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Kismet und andere Zufälle

von Invisigoth

Kapitel #1


Die Band spielte ein Lied von Miranda Harrelson, als Mulder von seinem Stuhl aufstand, und sich vor Scully stellte.


"Hätten Sie Lust zu tanzen?"


Scully schaute ihn verwundert an und sah dann zum Spaß über die Schulter.


"Meinen sie wirklich mich?"


"Ist das denn so ungewöhnlich?"


Langsam gingen sie in Richtung Tanzfläche.


Mulder nahm Scullys Hand und legte seinen Arm um ihre schmale Taille.


Ihre Körper waren jetzt nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Mulder hätte schwören können ihren Herzschlag zu spüren, doch das schien wohl nur Einbildung zu sein.


Sie legte ihre Hand auf seine Schulter und schaute ihm dabei tief in die Augen.


Langsam bewegten sich ihre Körper im Takt der Musik.


"Scully sie müssen wissen, dass ich noch nie mit einem FBI Agenten getanzt habe."


Beide mussten anfangen zu lachen.


"Dann bin ich ja beruhigt“, lachte Scully und merkte, dass sie sich richtig geborgen in seinen Armen fühlte.


Sie roch sein Aftershave, es war nicht so aufdringlich wie bei anderen Männer.


Mulder hielt sie ganz fest in seinen Armen und wünschte sich in diesem Augenblick, dass dieses Lied niemals enden würde.


Ihm machte das tanzen auf einmal richtig Spaß. Normalerweise war er nicht für diese Art von Körperertüchtigung.


Mulder blickte in ihre tief blauen Augen, und spürte auf einmal ein komisches Gefühl in seinem Magen. Es war wie damals, er als sich auf der Uni in Phoebe verliebt hatte. Er schloss für einen kurzen Augenblick seine Augen, schüttelte seinen Kopf ganz leicht und konzentrierte sich wieder darauf, Scully nicht aus Versehen auf die Füße zu treten.


"Wenn wir schon verdeckt ermitteln müssen, dann könnte es doch wenigstens in einem nobleren Lokal sein, und nicht in so einer Absteige. Hoffentlich kommt niemand her der uns kennt. Ansonsten könnte derjenige noch denken, wir hätten ein Date."


Mulder schaute sie etwas erstaunt an.


"Wäre es ihnen so unangenehm?"


So hatte es Scully gar nicht gemeint. Insgeheim hatte sie sich schon öfters bei dem Gedanken erwischt, wie es wohl wäre, wenn Mulder und sie nicht nur Kollegen wären, sondern mehr als nur gute Freunde.


"Nein, natürlich nicht. Aber wenn wir uns mal verabreden sollten, würde ich mich mit ihnen nicht in so einem Laden wie diesem hier treffen."


"Heißt das, wenn ich sie jetzt fragen würde, ob sie am nächsten Wochenende mit mir ausgehen würden, würden sie ja sagen?"


"Vielleicht."


Mulder machte einen Schritt zurück und drehte Scully am ausgestreckten Arm einmal um ihre eigene Achse.


Er hatte seine Partnerin noch nie so locker und ausgelassen erlebt. Vielleicht sollte er Skinner öfters mal nach einem verdeckten Auftrag fragen.


Die Musik wechselte auf etwas Schnelleres, und beiden waren sich einig diesen Tanz auszulassen.


Sie gingen zurück an ihren Tisch, und bestellten sich noch etwas zu trinken.


"Mulder können sie sich erklären, warum Skinner gerade uns für diesen Auftrag haben wollte? Immerhin sind Waters und Simmens in der Abteilung Gewaltverbrechen seit 4 Jahren zusammen, und die hätten das hier genauso gut machen können, wenn Skinner unbedingt einem Mann und eine Frau für diesen Auftrag haben wollte."


Mulder wusste keine Antwort darauf und zuckte nur mit den Achseln.


"Was halten sie eigentlich von einer Beziehung zwischen zwei Partner, die zusammen arbeiten und sich jeden Tag sehen?" Mulder wusste, dass Scully schon mal eine Beziehung zu einem Agenten aus der Abteilung Gewaltverbrechen hatte, und sie sich seitdem geschworen hat nie wieder etwas mit einem Kollegen anzufangen.


"Wieso wollen sie das wissen? Haben sie etwa jemand bestimmtes im Auge, Mulder? Vielleicht die Schwarzhaarige in der Lohnabteilung?"


Mulder hörte sofort diesen Ton in ihrer Stimme. Genau so wie damals, als sie an einen Fall in Comity arbeiteten, und er sich von Detektive White angezogen fühlte, oder als Phoebe Green ihn besuchen kam. Immer war dann so eine gewisse Spannung in der Luft, die sich Mulder nicht erklären konnte.


Scully fuhr sich nervös durch ihr Haar und nahm noch eine Schluck von ihrem Drink.


"Nein Scully ich muss sie enttäuschen, ich stehe nicht auf dunkelhaarige Frauen und außerdem ist ihr Freund zwei Köpfe größer als ich."


Scully musste anfangen zu lachen.


