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Close without touching

von Melissa

Kapitel 1

13. Februar 1996

Dana Scully schaltete ihren Fernseher an. Als der Ansager die Zuschauer dazu anspornte "Those Special Love Songs" zu bestellen, konnte sie fühlen, wie sich die Tränen in ihren Augen sammelten. Als die Bruchstücke romantischer Songs auf sie zu trieben, konnte sie den Schmerz in ihrem Bauch nicht mehr daran hindern, sie innerlich zu betäuben. Sie war allein, und es war doch der Tag vor dem Valentinstag. Sie war beinahe 32 Jahre alt und das einzige was sie besaß, war ein Hund ohne Namen, der sie lieben konnte.

Plötzlich, voller Wut, drückte sie einen Knopf auf der Fernbedienung, die schmerzhafte, herablassende Stimme zum Schweigen bringend. Sie sprang von ihrer Couch und lief in ihrem Wohnzimmer auf und ab. Bevor sie es überhaupt bemerkte, hatte sie schon ihre Handtasche genommen und eine Schachtel Zigaretten zu Tage gefördert. Während sie eine der schmalen Rollen weißen Papieres herauszog, kratzte sie schnell mit einem Zündholz über den kleinen Streifen auf der Rückseite der Streichholzschachtel. Die Zigarette anzündend, inhalierte sie tief.

Doch heute Nacht funktionierte es nicht. Dieses wundervoll beruhigende Gefühl, nach dem sie sich sehnte – welches sie hatte, wenn sie rauchte – stellte sich heute Nacht nicht ein.
*Natürlich funktioniert es nicht, Dana.*, erinnerte sie ihr praktisch veranlagter Verstand. *Es hat nur mit der ersten, die du geraucht hast, funktioniert.*

Die erste. Nicht die erste, die sie jemals geraucht hatte, aber die erste, die sie in letzter Zeit geraucht hatte. In einem kleinen Hotelzimmer in Comity, New Hampshire. Als sie sich, zurückzuführen auf die seltsame Planetenkonstellation, wie eine eifersüchtige Schlampe aufgeführt hatte. Ein sehr eifersüchtiges Miststück.

Wieder die drohenden Tränen fühlend, gab sie sich ihnen diesmal hin. Die Zigarette im Waschbecken ausdrückend, entschied sie sich, Tee zu machen, ordentlich zu heulen, ein Bad zu nehmen und dann ins Bett zu gehen. Nicht gerade der aufregendste Valentinstags – Vorabend den sie jemals hatte, aber es war ohnehin lange her, seit ihr der Valentinstag irgendetwas bedeutet hätte.

Dana füllte den Teekessel mit Wasser und begann damit, es kochen zu lassen. Sie seufzte, als sie auf den Zehenspitzen stehend ihren Schrank öffnete, um das Regal mit den Teebeuteln zu erreichen. Mit den Fingerspitzen nach der kleinen Box angelnd, hätte sie sie beinahe fallen lassen. Mit einem leichten Keuchen fing sie sie auf. Während sie den Karton auf die Theke neben dem Herd stellte, öffnete sie den Geschirrspüler und fischte ihre Lieblingstasse heraus. Sie bemerkte, dass sie noch feucht war und angelte nach einem Papiertuch, als das Telefon klingelte. Die Tasse glitt ihr vor Schreck aus der Hand, da das Wasser ihren Griff instabil machte. “Verdammt!" fluchte sie laut, als sie versuchte das Telefon zu erreichen, ohne sich ihre nackten Füße aufzuschneiden. Ungeduldig griff sie nach dem Hörer. "Ja?"

"Scully? Sind Sie das?"

Bei dem Klang von Mulders Stimme fluchte sie leise. In ihrer derzeitigen Verfassung würde jeder Mann, der mit ihr in Kontakt kommen würde es bereuen.
*Oh Dana, er hat dich schon biestig erlebt, er wird es dir nicht übelnehmen, das hat er nie getan* wurde sie erinnert.

“Nein, Mulder, hier ist Pamela Anderson. Ich habe mich nur als Agent Scully verkleidet um Ihnen nahe zu sein. Nun, was wollen Sie?" erwiderte sie sarkastisch.

“Wirklich Pamela? Ich bin geschmeichelt, aber was würde Tommy Lee sagen?"

Bei seiner üblichen neckenden Antwort wünschte sie, er wäre bei ihr, sodass sie die Scherben ihrer Tasse nach ihm werfen könnte. Er *musste* natürlich zurückschlagen, er wäre nicht Mulder gewesen, hätte er es nicht getan.

