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Richtung Nirgendwo - Geteilte Wege

von Nicole Perry

Kapitel 1

GETEILTE WEGE (1/16) X, MSR
von Nicole Perry
nvrgim@aol.com
1/10/97



"...every minute
every hour
every day that passes by
there's not a second
or a moment
that you're not on my mind
if you wonder
when I think of you
well just let me put it this way
every minute
every hour
every day...."

- james house


Fox Mulder war gefangen in einem Alptraum seiner eigenen Vorstellung. Ein
Alptraum am hellichten Tag, von dem er völlig durcheinander aufwachte und
seine Gliedmaßen sich erst langsam den Befehlen des Gehirns unterwarfen.


*LässtdumichwiederlinksliegenMulder*

*Daswürdeichnie*

Er hatte es ihr versprochen, und doch war er ohne sie gegangen.

Er würde es sich nie verzeihen.

*DanaohGottDanaestutmirleidestutmirsoleid*

Er hatte sie im Stich gelassen, obwohl sie ihn brauchte. Er hatte sie in
dem Zug allein gelassen.

Aber andererseits hatte er so etwas nicht kommen sehen...

Er hätte nie gedacht, dass er als Gefangener eines Mannes enden würde, dem
zweifellos nichts lieber wäre, als sie beide tot zu sehen.

Mulder blickte dem Mann in seine dunklen, kalten, voll und ganz von seinem
Triumph überzeugten Augen. Ein Triumph, der mehr dem Zufall zu verdanken war
als irgendwelchen seiner Bemühungen. Mulder wollte auf keinen Fall den Mann
seine Qualen sehen lassen, deshalb stellte er lediglich die Frage, worauf
er eigentlich hinaus wolle.

Christophes Blick war kalt. "Ich will nur wissen, wo Sie sie zum letzten
Mal gesehen haben."

Mulder zögerte, er fühlte sich bei ihrem "Geschäft" immer noch nicht sehr
wohl.

"Ich werde Sie nicht zweimal fragen."

Doch in diesem Moment war Mulder sich sicher. Er wusste zweifellos, dass er
die falsche Wahl getroffen hatte. Aber er hatte sie getroffen, und jetzt
gab es kein Zurück mehr.

"El Paso", brachte er letztendlich gequält hervor. "Ich habe sie das letzte
Mal in einem Amtrak-Zug namens Sunset Limited am Bahnhof von El Paso
gesehen."

"Ah, also sind Sie mit dem *Zug* unterwegs gewesen", schlussfolgerte
Christophe und verriet Mulder somit, dass er sie schon seit geraumer Zeit
verfolgte. "Unter dem Namen Steward?" Mulder antwortete nicht, aber
Christophe fasst seine Stille als ein Ja auf. "Glauben Sie, dass sie noch in
dem Zug ist?"

Mulder zuckte die Schultern. Er hatte schon mindestens tausendmal über
diese Frage nachgedacht, aber er wusste es einfach nicht. Er hatte nicht die
leiseste Ahnung, ob Christophe von ihrer Blindheit wusste, und er wollte ihm
um keinen Preis etwas Unnötiges verraten. "Vielleicht", sagte er
ausdruckslos.

"Dann fangen wir dort an." Christophe drehte sich zu dem Mann mit der Waffe

und befahl, "Finde heraus, wo der Zug als nächstes hält. Wir werden dann da
sein -- und wenn sie nicht an Bord ist, werden wir von dort aus weiter
sehen."

Der Mann nickte und reichte Christophe die Pistole, bevor er das Flugzeug
verließ. Christophe legte die Waffe vor sich auf den Tisch und wandte seine
Aufmerksamkeit dann wieder Mulder zu. "Ich bin froh, dass Sie sich an die
Regeln halten."

"Die Frage ist nur, ob Sie das auch tun", konterte Mulder.

"Was soll das heißen?"

"Ich will nur sicher gehen, dass wir im Geschäft sind", erklärte Mulder
und wünschte sich mehr als zuvor, seine Hände nicht hinter seinem Rücken
gefesselt zu haben. Er studierte Christophes Reaktion genau. "Ich will
sicher sein, dass Sie lediglich hinter der Diskette her sind."

"Ich hoffe doch stark, Mulder, dass Sie nicht an mir zweifeln wollen und
meine Ehre beleidigen, indem Sie andeuten, ich würde mein Versprechen nicht
halten." Christophes Gesichtsausdruck war ein einziges Poker-Face, und so
sehr er es auch versuchte, konnte Mulder nicht das Geringste darin lesen.
"Aber, wenn Sie sich dann besser fühlen, werde ich es Ihnen noch einmal
sagen -- ich bin überhaupt nicht an dem Mädchen interessiert."

