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Luck be a Lady tonight

von Jennifer Maurer

1/1

Mein Name ist John Fitzgerald Byers und ich bin betrunken. Ich war schon eine ganze Weile nicht mehr betrunken, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich jetzt wieder daran erinnern kann, wie es sich anfühlt. Morgen werde ich die wunderbare Erfahrung der aufregenden Welt des Katers machen, aber zumindest spüre ich im Moment keinen Schmerz.



Nun gut, das ist zum Teil eine Lüge. Ich spüre in der Tat ein wenig Schmerz. Deshalb sitze ich an dieser Casino Bar, allein, um drei Uhr morgens. Ich wusste genau, dass ich heute nacht durch nichts in der Welt auch nur ein wenig Schlaf bekommen würde.

Frohike schnarchte wie eine Kettensäge und Langly war bei einer Runde „Dungeons and Dragons“ im Internet am Wüten , als ich es plötzlich nicht mehr ertrug mit ihnen in ein und demselben Zimmer zu sein. Ich liebe die beiden wie Brüder, aber momentan kann ich es ihnen nicht verzeihen, dass sie mir die letzten zehn Jahre einzureden versuchten ich werde Susanne Modeski nie wieder sehen. Denen habe ich es gezeigt, nicht wahr? Susanne ist keineswegs tot... aber sie gegangen. Erneut. Zumindest ist sie nun tot für mich.



Niemand auf der ganzen Welt kann auch nur erahnen, wie schwer es für mich war sie allein in dieses Taxi zu setzen. Sie ist jetzt sicher oder zumindest sicherer, als sie es zuvor war. Mit meinem Wissen über ihre neue Identität wird es mir zumindest möglich sein ein behütendes Auge auf sie zu werfen. Aber es ist doch nicht dasselbe als persönlich bei ihr zu sein. „Irgendwann,“ sagte sie beim Abschied zu mir und ich werde wohl daran glauben müssen oder ich werde durchdrehen. In all meinen Träumen von einem Wiedersehen mit ihr hätte ich mir nie vorgestellt, dass es so weh tun würde. Aber schließlich hätte ich in diesen Träumen auch niemals daran gedacht, dass ich sie erneut gehen lassen müsste.



Ich dachte zunächst ich könne in das Casino hineinwandern und die vielen Lichter und Geräusche würden mich ablenken. Aber ich sah Susanne immerzu und in jeder Ecke, also beschloss ich mich an die Bar zurückzuziehen für etwas Frieden und Stille. Die Bar war fast menschenleer, obwohl dies hier doch Las Vegas ist, und ich habe diese Ecke nun für mich allein. Ich bin bei meinem fünften Drink angelangt. Zumindest glaube ich, dass es mein fünfter ist. Ich muss nicht fahren, also kümmert es mich nicht weiter. Morgen werde ich wohl herumzimpern, der sensible John Byers, die letzte Person, von der man erwarten würde, dass sie sich auf eine Frustsauftour begibt. Heute nacht trenne ich mich von meinem Jackett und meiner Krawatte und begebe mich in ernsthaftes selbstmitleidiges Trinken.



Ich bin 38 Jahre alt. Ich lebe in einem regelrechten Loch mit zwei anderen Männern und verbringe meine Tage in dem Versuch Regierungsverschwörungen aufzudecken. In meiner Freizeit begebe ich mich zu Verteidigungskonferenzen gegen die Regierungsverschwörungen unter dem Vorwand gefährlich Geheimnisse aufdecken zu wollen, aber immer noch in der stillen Hoffnung auf ein Wiedersehen mit einer wunderschönen Wissenschaftlerin, die eine Regierungswerkzeug sein mag oder auch nicht und die ich für ein paar Stunden vor zehn Jahren kennen lernen durfte.



Normalerweise bin ich stolz auf mein spitzfindiges Leben, aber heute Nacht fühle ich mich wie der weltgrößte Versager.



„Da sind Sie!“



Ich drehe mich um und schiele hinüber zu der Person, die sich erdreistet mich in meinem Selbstmitleid zu stören. Mein Magen schlägt einen kleinen Purzelbaum beim Anblick von Special Agent Dana Scully, dicht neben meinem Barhocker stehend, ihre Arme vor der Brust verschränkt und mit einem wilden Ausdruck in den Augen.