Der Kellner brachte die Getränke.


Mulder hatte sich noch eine Margherita und Scully einen Gin mit Soda bestellt.


Eigentlich waren alkoholische Getränke im Dienst verboten, doch heute Abend würde sowieso nichts Aufregendes mehr passieren. Mulder hob sein Glas hoch.


"Auf uns."


"Auf uns“, erwiderte Scully und nahm einen Schluck.


"Wissen sie auf was ich jetzt Lust hätte?"


Mulder hob eine Augenbraue.


"Was sie schon wieder denken. Nein. Ich würde mir gerne ein Video ausleihen und mich dann gemütlich in mein Bett legen."


"Wie sie wollen."


"Was?"


Mulder winkte den Kellner herbei, zahlte und führte Scully nach draußen zu ihrem Mietwagen.


"Was haben sie vor?"


"Vertrauen sie mir Scully. Nehmen sie das hier und lassen mich den Rest machen."


"Auf diesen Trick ist meine Freundin auch reingefallen, und jetzt ist sie verheiratet und hat 3 Kinder.


"Wenn ich sie heiraten wollte, würde ich sie mit einer Keule KO schlagen, und sie anschließend an den Haaren zum Altar schleifen. OK?"


"Nein wie romantisch“, bemerkte Scully und knotete sich Mulders Schlips um die Augen.


Als sie in ihrem Hotel angekommen waren staunten sie nicht schlecht. Erst einmal war nur noch ein Zimmer frei, und zum anderen war es auch nicht gerade hygienischer als das Restaurant, in dem sie vorher waren.


"Mich würde es nicht wundern, wenn sie den Kakerlaken in der Eingangshalle schon Namen gegeben hätten."


"Sehen sie doch nicht immer alles so negativ Scully. Vielleicht sind es keine Kakerlaken, sondern kleine Roboter, die den Gästen auf die Zimmer folgen und sie ausspionieren."


Der Blick, der Mulder traf, konnte mehr als alle Worte dieser Welt sagen.


Da sie keine Lust hatten, die ganze Nacht nach einem anderen Hotel zu suchen, gingen sie zur Rezeption und stellten ihre Koffer neben den Empfang.


Sie warteten einen Augenblick, aber niemand erschien.


Mulder drückte mit dem Finger vorsichtig auf den Klingelknopf, der vor ihm auf dem Tisch stand.


Aber nichts passierte.


Er schaute Scully kurz von der Seite an, und versuchte es gleich noch mal.


Doch wieder vergebens.


So langsam war seine Geduld am Ende.


Er nahm die flache Hand und hämmerte wie ein Irrer auf der Klingel rum, bis man die sogar draußen vor der Tür hören konnte.


Endlich erschien aus einem Hinterzimmer ein etwa 70jähriger Mann.


"Was kann ich für sie und ihr Frauchen tun, junger Mann?"


Mulder atmete tief ein.


"Wir möchten gerne 2 Zimmer für einen Nacht mieten."


"Zwei Zimmer?"


Der alte Mann klappte das Buch vor ihm auf fing an die Seiten zu studieren.


"Tut mir leid. Ich habe nur noch ein Doppelzimmer.


Scully schaute Mulder mit großen Augen an.


"Das ist doch wohl nicht ihr Ernst?"


"Es ist schon spät, und ich glaube nicht, dass wir noch was "Besseres" als das hier finden. Jedenfalls nicht in dieser Gegend."


Er legte sein gekünsteltes Lächeln auf, und drehte sich wieder zum alten Mann.


"Wir nehmen das Zimmer."


Der Alte gab ihm die Schlüssel, und zeigte nur in Richtung Osten.


"Um das Gepäck kümmert sich mein Neffe. Er bringt es ihnen gleich aufs Zimmer. Das gehört zum Service des Hauses versteht sich."


"Aha“, antwortete Mulder und schob Scully in die richtige Richtung.


Das Zimmer war auch gar nicht schwer zu finden. Immer den Flecken auf dem Boden folgen, und beim großen Loch im Boden links.


Mulder versuchte die Tür zu ihrem Zimmer aufzuschließen, aber das brauchte er gar nicht mehr, denn die Tür ging nämlich schon von alleine auf.


"Das fängt ja gut an“, bemerkte Scully und betrat als erste den Raum.


So schlecht wie sie gehofft hatte war alles gar nicht. Es gab einen Fernseher, ein Bett, eine Klimaanlage, einen alten Ohrensessel, und das Badezimmer durfte man nicht vergessen.


Das einzige was ihnen Kopfschmerzen bereitete, war die Kreidezeichnung eines Menschen auf dem Boden vor dem Bett.


"Wenn sie wollen, schlafe ich auf dem Sessel. Für eine Nacht wird es schon gehen."


Er zog sein Jackett aus und warf es aufs Bett.


"Kommt gar nicht in Frage, Mulder."


Er drehte sich erstaunt um.


"Bitte?"


"Ich meine, wir sind erwachsene Menschen, und können doch zivilisiert nebeneinander im Bett liegen, ohne das der eine gleich auf falsche Gedanken kommt."