Sie starrten sich an, braune trafen pechschwarze Augen -- jeder versuchte,
den anderen einzuschätzen. Mulder weigerte sich wegzuschauen, als ob es die
erste von zahlreichen Prüfungen sei, die er in den nächsten Tagen vor sich
hatte.

Doch in diesem Augenblick kam Christophes Assistent zurück und unterbrach
den stillen Kampf zwischen ihnen. "Tucson", sagte er zu Christophe. "Der
Zug wird in etwa fünfzehn Minuten in Tucson sein. Wir fliegen da jetzt hin
und sollten in etwa einer knappen halben Stunde dort landen."

Christophe nickte zufrieden. Er deutete seinem Assistenten und befahl, "Wir
müssen Mr. Mulder allerdings zuerst ein wenig verdrahten."

Mulder runzelte die Stirn, als der Mann nickte und zu dem Tisch ging, auf
dem eine kleine Kiste lag. Er öffnete sie und holte ein großes Stahlarmband
hervor. Er trat zu Mulder und machte ihn von seinen Fesseln los. Doch bevor
Mulder sich an das Gefühl der Bewegungsfreiheit gewöhnen konnte, befahl der
Mann, "Ihren rechten Arm, bitte."

"Was soll das denn jetzt?" fragte Mulder. Er bewegte nicht einen Muskel und
blickte auf die Waffe, die auf dem Tisch genau in Christophes Reichweite
lag.

"Nur zur Sicherheit", antwortet Christophe ihm mit zusammengekniffenen
Augen. "Das ist für uns nur einen kleine Hilfe, um Sie aufzuspüren, wenn es
sein muss."

Mulder regte sich nicht und widersetzte sich Christophe.

"Das Armband ist keine freiwillige Angelegenheit, Mulder. Ich fürchte, dass
ich darauf bestehen muss."

Mulder merkte, dass jeder Widerstand im Moment sinnlos war und streckte dem
Assistenten langsam seine rechte Hand entgegen Er krempelte seinen Ärmel
hoch und befestigte das Gerät daran. Es lag eng an, aber es tat nicht weh,
und doch hörte sich für ihn das Zuschnappen des Verschlusses wie das
Knallen einer Gefängnistür an. "Neuester Stand der Technik", bemerkte er
sarkastisch.

"Zweifellos", versicherte Christophe ihm. "Ohne einen speziellen
elektronischen Schlüssel kann es nicht geöffnet werden und seine Reichweite
ist nahezu unbegrenzt." Er griff in die Kiste, in der das Armband gewesen
war, und holte ein kleines schwarzes Gerät von der Größe einer
Fernbedienung heraus. Die obere Hälfte des Teils war ein mit Glas
abgedeckter Bildschirm, während die untere fast nur aus Knöpfen bestand.
Christophe drückte auf einen davon und ein leises Summen ertönte, als der
Bildschirm aufleuchtete und ein neongrünes Netz aus sich kreuzenden Linien
darauf erschien. Genau in der Mitte des Bildschirms blinkte ein kleiner
roter Punkt.

Mulder wusste haargenau, für was dieser Punkt stand.

Christophe ließ das nun aktivierte Gerät in seine Tasche gleiten. "So kann
ich sicher sein, dass Sie sich nicht vorzeitig aus dem Staub machen."

Mulder sah Christophe noch einmal an und nickte kurz, bevor er sich von ihm
abwandte und versuchte, über eine Fluchtmöglichkeit nachzudenken.



Rebecca tauchte das Blatt in die Entwicklungsflüssigkeit und schob es hin
und her, um das Papier gleichmäßig in der Flüssigkeit zu halten. Nach zwei
Minuten holte sie das Blatt mit einer Zange aus seinem Bad und ließ die
Flüssigkeit abtropfen. Vorsichtig legte sie es ins nächste Bad und dann auf
ein Tablett. Nach fünf Minuten sah sie mit gewohnter Begeisterung zu, wie
sich das Bild auf dem Papier entwickelte und mehrere Reihen kleiner Bilder
zum Vorschein brachte. Mit einem zufriedenen Lächeln hob sie den nassen
Lappen aus dem Bad und hängte ihn neben die der anderen Filme, die sie
gemacht hatte. Fast geschafft, dachte sie und war mit der Arbeit am
heutigen Nachmittag zufrieden. Sie hatte sechs Filme entwickelt und obwohl
sie auf den Kontaktstücken nicht richtig erkennen konnte was drauf war,
bevor sie nicht ganz trocken waren, schien es ihr, dass diesmal nur sehr
wenige Bilder dabei waren, die nichts geworden sind. Am Ende würden sie
natürlich nicht unbedingt alle gebraucht werden, aber es war immer gut eine
Auswahl zu haben.