“Ernsthaft Mulder, was ist? Ich war gerade mittendrin, meine Lieblingstasse zu zerbrechen."

Irgendwie schaffte es seine Stimme, ruhig zu werden, betroffen und ernst in einer Zeitspanne von drei Sekunden. “Um, eigentlich habe ich nur angerufen um 'Hi' zu sagen, Scully. Ihre Tasse zerbrochen, huh?"

Bei seiner beruhigenden Gelassenheit, die an sie drang, ließ sie sich gegen die Theke sinken. “Ja, sie ist mir aus der Hand gerutscht und natürlich trage ich weder Schuhe noch Socken."

“Haben Sie sich geschnitten?", fragte er, seine Stimme so voll von Mitgefühl und Sorge, dass sie sich im tiefsten Inneren irgendwie seltsam fühlte. Er hatte schon lange nicht mehr so zu ihr gesprochen. Und die Tatsache, dass er es nicht tat, machte sie traurig. Bevor sie sie aufhalten konnte flossen die Worte in einem standfesten, verletzenden Strom aus ihrem Mund.

“Fox William Mulder, das würde ich Ihnen nicht einmal sagen, wenn Sie der letzte Mann auf Erden wären." Das laute Klicken als sie den Hörer zurück auf seine Einheit legte, beruhigte ihre strapazierten Nerven.
Den Teekessel vom Feuer nehmend, wo er seit einer Minute pfiff, stürzte sie in den Flur, die Scherben ihrer Tasse ignorierend und weinte, wie noch niemals zuvor.

xXx

*Klick*

Fox Mulder hielt den Hörer zweifelnd von seinem Ohr weg. Als er ihn wieder an sein Ohr brachte, konnte er nur die Luft hören, gefolgt von einer nasalen Stimme, die sagte: “Wenn Sie ein Gespräch führen wollen, hängen Sie ein und versuchen Sie es noch einmal. Wenn Sie Hilfe brauchen, legen Sie auf und wählen die Nummer der Vermittlung ..."

Den Hörer zurück auf die Einheit legend, ließ er sich auf sein Sofa fallen, starrte an die Decke und versuchte zu begreifen, was geschehen war. Er hatte Scully angerufen, sie ein bisschen geneckt, sie hatte ihre Tasse zerbrochen, er hatte versucht sich zu erkundigen, ob sie okay sei, sie hatte eine der schneidendsten Bemerkungen gemacht, die er sie je hatte sagen hören und hatte aufgehängt.

Als er die tanzenden Scheinwerferlichter der vorbeifahrenden Autos an der Decke beobachtete, konnte er nur darüber rätseln, was Scully gestört hatte. Nachdem er zurückgekehrt war, schien ihre Partnerschaft so stark zu sein... nur um es selbst zu zerstören, machte er sie zu Fremden auf vertrautem Gelände. Erst kürzlich schienen sie sich wieder dem richtigen Weg anzunähern, bis zu dieser furchtbaren Sache in Comity. Als alles, was ihn verrückt nach ihr machte, noch irritierender wurde. So irritierend, dass er auf die Idee kam eine Wodka – Orangensaft – Mischung zu kreieren, die optimistischer Weise Schraubenzieher genannt wird.

*Natürlich half das Zeug in keinster Weise.*

Er seufzte. Nein, betrunken sein hatte definitiv nichts geholfen. Es hatte ihn nicht seine Probleme vergessen lassen, vergessen lassen, dass er ein arrogantes Arschloch geworden war. Wenn überhaupt, hatte das Trinken seine Probleme nur verstärkt. Seitdem mied er Alkohol – er würde nicht mal mehr Bier trinken.
Er hatte das Resultat gesehen, und Alkohol war nicht stark genug, um ihn vergessen zu lassen.

Das Fazit war, dass sie sich die letzten drei Wochen auf wackeligen Eiern bewegten. Die Beleidigungen hatten beide zu sehr verletzt, um sie einfach mit einem Lachen abzutun. Er vermied es, Witze zu reißen, sie in seiner üblichen Art und Weise aufzuziehen. Er ging zur Arbeit, verbrachte Zeit in einem Kellerbüro zusammen mit einer kleinen rothaarigen Agentin, und ging nach Hause. Er rief sie nicht an. Sie aßen nicht zusammen zu Mittag. Sie redeten nicht miteinander.