Ich vermute sie hat letzten Endes herausgefunden, dass es nicht Mulder war, der sie angerufen hat.



„Sind Sie gekommen, um mir in den Hintern zu treten?“ frage ich, die Worte schon leicht schleifend.



„So etwas in der Art. Ich habe mit Ihren Kollegen gesprochen und die haben behauptet, dass es Ihre Idee war mich in diesen kleinen „Ausflug“ hineinzuziehen.“



“Diese Ratten,” schnaube ich und wende mich wieder meinen Drink zu. „Langly würde seine eigene Mutter verkaufen, wenn der Preis stimmen würde!“



“Eigentlich war es Frohike, der es mir gestanden hat,” erwidert sie und setzt sich auf den Hocker unmittelbar neben meinem eigenen.



„Was haben Sie getan? Ihn mit einem Wimpernschlag verführt?“



Sie richtet ihren Blick auf mich mit einem leichten, sehr geheimnisvollen Lächeln auf den Lippen.



“So etwas ähnliches”



Ich spüle den Rest meines Drinks in einem Zug hinunter und winke den Barkeaper für einen neuen herbei.



„Also, bekomme ich eine Erklärung oder soll ich warten, bis Sie wieder nüchtern sind?“



Ich zögere eine Sekunde. Ich werde ihr nicht erzählen, dass ich sie ausgesucht habe, weil Mulder schon viel zu bekannt ist innerhalb der Verschwörungskreise. Ich mag zwar betrunken sein, aber ich habe noch immer meine Mannieren.



“Wir brauchten Ihre forensischen Sachkenntnisse,“ erzähle ich ihr. „Sie sind die beste Pathologin, die ich kenne.“



“Ich bin die einzige Pathologin, die Sie kennen.”



„Tja, nun ja, auch das. Ich weiß, dass wir Sie hereingelegt haben, Scully, und es tut mir sehr leid. Aber wenn ich Sie angerufen hätte, wären Sie dann nach Las Vegas gekommen?“



“Nein, ich schätze das funktioniert nur bei Mulder,” sagt sie mürrisch und lenkt die Aufmerksamkeit des Barkeepers auf sich, der gerade meine Drink bereitet. „Scotch Rocks.“



Ich zucke misstrauisch eine Augenbraue und ernte einen herausfordernden Blick im Gegenzug.



“Denke Sie ernsthaft, dass Sie etwas trinken sollten nach diesem… Zeug, das die Ihnen injiziert haben?”



“Wir sind in Las Vegas, Byers,“ antwortet sie, „wenn man noch nicht einmal hier locker werden kann, welche Hoffnung gibt es dann noch für mich?“



Ich stimme ihr zu. In meinem trunkenen Zustand macht das guten Sinn.



“So, wer ist sie also wirklich?”



Ich schaffe es mich von meinem frischen Drink loszulösen.



“Wie bitte?”



“Susanne Modeski. Wer ist sie?”



Nach kurzem Überlegen stürze ich mich in die altbekannte Geschichte über einen jungen Mann auf einer Computer- und Elektronikausstellung und eine mysteriöse Wissenschaftlerin und wie ich Frohike, Langly und Mulder kennen lernte. Ich lasse den Teil aus, in dem Susanne in einen schwarzen Wagen gezerrt wurde, da ich damals befürchtete die würden sie töten. Sogar jetzt, zehn Jahre später, kann ich noch immer nicht mit diesem Bild umgehen.... besonders nicht, nachdem ich sie heute nacht wieder habe verschwinden sehen. Stattdessen rede ich über chemische Kriegsführung und Regierungsverschwörungen und darüber, dass dieses Land nie mehr dasselbe wurde nach der Ermordung John F. Kennedys. Scully hört mir höflich zu, nickt an den angemessenen Stellen und ich glaube sogar ihre Neugierde gestillt zu haben, bis sie mir plötzlich die nächste Frage stellt.



“All das erklärt aber nicht, warum Sie die letzten zehn Jahre in der Hoffnung verbracht haben sie irgendwann wiederzusehen.”



Ich bin zu betrunken, um auch nur noch ein Fünkchen Gelassenheit übrig zu haben. Ich starre sie nur an.