Als sie ein Gewicht an den unteren Rand des Blattes befestigte, damit es
nicht zerknittert, hörte Rebecca ein leises Knurren. Sie drehte sich um und
blickte über ihre Schulter. Tucker war von seinem Nickerchen erwacht. Er
stand nun auf allen Vieren und blickte neugierig zur Tür.

"Was ist denn los, Tucker?" fragte Rebecca. "Hast du etwas gehört? Hast du
Dad gehört?"

Tuckers abermaliges Knurren vermittelte mehr als nur ein bisschen Ungeduld.

"Das hoffe ich auch", antwortete Rebecca ihm. Sie verstand genau, was der
Hund meinte. "Er ist schon so lange weg." Obwohl sie noch nichts
Ungewöhnliches hörte, vertraute Rebecca auf Tuckers Instinkt und sein
extrem scharfes Gehör, und ihr Lächeln wurde zu einem erwartungsvollen
Grinsen. Sie musste zwar zugeben, dass sie mehr Arbeit schaffte, wenn Elliot
fort war, aber das würde sie freiwillig für seine Anwesenheit opfern. Die
letzte Geschäftsreise zur Buchvorstellung schien Ewigkeiten gedauert zu haben.
Zehn endlos lange Tage, gespickt von lediglich kurzen Telefongesprächen, der
nicht im Geringsten der Sehnsucht nacheinander abhalf.

"Wenn wir ihn nur in ein Flugzeug kriegen würden", sagte Rebecca zu Tucker,
"würde diese ganze Reiserei nicht immer so lange dauern. Willst du mir
dabei helfen?"

Tucker bellte einige Male aufgeregt und ging vor der Türe im Kreis herum.

"Okay", sagte Rebecca und putzte sich die Hände ab. "Hört sich nach einem
guten Plan an."

Sie öffnete die Tür des Dunkelzimmers und blinzelte, als das Sonnenlicht
durch die Fenster des Studios in ihre Augen fiel. Tucker folgte ihr heraus
und sie schloss die Tür schnell hinter sich zu, obwohl das Licht den
trocknenden Bilder nichts mehr ausmachte. Zufrieden blickte sich Rebecca in
der umgebauten Scheune um, die jetzt ihr Studio war. Das Word 'Scheune' war
vielleicht etwas übertrieben, aber von einem einfachen 'Schuppen' konnte
man auch nicht reden. Es war ein ungefähr 27 Quadratmeter großes
rechtwinkliges Gebäude, deren Hälfte aus dem Dunkelzimmer bestand. Im
übrigen Teil lagen alle möglichen Fotoausrüstungen verstreut: Kameras und
Rahmen und Stative, die Tische waren mit Büchern, Ausdrucken und Layouts
übersät, Flaschen mit Entwicklungsflüssigkeiten, Fixier- und
Reinigungsmittel, alte Marmeladengläser, in denen Stifte und Pinsel
steckten. Die Holzwände waren hell gestrichen, die roten Kreuztragbalken
ein Kontrast zu den grünen Leisten und blauen Einfassungen an den
Fensterbrettern. Fotos in alles Formen und Größen zierten die Wand, einige
in glänzend gelbe oder violette Rahmen eingefasst, andere beschattet mit
professionellen schwarzen Rahmen oder mit Glas verkleidet. Der Holzboden
war an den Stellen abgenutzt, an denen er am meisten begangen wurde:
zwischen der Tür und dem Waschbecken und dann wieder neben dem großen
Steinofen, der das meiste der gegenüberliegenden Ecke beanspruchte.

Nicht weit von dem Ofen war eine geländerlose Treppe, die steil auf den
darüberliegenden Dachboden führte. Er war halb so groß wie das Studio, und
sein Holzboden wurde von mächtigen Holzbalken gestützt, die am Dach des
Studios deutlich sichtbar waren. Rebecca konnte von ihrem Standort neben
der Tür des Dunkelzimmers genau in den oberen Raum sehen. Es gab nur ein
sehr klappriges Geländer, das den Blick dorthin nicht gerade verstellte.
Oben stand ein antikes eiseneingefasstes Bett in der Mitte des Zimmers mit
einem passenden Nachttisch und einem kleinen Armsessel daneben. Nicht
besonders viel, dachte Rebecca, aber es reicht. Sie hatte am Morgen das
Bett frisch bezogen, das jetzt warm und einladend aussah.