Er vermisste sie mehr, als er es jemals getan hatte.

xXx

Mit einer ruckartigen Bewegung ihres Kopfes schreckte Dana hoch. Sie saß auf ihrem Küchenboden, sie war wie betäubt und ihr Kopf hämmerte. Grübelnd, was passiert war raffte sie sich auf. Als sie die Scherben ihrer zerbrochenen Tasse auf dem Boden liegen sah, erinnerte sie sich wieder.
Die Reklame. Die Zigarette. Ihr zerbrochener Becher. Das Telefonat. Mulder.

Als die Gedanken daran zurückkamen, verzog sie ihr Gesicht zu einer Grimasse. Sie sollte Mulder zurückrufen und sich entschuldigen – auch wenn sie gemeint hatte, was sie sagte, sie hätte es nicht sagen sollen. Aber sie war nicht in der Lage, das jetzt zu tun. Die Tasse Tee war ein Reinfall gewesen, vielleicht war das Bad eine bessere Idee. Auf das Badezimmer zusteuernd, drehte sie die Regler auf, und erlaubte so dem heißen Wasser aus dem Wasserhahn in die tiefe Badewanne zu donnern. Nachdem sie eine halbe Flasche Badezusatz dazugegeben hatte, ging sie in ihr Schlafzimmer, um ihren Pyjama zu holen.

Sie seufzte, als sie die tiefe Schublade öffnete, die ihr Schlafzeug enthielten. Alles was sie besaß, waren Pyjamas, sie waren klasse, wenn man krank war, aber sie ließen einen sich nur noch unattraktiver fühlen, wenn man deprimiert war.
Ein bisschen in der Schublade umhergrabend, stieß sie auf ihre eigene dekadente Verschwendungssucht. Ein seidig schwingendes Nachthemd in einer wundervollen Cremefarbe. Ein sehr einfaches Nachthemd, aber sie hatte es noch nie getragen – sie war immer etwas verlegen gewesen, dass sie etwas Dergleichen gekauft hatte. Doch heute Nacht wollte sie sich schön fühlen. Ein kleines, selbstbewusstes Grinsen erschien auf ihrem Gesicht, als auf das jetzt dampfige Bad zusteuerte.

Sie kletterte in die Badewanne und stellte schnell das heiße Wasser ab. Die schillernden Blasen rochen, als wenn überall um sie herum Maiglöckchen wachsen würden. Dana schloss ihre Augen und atmete den intensiven Duft ein. Sie fühlte, wie ihr Zorn davon trieb.
Die Schmerzen, die sie seit dem Einschlafen auf ihrem Küchenboden hatte, verblassten. Die Kopfschmerzen vom Weinen und Rauchen wichen zurück. Sie fühlte sich wie in einer riesigen Seifenblase: immun allem gegenüber, beschützt, sicher, beherrscht.
Sie hatte immer dieses Gefühl, in einer Seifenblase zu sein. Immer schon, seit sie klein war, hatte Dana darauf bestanden, einen privaten Freiraum um sich herum zu haben.
Während ihre Familie so groß und liebevoll war, konnte sie nie so empfindsam wie ihre Schwester und ihre Brüder sein, auch wenn sie sie von ganzem Herzen liebte. Ihre Zone ließ sie kontrolliert, in sich gekehrt bleiben, fixiert auf das, was sie zu erreichen suchte. Sie wurde Ärztin. Sie wurde FBI-Agentin. Sie wäre nicht fähig gewesen, das alles zu erreichen, wenn sie sich andauernd mit den Leuten eingelassen hätte. Dana distanzierte sich selbst psychisch, um emotional ruhig bleiben zu können. Die Menschen, denen sie am nächsten kam, waren die, an denen sie Autopsien vornahm. Und bei ihrem Image versuchte niemand ihr nahe zu sein. Ihr nahe zu stehen. Sie zu berühren.

*Mulder versuchte es.*

Und diese ungebetenen Gedanken öffneten Danas Augen. Das Gefühl der Sicherheit verschwand um von einer Panikattacke abgelöst zu werden.

*Oh mein Gott, Mulder neigt sich immer zu mir, berührt meinen Rücken, berührt meinen Arm, streift meine Schulter, oh Gott, oh Gott...*

Ihr Atmen wurde zu einem großen Schlucken, sie sprang förmlich aus der Badewanne. Nach einem Handtuch grapschend, schlang sie es eng um sich, die Feuchtigkeit von ihrem Körper trocknend, zog ihr Nachthemd an, das sie jetzt flüchtig registrierte.