„Frohike... hat es gewissermaßen erwähnt.“



Dieses Arschloch. Ich wette er hat eine Menge Dinge “erwähnt”, als sie erst einmal diese blauen Augen auf ihn gerichtet hat.



Ich drehe mich weg von ihr und starre in meinen Drink, unfähig ihrem mitleidigen Blick standzuhalten. Vielleicht bin ich tatsächlich eine bemitleidenswerte Kerl in ihren Augen, so wie ich schließlich schmachte nach dieser Frau, die ich kaum kenne.

Scully legt ihre kalte Hand auf mein Handgelenk. Nichtsdestotrotz sehe ich sie nicht an. Ich kann es nicht. Nach einem kurzen Augenblick zieht sie ihre Hand zurück und beginnt mit dem Cocktailstäbchen in ihrem Drink zu spielen.



“Wissen Sie, Byers, ich habe Ihnen nie dafür gedankt, dass Sie an jenem Tag zu mir in das Krankenhaus gekommen sind.“



Ich drehe mich zu ihr und blinzle sie verwirrt an.



„Als ich in Allentown war,“ fährt sie fort und erinnert mich wieder daran.



“Oh. Das.” Ich seufze innerlich, als ich zurückblicke auf das, was wir an diesem Tag herausgefunden haben und wie ängstlich wir alle um sie waren. „Sie brauchen mir nicht zu danken.“



“Das tue ich aber. Sie haben Mulder geholfen mein Leben zu retten.“



“Wir waren besorgt um Sie,” teile ich ihr mit, “Nicht nur, weil Sie Mulders Partnerin sind, sondern weil wir Sie mögen.“



Sie schenkt mir ein schüchternes Lächeln und ich bin überrascht, wie wunderschön sie ist. Ich glaube kaum, dass ich sie jemals zuvor habe richtig lächeln gesehen.



“Danke, Byers. Es ist schön das zu wissen.”



Wir sitzen eine Weile in geselliger Stille. Der Barkeaper muss wohl gehört haben, wie Scully schon auf den Eiswürfeln herumgekaut hat, denn sofort bringt er jedem von uns einen frischen Drink. Ich versuche an etwas nettes zu denken, dass ich ihr sagen könnte. Etwas, das ein Freund sagen würde und das nichts mit Arbeit zu tun hat. Ihr Zweifel daran, dass wir uns um sie als Person sorgen fernab von der Tatsache, dass sie mit unserem langjährigen Kumpel Mulder zusammenarbeitet, bekümmert mich auf unbestimmte Weise.



“Ich wollte Ihnen sagen, dass mir diese Sache mit Diana leid tut,“ sprudelt es aus mir heraus.

Die kleine Ecke meines Gehirns, die trotz allem noch nüchtern ist, ist erschüttert über meine Taktlosigkeit. Ich stolpere über meine eigenen Worte in dem verzweifelten Versuch diesen peinlichen Kommentar zu mildern. „Was ich meine ist... als wir, uh...“



„Ich weiß, was Sie meinen,“ sagt sie leise und als sie endlich zu mir hinübersieht, sind ihre Augen verdächtig feucht. „Ich war nicht völlig überrascht, als Mulder meine Motive in Frage stellte, aber ich hätte nie erwartet, dass er dasselbe mit euch Jungs machen würde.“



Ich ziehe in Erwägung ihr zu erzählen, was in jener Nacht passierte, nachdem sie gegangen war. Frohike war nahe dran Mulder Stück für Stück auseinander zu nehmen, aber ich konnte einschreiten, bevor er die Gelegenheit dazu bekam. Ich war betreten wegen Scully und schockiert, dass Mulder dieser zwielichtigen Frau, Diana, seine Loyalität zugesprochen und die Frau, die seit sechs Jahre an seiner Seite war, ins Lächerliche gezogen hatte. Natürlich dachte ich auch an Susanne und das gab meinen Vorwürfen Mulder gegenüber noch einen schärferen Anstoß. Mulders Augen nahmen die Größe von Tellern an. Langly zog mich zurück, als ich Mulder an die Wand drückte, während Frohike mich mit stiller Bewunderung fasziniert anstarrte.