Tucker kratzte an der Tür zum Schuppen. Rebecca schob den Riegel auf und
drückte dann mit einer Hand auf die Tür. Endlich frei rannte der Hund in
vollem Tempo über das trockene Gras auf das Tor unten am Hügel zu. Das
kleine Haus war zu Rebeccas großer Freude etwa fünfzehn Meilen von Santa Fe
entfernt. Sie waren nahe genug an der Stadt, um Besorgungen zu machen und
weit genug davon weg, um die Schönheit der Wüste unverfälscht zu lassen.
Ihre nächsten Nachbarn wohnten etwa in einer Meile Umkreis und am Nordende
ihres Besitzes begannen bereits scheinbar endlose Bergketten. Als
leidenschaftlicher Wanderer liebte Rebecca nichts mehr als lange
Wandertouren durch die Berge, auf denen sie versteckte Höhlen und
verlassene Minen erkundete und auf einen nach dem anderen Hügel stieg, um
die atemberaubende Aussicht zu genießen.

Rebecca hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, die Scheune mit je einem
anderen Schlüssel für die beiden Schlösser abzuschließen. Cooper hatte die
Schlösser bereits angebracht, bevor er überhaupt das Dunkelzimmer oder das
Loft gebaut hatte, um ihre wertvolle Kameraausrüstung vor Diebstählen zu
bewahren.

Als Rebecca Tucker den Hügel hinunter folgte, musste sie an Elliots kurzen
Anruf zuvor denken. Sie hatten nur kurz miteinander geredet und wollte gerade
mit ihm herumalbern, wie sie es immer tat, als er ihr das Wort abschnitt.

"Beck, hör zu", hatte er gesagt und sie hatte hören können, dass er sich
überwinden musste, um ihr etwas zu sagen. "Ich bringe jemanden mit, der eine
kurze Zeit bei uns bleiben wird."

"Wen?" hatte sie gefragt, aber er war nicht besonders detailliert gewesen.

"Eine Freundin", hatte er ihr geantwortet. "Jemand, den ich im Zug
getroffen habe. Sie... sie bräuchte für ein paar Tage eine Unterkunft."

Rebecca hatte ungeduldig geseufzt. "Elliot! Was soll das heißen? Ein
Mädchen, das du im Zug getroffen hast? Eine völlig Fremde?"

"Es ist sehr kompliziert, Beck. Du musst mir vertrauen. Ich kann jetzt nicht
darüber reden." Diese Bemerkung hatte sie irgendwie beunruhigt, weil es so
völlig untypisch für Elliot war. Normalerweise wollte er immer über alles
und alle reden, jederzeit und möglichst detailliert. "Ich werde dir alles
erklären, wenn ich da bin. Ich verspreche es."

Sie.... Das Wort rumorte in Rebeccas Kopf und sie rückte die Spange in
ihrem langen Haar zurecht. Es machte ihr nicht wirklich etwas aus, dass
Elliots mysteriöse Bekanntschaft eine Frau war. Nach vier Jahren des
Zusammenseins und fast zwei Jahren des Zusammenlebens war sie sich in ihrer
Beziehung sicher und sie wusste, dass Elliot sie genauso liebte wie sie ihn.
Außerdem war es typisch für Elliot, immer eine offene Tür für jemand völlig
Fremden zu haben. Er war der großherzigste Mensch, den sie kannte. Er war
immer bereit, seine Zeit, seine Fähigkeiten oder auch sein Geld zu opfern,
um jemandem zu helfen, die Schwächeren zu unterstützen und sich für
Unterlegene einzusetzen. Er sprühte dann immer vor Enthusiasmus. Es war
eines der Dinge, die Rebecca so sehr an ihm mochte. Sie war eine eher
bemessene Person und sie brauchte immer einige Zeit, um sich anderen zu
öffnen -- aber nicht Elliot. Man könnte ihn bereits nach fünf Minuten nach
dem Kennenlernen adoptieren, heiraten oder einfach so nach Hause nehmen.

Rebecca lachte in sich hinein, als sie sah, wie sich das Motorrad näherte
und wieder einmal bewunderte sie Tucker für seine Fähigkeit, die Rückkehr
seines Herrchens zu wittern. Das Motorrad fuhr auf das Tor zu und Rebecca
winkte den beiden zu, als sie das Tor aufmachte. Sie zog es voll auf und
ließ das Gefährt herein. Tucker drehte sich aufgeregt im Kreis, als sie das
Tor wieder schloss und rannte dann auf die Scheune zu, wo Elliot neben ihrem
verbeulten blauen Jeep angehalten hatte.

