewesen wäre.

Er schluckte. Normalerweise war er nicht so empfänglich für solche Dinge, doch diesmal warf es ihn völlig aus dem Konzept. Fasziniert blickte er ihr nach, bis sie in der Damentoilette verschwand, dann widmete er sich wieder seinem Drink.

Mit einem Male spürte er eine Hand auf seiner Schulter. Er vermutete seine Sekretärin und wandte sich mit einem umwerfenden Lächeln um, doch er blickte nicht in das blaue Paar Augen von Natascha. Grüne Augen, die ihn an eine Katze erinnerten, starrten ihn unverfroren und verführerisch an.

Erschrocken, verblüfft und völlig sprachlos über diese Geradlinigkeit starrte er seine Gegenüber an.

"Hallo... "

Er spürte einen kalten Schauer über seinen Rücken laufen. Welch eine erotische Stimme... und welch berechnender Blick. Masters stockte. Das passte ganz und gar nicht zusammen. Das gefiel ihm nicht.

Abweisend blickte er ihr ins Gesicht: "Bitte?"

"Mein Name ist... ", hauchte sie, kam aber nicht weit.

"Tschuldigung!" Natascha schob sich an der Brünetten vorbei und setzte sich wieder auf ihren Barhocker und brachte diese völlig aus dem Konzept. Wütend starrte diese seine Sekretärin an und ihre Augen leuchteten nun wie Smaragde.

*Wenn Blicke töten könnten...*, dachte Masters abschätzig und wusste, er würde nur Augen für Natascha haben...

***

So konnte das einfach nicht weitergehen! Es war Montagmittag und die Akten türmten sich auf seinem Schreibtisch. Ein weiterer Mord, ein weiterer geheimnisvoller Diebstahl... Wie machte diese Frau das nur?

Ein wildes Blätterchaos lachte ihn fast schon hämisch an und die weit im Raum verteilten Stapel Computerpapier schienen nur darauf zu warten, ihn in die Verzweiflung zu treiben. Wütend begab er sich auf der Suche nach einer Akte unter seinen Schreibtisch.

"Richard?"

Ein leises Klopfen und die Stimme seiner Sekretärin ließen ihn unterm Tisch vorschrecken, wobei er sich zum verteufelten Male den Kopf stieß.

"Verdammt, wo ist der forensische Bericht zum Fall 'Ekko-Tech'? Natascha!"

Erstaunt beobachtete er, wie sie sich einmal suchend umsah, den Bericht dann mit einem Griff aus einem Berg von Papieren zog und ihm auf den Tisch legte.

Seufzend hievte er sich wieder auf seinen Stuhl, betrachtete den Bericht, anschließend Natascha und sein ganz persönliches Chaos.

"Wie machen Sie das nur?"

"Weibliche Intuition?", lachte sie und ließ ihn gestresst allein.

Er war gerade dabei seine Sachen zusammen zu suchen, als er die energische Stimme seiner Sekretärin vernahm: "Sie können da nicht rein! Halt! Haben Sie mich nicht verstanden?"

Masters dachte gerade noch, dass sein geruhsamer Feierabend dahin war, da schwang auch schon die Tür zu seinem Büro auf und eine rassige Schönheit postierte sich vor seinem Schreibtisch.

Wenige Sekunden später stolperte Natascha über die Schwelle zu seinem Büro und entschuldigte sich für das plötzliche Hereinstürmen der Unbekannten.

Masters war alles vergangen. Er hatte das Gefühl, ein Seil spanne sich um seinen Hals und schnüre ihm die Luft ab. Dann erinnerte er sich wieder daran zu atmen. Diese grünen Augen - wo hatte er sie schon mal gesehen?

"Miss, was sollte das eben?" Gedankenverloren wippte er mit seinem Bürostuhl und starrte sein Gegenüber mit misstrauischen Augen an. Er wollte möglichst gelassen wirken.

"Ich will Sie, Assistant Director Masters, mit Haut und Haaren!", flötete seine unbekannte Besucherin.

Ein lautes, plötzliches Poltern erklang und sie sah sich nur noch einem Paar ausgestreckter Beine gegenüber. Sein Stuhl war samt seiner Person nach hinten weggekippt. Er hatte wieder mal mit allem gerechnet, aber nicht mit so etwas. Wieso brachten ihn manche Frauen nur so aus dem Konzept?

Er rappelte sich wieder auf und nahm wahr, dass sie den Raum bereits wieder verließ.

"Wir treffen uns in zwei Stunden!", lächelte sie und verschwand.

Er starrte auf die Stelle, wo sie noch vor wenigen Minuten gestanden hatte und schluckte einmal kräftig, dann trafen ihn die vorwurfsvollen Augen seiner Sekretärin...

***

"Darf ich reinkommen?"

Masters betrachtete das hübsche Gesicht seiner Sekretärin und winkte sie herein.

"Natascha..."

"Richard, wie konnten Sie nur!", fuhr sie ihn plötzlich an.

"Was...?" Ihm kam in den Sinn, dass sie das Gespräch mitbekommen hatte.

"Das habe ich nicht von Ihnen erwartet!", seufzte sie und trat an das Fenster.

Masters hielt den Atem an. *Mein Gott!* Diese Frau raubte ihm den Atem. Wieso hatte er sie so lange ignoriert?

Er erkannte fast nur ihre Umrisse, da es im Raum recht dunkel war, doch ihr Gesicht war von den Straßenlaternen angestrahlt und spiegelte sich in der Fensterscheibe. Er konnte seinen Blick nicht mehr lösen.