Ich war sauer auf Mulder, weil er sich wie ein Arschloch aufgeführt hatte, aber ebenso weil ich eifersüchtig war – nicht wegen Scully, sondern einfach aufgrund der Tatsache, dass er sie an seiner Seite hatte, während ich noch nicht einmal wusste, ob Susanne überhaupt noch lebte. Ich war vielleicht auch wütend auf mich selbst in diesem Moment, da ich meine eigene zwielichtig oder zumindest mysteriöse und unbekannte Frau anschmachtete.



“Sie denken gerade an sie, nicht wahr?”



Ich hätte beinahe vergessen, dass Scully noch immer neben mir sitzt. Ihre unerwartete Frage verleitet mich zu einer überraschend ehrlichen Antwort.



“Es vergeht nicht ein Tag, an dem ich nicht an Susanne denke. Ich träume fast jede Nacht von ihr. Die Jungs denken, dass ich irre bin.“



Ihre Hand bedeckt die meine und drückt sie zärtlich.



„Ich bin überhaupt nicht der Meinung, dass Sie irre sind.“



Ich stoße einen zittrigen Seufzer aus und schließe meine Hände um mein Glas, um sie zu beruhigen. Scully ist die erste Person, die von meinen Gefühlen für Susanne erfährt und dabei nicht versucht mich davon zu überzeugen, dass es hoffnungslos ist. Dieser Gedanke bringt mich den Tränen gefährlich nahe.



“Wissen Sie,” kommentiert sie lässig, “ich denke das ist das erste Mal, dass ich Sie ohne Krawatte sehe.”

Ich vermute sie versucht die Stimmung aufzulockern und ich bin ihr dankbar dafür. Ich drehe mich seitlich auf meinem Barhocker herum, um sie anzusehen und stütze meinen Kopf auf meine Hand.



“Der gelegentliche Byers. Eine seltene und kaum zu fassend Kreatur. Fürchtet ihn,“ scherze ich.



“Nein, ich mag es irgendwie,” sagt sie und leert ihren zweiten Drink. „Es macht Sie...“



„... weniger spießig?“ schlage ich vor. Sie lächelt.



„Nahbarer, wollte ich sagen. In meinen Augen waren Sie immer die fürsorgliche Führung in der Gruppe.“



Sie beginnt wieder gedankenverloren auf den Eiswürfeln herumzukauen und ich beobachte wie sich die Muskeln ihres Kiefers bewegen. Ich bin urplötzlich vollkommen gefesselt von ihrem Anblick. Sie ist wunderschön, sogar wenn sie nicht lächelt, stelle ich fest.



Ein Gefühl überkommt mich aus dem Nichts heraus: Ich möchte Dana Scully küssen. Es ist verrückt. Ich liebe Susanne und ich bin mir ziemlich sicher, dass Scully Mulder liebt. Aber schließlich sind beide jetzt nicht hier. Nur wir beide in einer Hotelbar in Las Vegas um vier Uhr morgens. Ich bin betrunken und sie auf dem guten Weg dorthin, aber sie scheint meine Gefühle tatsächlich zu verstehen. Ich möchte sie noch immer küssen, obwohl ich mich wohl morgen fragen werde, was zum Teufel in mich gefahren ist. Und nicht zu erwähnen, dass Frohike mich töten wird.



Plötzlich richtet sie diese großen blauen Augen auf mich und jetzt ist es mir nur allzu verständlich, wie Frohike so schnell zu Pudding in ihren Händen werden konnte. Wie kann Mulder tagtäglich mit ihr zusammen arbeiten, wenn sie ihn so ansieht? Nun ja, nüchtern sein hilft einem wohl dabei. Andere Frage: Wie kann er sie manchmal so schlecht behandeln? Ist er denn wirklich dermaßen blöd?



“Ich denke nicht, dass Mulder Sie wirklich zu schätzen weiß,” kündige ich an.

Scullys Blick wird sehr müde und überdrüssig bei dem Gedanken.



“Na ja, manchmal zumindest nicht genug.“



“Er ist ein Idiot,” sage ich ihr, als mir diese aufregende Einsicht kommt.



“Gelegentlich.”



“Warum geben Sie sich dann also mit ihm ab?” frage ich kühn



Als sie mir antwortet, scheinen ihre Augen unbeschreiblich traurig.



„Ich denke aus dem gleichen Grund, warum Sie Susanne Modeski nie aufgegeben haben,“ antwortet sie leise.