Elliot kletterte herunter, zog den Helm aus und hängte ihn an das Lenkrad.
Dann half er seiner Begleiterin, als sie etwas unbeholfen von dem Motorrad
stieg. Als Rebecca näherkam, nahm ihr Elliot gerade vorsichtig den Helm vom
Kopf, so dass ihr dunkles Haar frei auf ihre Schultern fiel. Sie war klein,
trug Jeans und einen blauen Mantel und sie sah überhaupt nicht so mysteriös
aus, wie Rebecca nach Elliots ausweichender Beschreibung erwartet hatte.

"Hey!" rief Rebecca und Elliot sah mit einem breiten Grinsen auf.

"Selber hey", antwortete er. Er fuhr sich mit der Hand durch seine blonden
Haare und rückte etwas verlegen seine Brille zurecht.

Tucker erreichte sie nun und sprang aufgeregt bellend auf und ab. Der
plötzliche Lärm schien die Frau zu erschrecken und sie griff erschrocken in
einer so besitzergreifenden Art und Weise nach Elliots Arm, dass Rebecca die
Stirn runzelte.

"Ist schon in Ordnung, Lisa", hörte Rebecca ihn sagen, als sie näherkam.
"Das ist nur Tucker, unser Hund... er wird dir nichts tun." Er beugte sich
vor, um Tucker hinter den Ohren zu kratzen und zog die Frau helfend mit
sich, so dass sie jetzt neben ihm hockte. Elliot hielt Tucker am Halsband
und legte die Hand der Frau auf den Rücken des Hundes. "Er ist ein guter
Junge, stimmt's Tucker?"

Rebecca erreichte sie nun ebenfalls. Elliot stand auf, um sie zu begrüßen
und er umarmte sie. "Beck...." murmelte er sanft, bevor er sie küsste. "Ich
habe dich vermisst..."Eine Mischung von Sehnsucht und Verlangen stand in
seinen braunen Augen, die offensichtlich genug war, um ihr das Blut ins
Gesicht schießen zu lassen.

"Ich habe dich auch vermisst." Rebecca küsste ihn noch einmal und drehte sich
dann zu der Frau um, die immer noch den Hund streichelte. "Hi", begrüßte
sie sie. "Ich bin Rebecca. Rebecca Montoya. Aber du kannst mich auch gerne
Beck nennen wie alle meine Freunde."

Die Frau hielt für einen Augenblick inne und stand dann langsam auf, eine
Hand tastete hinter ihr nach dem Motorrad, um es als Halt zu benutzen.
Rebecca hielt ihre Überraschung zurück, als sie sah, dass sie blind war.
"Hi", antwortete sie und streckte ihre Hand vor sich aus. "Ich bin Lisa.
Lisa Wilder."

Rebecca brauchte einen Moment, um sich von dem Anblick der leeren Augen zu
erholen, dann schüttelte sie fest ihre Hand. "Schön dich kennenzulernen,
Lisa." Rebecca sah zu Elliot und bemerkte sein zustimmendes Nicken. Die
Hand der Frau war kühl und Rebecca schüttelte bedauernd den Kopf. "Dir muss
ja richtig kalt sein nach der langen Fahrt. Ich hoffe, Elliot ist nicht wie
ein Verrückter gefahren."

Lisa lächelte ein wenig. "Es war nicht so schlimm."

"Du brauchst mir nichts vorzumachen, Lisa. Ich bin auch damit gefahren, ich
weiß wie er fährt." Rebecca lächelte auf Lisas nervöses Lachen hin. "Kommt,
lass uns rein gehen."

Elliot deutete auf die Tasche auf dem Gepäckträger des Motorrads. "Könntest
du bitte Lisas Tasche nehmen, Beck?" sagte er, als er seinen Rucksack
schulterte, in einer geschmeidigen, glatten Bewegung Lisas Arm nahm und sie
mit einer Geschicklichkeit, die Rebecca überraschte, vorsichtig auf das
Haus zu führte.

"Klar", erwiderte Rebecca, warf Elliot einen Blick zu und hob erstaunt eine
Augenbraue, als sie nach der Tasche griff. Es war ihr berühmter
du-hast-wieder-mal-eine-lange-Erklärung-vor-dir-Blick und sie wusste, dass
er ihn gesehen hatte. Mit Tucker auf den Fersen trug Rebecca die Tasche und
ging neben ihnen her zum Haus.