Sie ging ins Wohnzimmer und brach auf der Coach zusammen, ließ ihren Kopf in die Hände fallen.
*Denk rational. Das hat nichts zu bedeuten. Er ist nur höflich. Es ist nichts verkehrt an einem Mann, der solche Dinge tut.*
Als sie versuchte die Panik zu unterdrücken, sprang ein Bild in ihre Gedanken, wie sie an Mulders Brust weinte, seine Arme um sie geschlungen und vielleicht, nur vielleicht, das Gefühl seiner Lippen, die ihr Haar streiften. Und die Tränen kamen zurück. Und das zweite Mal in dieser Nacht weinte sie, als ob ihr Herz brechen würde.

xXx

Als Mulder das Lenkrad drehte, fragte er sich noch einmal, warum er auf dem Weg zu Scullys Appartement war, um – einen kurzen Blick auf die Uhr des Armaturenbretts werfend – 00.06 Uhr am Morgen. Er gab sich selbst die üblichen Antworten (ich war besorgt um sie, ich hatte einen plötzlichen Einfall zu einem Fall, zu dem sie eine Akte besaß, die ich brauchte...) bevor er eingestand, dass er sie sehen musste.

Sie waren zu lange auseinandergerissen gewesen. All die Unterschiede und scharfen Kanten, die ihre Partnerschaft zuvor so erfolgreich gemacht hatten, durchbohrten sie jetzt. Er konnte nicht länger damit umgehen. Und wenn er sie flachlegen müsste, er würde sie dazu bringen, mit ihm zu sprechen. - Natürlich, wenn er sie wirklich flachlegen würde, würde sie sicher nicht reden.
Er konnte ein Seufzen nicht unterdrücken. Seit er Dana Scully kannte, hatte er den Eindruck, als umgebe eine dünne Aura ihren Körper, die einen Platz markierte, in den niemand eindringen sollte. Er glaubte, dass sie aus ihrer frühsten Kindheit in dieser großen Familie stammen würde und dadurch verstärkt wurde, dass sie sich einen von Männern dominierten Bereich für ihre Karriere aufgesucht hatte. Eine Aura, die sie beschützte.

Aber er hatte sie niemals diese Aura bewahren lassen. Er hatte sich immer auf sie gestützt, versucht zu begreifen, was sie sagte. Manchmal, wenn er das tat, sah er ein winziges Flackern in ihren Augen, wenn er seinen Kopf in Richtung ihres Mundes kippen ließ.

Und er konnte nicht umhin ihre Schulter oder ihre Hand zufällig zu streifen. Zufällig seine Hand auf ihrem Rücken zu positionieren. Alles nur um irgendwie mit ihr in Kontakt zu treten. Er berührte ab und zu andere Frauen, aber es war nie so, wie Scully zu berühren. Er spürte, wie sein Herzschlag einen Hopser machte bei dem Gedanken daran, Scully zu berühren. Bevor er einen weiteren Gedanken an sein trappelndes Herz verschwenden konnte, registrierte er, dass er bei Scullys Wohnung angekommen war. Noch einmal seufzend stieg er aus seinem Auto, blieb einen Moment stehen und suchte nach einem Grund warum er hier war, insbesondere nach dem Telefongespräch. Als er die Tür öffnete wunderte er sich, dass in Scullys Wohnung noch Licht brannte. Scully war ein “früh zu Bett" – “ früh aufsteh" – Typ, es war untypisch, dass sie zu so später Stunde noch auf war. Aber wenn sie auf war, musste er sie nicht wecken, damit sie mit ihm redete.

xXx

Zuerst dachte sie, sie hätte sich das Klopfen an der Tür nur eingebildet. Aber als es sich wiederholte, merkte sie, dass jemand - nein Mulder - vor der Tür stand. Sie nahm ein Taschentuch aus der Box auf ihrem Nachttisch und wischte über ihre Augen, als sie auf die Tür zuging, sie entriegelte und aufschwingen ließ.

“Was ist, Mulder?" fragte sie, bevor sie das Taschentuch benutzte um ihre Nase zu schnauben. Er war in der Lage zu erkennen, dass sie geweint hatte, es machte keinen Sinn, es zu verstecken. Als sie sich umdrehte, ließ sie das Taschentuch auf den Tisch fallen und nahm ein weiteres. Sie war so damit beschäftigt, ihre Tränen zu verstecken, dass sie nicht merkte, dass sie nur ihr Nachthemd trug.