Diese Antwort macht mich sprachlos. Ich wollte sie keineswegs anstacheln. Sogar in meinem vernebelten Zustand scheint es mir auf einmal ganz klar zu sein: sie liebt ihn tatsächlich. Wie kann er das nicht merken? Ich weiß, dass er sich um sie sorgt. Manchmal habe ich sogar den Verdacht, dass er verliebt ist in sie. Wenn er uns um Hilfe bittet, geht es meistens um Scully. Ich erinnere mich an seinen Gesichtsausdruck, als wir in das Krankenhaus in Allentown kamen und sie nicht in ihrem Zimmer war. Auch wenn er manchmal ein rücksichtsloser Bastard sein kann..., nun ja, wir sind alle nur Menschen.



“Es tut mir leid,” sage ich kleinlaut. „Ich befürchte ich hatte schon zu viele von diesen hier.“ Ich schiebe mein leeres Glas von mir weg.



“Ich denke, dass haben wir beide. Wollen wir gehen?“



Sie rutsch von ihrem Hocker hinunter und legt einige Scheine auf die Theke. Ich fische sie wieder auf und drücke sie zurück in ihre Hand.



“Ich übernehme das.“



„Aber Frohike hat doch gesagt Sie hätten all Ihr Geld beim Pokerspielen verloren.“



“Frohike redet zuviel, wenn der Tag lang ist,“ brumme ich. „Ich habe all unser Geld verloren, aber nicht all mein Geld“



Scully wiegt ihren Kopf nachdenklich zur Seite, diese Tatsache überdenkend, und lächelt schließlich.



“Wollen wir ein wenig zocken?”



Warum nicht? Ich stelle fest, dass diese Nacht ohnehin schon ein Schuss in den Ofen war.



Wir sitzen nebeneinander und füttern die Maschinen mit Kleingeld, bis wir schließlich beide blank sind. Von Zeit zu Zeit wage ich einen Seitenblick zu ihr hinüber. Sie sieht sehr entspannt aus und scheint diese kleine Ablenkung sehr zu genießen. Wir könnten zwei ganz normale Leute auf Urlaub sein, stelle ich fest. Dann erinnere ich mich plötzlich wieder an Susanne, wie sie aus dem Taxifenster zu mir zurückblickte, während sie mich verließ. Ich spüre wie das Gefühl von Zufriedenheit aus mir entschwindet. Scully und ich haben heute eine gemeinsame Ader entdeckt und das hilft in der Tat, aber wie ein höhnischer Zeigefinger deutet es auch wieder daraufhin, warum wir hier sind --- wir sind zwei einsame Menschen, die nicht bei denen sein können, die sie lieben.



“Ich bin pleite,” verkündet sie. „Wie sieht es bei Ihnen aus?“



“Genauso wie ich es erwartet habe. Das Glück hat mich verlassen,“ antworte ich.



Sie legt ihre Hand auf meine Schulter, als wir auf den Aufzug warten.



„Sie werden eines Tages wieder mit Susanne zusammen sein,“ versichert sie mir. Es hört sich nicht wie ein dahergesagter Trost an, da sie es wirklich glaubt. Dennoch ist ihre Stimme wieder traurig. Wir begeben uns in Stille den Gang hinunter. Ganz der alte Gentleman, sogar in niedergeschmetterter Stimmung, begleite ich sie bis zu ihrer Tür.



“Das war… nett,” sagt sie mit einem ehrlichen, aber sehr müden Lächeln.



“Danke, dass Sie für mich da waren, Scully.”



Ich beuge mich langsam zu ihr herab und gebe ihr eine Chance zurückzuweichen. Sie tut es nicht, also küsse ich sie. Ihre Lippen sind sehr weich und schmecken nach Scotch. Susanne hat nach Minze geschmeckt, als ich sie geküsst habe. Ich fühle mich nicht schuldig, weil ich an Susanne denke. Ich habe das Gefühl, dass Scully wohl an Mulder denkt und daran, wie komisch es sich anfühlt jemanden mit Bart zu küssen. Nichts von alledem bekümmert mich, da ich weiß, dass dieser Kuss nichts ändern wird.



Wir beenden den Kuss. Sie sagt kein Wort, berührt nur meine Wange mit ihrer Hand und lächelt. Ich sage gute Nacht. Sie geht in ihr Hotelzimmer und schließt die Tür.







* Ende *