Vergessen war die fremde Frau, vergessen seine Rückenschmerzen, die vom unsanften Sturz mit seinem Stuhl zeugten, er sah nur noch dieses zarte Gesicht, das sein Innerstes auszufüllen schien.

Langsam schritt er auf sie zu, ihr Gesicht nicht aus den Augen verlierend. Sie blickte ihn mit einem klaren, entschlossenen Blick an.

*Sie weiß, was sie will!*, schoss es ihm durch den Kopf, *Aber was will ich?*

"Natascha..." Seine Hand zitterte, als er ihre Wange berührte. Sie lehnten ihr Gesicht in seine Hand und schloss die Augen.

"Oh, mein Gott!", flüsterte er, "was tue ich?" Wenige Sekunden später spürte er ihre Lippen auf seinen, ein Sehnen in seinem Körper und das Gefühl von Vollkommenheit.

Er zog ihren Körper an seinen und hielt sie fest umschlossen.

"Masters!"

Erschrocken wich er von ihr ab. Ihr Blick war sanft und doch verwirrt. Dann sah er seinen Vorgesetzten in der Tür und musste schlucken.

"Ich wollte nachsehen, wie weit Sie sind, aber..."

"Sir", unterbrach er ihn, "denken Sie jetzt nichts Falsches!"

"Ich denke nichts Falsches, ich habe ja gesehen, was Sie unter Arbeit verstehen!", schimpfte dieser.

"Sehen Sie zu, dass Sie den Fall in den Griff bekommen!"

"Ja, Sir", murmelte Masters niedergeschlagen und packte seine Sachen wieder aus...

***

"Richard? Kann ich dir helfen?"

"Natascha? Ich dachte, du wärst schon weg." Erstaunt sah er auf die Uhr, es war bereits 22:00 Uhr durch. Eigentlich hatte er jetzt eine Verabredung, kam es ihm in den Sinn.

"Ich hatte da eine Idee...", begann sie und wartete auf Masters Reaktion.

"Hast du dich mit dem Fall beschäftigt?"

"Na ja, ich dachte, ich könnte dir vielleicht helfen..."

"Und? Kannst du mir helfen?" Er lächelte. Seine Verabredung war jetzt egal.

"Nun", sie setzte sich ihm gegenüber in den Stuhl, "Ekko-Tech produziert Computer Equipment, richtig?"

"Richtig!"

"Mister Homito, dessen Unterlagen entwendet wurden, ist ein hoch angesehener Forscher in seinem Land. Ich gehe davon aus, dass er Unterlagen hatte, die Ekko-Tech weitergeholfen hätten. Also wurde das FBI eingeschaltet. Agent Bricks muss zu viel gewusst haben, denke ich."

"Und der Vorstand?"

"Ich glaube, man hatte ein Problem mit dem verübten Mord und da wurde überlegt, wie man das Problem aus dem Weg schaffen könnte, doch das Problem hat den Vorstand schließlich aus dem Weg geräumt."

"Gut recherchiert und überlegt, doch warum die weiteren Morde und Diebstähle?", grübelte Masters und richtete seinen Blick wieder aus dem Fenster.

"Vielleicht zur Ablenkung, vielleicht zur Verwirrung oder einfach aus Spaß. So wie die Frau von Owen beschrieben wurde, muss sie teuflisch viel Spaß an dieser Sache haben!"

"Aber wieso verschwindet sie so plötzlich und scheint nie da gewesen zu sein? Und diese immense Kraft die teilweise im Spiel war, das kann keine Frau gewesen sein!"

Natascha schüttelte den Kopf: "Das ist der Punkt, wo auch ich nicht weiter komme."

Er lächelte und winkte sie zu sich rüber.

"Danke für deine Hilfe! Aber jetzt mach endlich Feierabend! Ich denke über deine Idee nach, okay?"

Sie lächelte und ließ sich von ihm küssen, ehe sie seine Anweisung dankend annahm und das Büro verließ...

***

Er musste eingeschlafen sein. Seine Uhr zeigte bereits 06:30 Uhr morgens und der Horizont färbte sich in ein helles Orange. Gähnend streckte er sich und blickte auf den Berg Papiere, auf dem er die Nacht verbracht hatte.

Verschlafen streckte er seine steifen Knochen und stand auf, um sich frisch zu machen. *Wieder mal ein Tag vergangen, den ich nur im Büro verbracht habe.*, seufzte er in Gedanken und freute sich auf einen frischen Kaffee von Natascha, die, wie er hoffte, in wenigen Minuten eintreffen sollte.

Er öffnete er die Tür zu seinem Vorzimmer, blieb erstarrt stehen und schloss die Augen: "Nein..."

***

Er hatte das Gefühl völlig leer und ausgelaugt zu sein. Schmerz füllte ihn langsam von innen aus. Sein Blick war aus dem Fenster gerichtet, doch er nahm nur ihr Gesicht wahr, welches sich gestern in genau jener Fensterscheibe gespiegelt hatte.

Ein Kollege legte seine Hand tröstend auf seine Schulter, doch er stieß sie fort. Er konnte jetzt kein Mitleid ertragen.

"Masters."

Er ignorierte die betont mitleidige Stimme seines Vorgesetzten.

"Miss Duncan, Natascha..."

Richard hob abwehrend die Hand und gebot seinem Vorgesetzen Einhalt. Es kostete ihn sehr viel Kraft sich unter Kontrolle zu halten.

"Der Fall gerät außer Kontrolle! Klären Sie das! Ich gebe Ihnen eine Woche!", zischte sein Vorgesetzter und ging.

Masters drehte sich um, wollte ihm wütend etwas antworten, da wurde die Bahre hochgehoben und heraus getragen.

Er musste schlucken.