Mulder fühlte, wie der Druck in sein Herz zurückkehrte. Dana Scullys Kleidung reflektierte ihr Verlangen nach persönlichem Raum: Sie war blockartig, versteckende Geschäftskleidung. Und das einzige, indem er sie gesehen hatte, wenn sie unterwegs waren, waren schöne, vernünftige Schlafanzüge. Aber wie sie so vor ihm stand, ihre kleine, schlanke Figur, umgeben von dem seidenartigen, cremefarbenen Etwas, wirkte sie alles andere als vernünftig. Sie brachte ihn dazu, sich lebendig zu fühlen, da sie ein sexy Nachthemd trug, dass ihm zeigte, wie schön, wie begehrenswert sie war. Eine Kenntnisnahme, die er nicht in seinen bewussten Gedanken haben wollte. Er hatte immer gewusst, dass sie schön war. Aber jetzt wusste er, dass er nicht nur *wusste*, wie schön sie war, er konnte es auch sehen.

Plötzlich hörte Dana auf, ihre Nase zu putzen. Abgesehen von ihrem Niesen war es still im Apartment. Sie fror. Als sie an sich heruntersah, registrierte sie, dass sie nur ihr Nachthemd trug. Eine Welle von Verlegenheit überschwemmte sie, und mit einem kurzen “Bin gleich zurück" verschwand sie in ihrem Schlafzimmer und griff nach ihrem Mantel.
Der dicke Bademantel wärmte ihre kalten Schultern.

Sie konnte Mulder nicht ansehen, als sie zurück ins Wohnzimmer kam. Die Emotionen, die durch sie geflossen waren, verliehen ihr das Gefühl eines Kreisels, der begonnen hatte, sich zu drehen, ohne jemanden, der fähig wäre ihn anzuhalten.

Sie bemerkte, dass Mulder sich auf ihrer Coach niedergelassen hatte, ohne in Erwägung zu ziehen, die Tür zu schließen. Sie seufzte leise, machte die Tür zu und schob das Schloss aus Gewohnheit vor. Danach begab sie sich zu Mulder, setzte sich neben ihn und stützte ihren Kopf in ihre Hände. Ohne eine Pause zu machen, sagte sie müde “Es tut mir leid, was ich zu Ihnen gesagt habe. Es war eine lange Woche. Die Arbeit war hart. Ich habe mich etwas krank gefühlt. Ich hab mich ein bisschen aus dem Leim gefühlt. Verzeihen Sie mir?"

Er konnte sie nicht ansehen. Als sie in ihrem Bademantel zurückgekehrt war, fühlte er sich wie zerquetscht. Er erinnerte sie an Zeiten, in denen er nur in Boxershorts um sie herum gelaufen war... als sie sich wohl gefühlt hatten, durch die Nähe des anderen. Als die Dinge noch ein wenig einfacher waren. Als er noch nicht wusste, dass er sie liebte. Aber die Dinge lagen jetzt anders. Und selbst wenn ihre Verbindung scheitern würde, würden sie doch immer von ihrer beruflichen Beziehung geprägt werden. Vorläufig berührte er ihre Schulter.

“Sicher Scully, ich verstehe es. Es war eine harte Woche, von allen Seiten."

Bei seiner Berührung wäre sie beinahe zurückgeschreckt. Das Gefühl seiner langen, warmen Finger auf ihrer Schulter war zu viel. Sie sollten das nicht tun. Sie wusste, dass sie ihn liebte, und es war fast Valentinstag, und selbst wenn sie ihm alles hätte sagen wollen, könnte sie es nicht wegen der Arbeit, dem unleugbaren Fakt, dass sie nicht sein Typ war und dass Mitleid, dass er mit ihr haben würde, würde ihre berufliche Beziehung negativ beeinflussen.
Aber er war so nahe...

Sie sprang auf und begann umherzulaufen. Sich mit ihrem Ärmel die Augen wischend zwang sie sich, ihn anzusehen “Also womit habe ich das Vergnügen eines mitternächtlichen Rendezvous verdient, Mulder?"

*Oh mein Gott, sie sieht mich an, sie wird sehen woran ich denke, ich kann sie nicht ansehen...*
Mulder schob seine panischen Gedanken beiseite und zwang sich, ihr direkt in die Augen zu sehen. Doch die Worte die er sagen wollte, die Unterhaltung, die sie über ihre Arbeit führen sollten, kamen nicht zu Stande.

Er stand auf und ging auf sie zu. Als er näherkam, hörte sie auf, umherzulaufen. Sie starrte auf seinen Oberkörper und er starrte auf ihren Kopf. Sie waren sich so nahe... er konnte sie vor und zurückschwingen fühlen, der leichte Wind, den sie dabei machte kühlte seine warme Haut. Und ohne sie zu berühren, flüsterte er leise “Fröhlichen Valentinstag, Scully", bevor er sich zurückzog, Die kostbare Wärme, die er gefühlt hatte, löste sich auf, als er die Tür entriegelte und sie hinter sich zu zog.


ENDE