"Wenn sie meinen."


Scully wunderte sich selber über das was sie eben gesagt hatte.


Sie schaute sich im Zimmer um.


"Und was ist nun mit der großen Überraschung, die sie für mich haben?"


Mulder wühlte in seiner Tasche und holte eine Videocassette heraus.


"Ich wusste nicht genau welche Filme sie mögen, und da habe ich den Verkäufer aussuchen lassen."


"Porky 2 - 4“, las Scully auf dem Etikett, und hob eine Augenbraue. "Ein Klassiker."


Mulder stellte sich neben das Bett, und teste durch leichtes drücken die Federn.


"Kommen sie nicht auf falsche Gedanken."


"Keinen Panik, ich möchte nur keine Feder in MEINER Niere stecken haben."


"Wie charmant“, bemerkte Scully und schaute aus dem total verschmierten Fenster.


Zu allem Überfluss mussten sie dann auch noch feststellen, dass der Neffe des alten Mannes die Koffer noch nicht aufs Zimmer gebracht hatte. Mulder flitzte schnell nach unten aber da waren sie auch nicht mehr. Der alte Mann versprach Mulder sich darum zu kümmern.


Als Entschädigung konnte er Mulder nur einen Pyjama anbieten, damit er nicht in seinen Sachen schlafen musste. Es war aber nur einer. Der Rest sei in der Wäsche.


Auf die Frage, wie sich 2 Personen einen Schlafanzug teilen sollen, lachte der alte Mann nur, und meinte, dass Mulder einfach zu wenig Fantasie hatte, sonst würde er schon wissen wie.


Den ganzen Weg zum Zimmer hin, fragte er sich, wie er es Scully nur schonend beibringen würde, dass einer in seiner Unterwäsche oder nackte schlafen musste.


Als Mulder den Raum betrat genügte nur ein Blick von Scully und sie war genau im Bilde.


"Wenn sie glauben, dass ich mir hier den Tod in dieser Eishalle hole, haben sie sich gewaltig geschnitten, Mulder."


Sie hatte recht. In diesem Zimmer war es wirklich nicht gerade warm. Mulder überprüfte die Heizung, doch die schien kaputt zu sein. Er lief noch mal nach unten, doch der alte Mann gab ihm nur 2 Decken, und wünschte ihm eine gute Nacht. Der Klempner würde erst morgen kommen.


Scully hatte sich entschieden ihre Sachen anzubehalten und lieber etwas unbequemer zu schlafen. Auch Mulder fand die Idee gar nicht zu abwegig.


Im Badezimmer standen zwei Zahnbürsten und eine kleine Tube von etwas was man sich wohl auf die Bürste schmieren sollte. Die Frage war nur auf welche.


Scully war die erste die sich im Bad bettfertig machte. Danach legte sie sich auf die rechte Seite des Bettes und schaltete den Fernseher an.


Es gab genau 2 Programme, der Rest war ein Pornokanal, auf dem sich zwei Leute gerade auf dem Laken wälzten.


"Aber Scully." Mulder schüttelte zum Spaß mit dem Kopf.


"Wieso, ich dachte sie stehen auf sowas?"


Mulder hob abwechseln die linke und dann die rechte Augenbraue.


An alles hatten sie gedacht, nur nicht, dass es in diesem Motel keinen Videorecorder gab.


Sie nahm sich die Fernbedienung und zappte damit durch die Kanäle.


"Schlaflos in Seattle“, sagte sie zu sich selber und machte es sich in ihrer Betthälfte so richtig bequem.


Mulder kam ein paar Minuten später aus dem Badezimmer und warf sich mit Schwung neben Scully ins Bett. Die Federn fingen an zu quietschen, und Scully dachte das Bett würde einstürzen.


"Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Ich mit ihnen in einem Bett. Das hatte ich mir immer etwas anderes vorgestellt."


"Aha“, meinte Scully und schaute ihn verwundert von der Seite an. "Sie machen sich Gedanken darüber, wie wir zusammen im Bett liegen?"


Mulder wusste, dass er bei diesem Gespräch den Kürzeren ziehen würde, und lenkte das Thema dezent in eine andere Richtung.


"Ah, ‚Schlaflos in Seattle‘, mein Lieblingsfilm."


Es vergingen ein paar Minuten, als man auf dem Flur zwei Leute hörte die offensichtlich das Zimmer genau neben ihnen gemietet hatten. Sie schlossen ihre Tür auf, und knallten sie einen Augenblick später mit viel Schwung zu.


Plötzlich schaltete sich die Klimaanlage auf Maximum und blies arktische Luft und den Geruch von etwas ziemlich ekeligem Zimmer.


"Das riecht hier nach...wie heißt das Wort was ich suche?"


"Abfall“, beendete Scully seinen Gedanken.


Der Kontrollknopf an dem Ding fehlte schon, und der Stecker sah aus, als brauche man einen Schutzanzug, um ihn rauszuziehen.


"Sie wird wohl gleich wieder ausgehen“, bemerkte Mulder uns widmete sich wieder dem Fernseher.


"Eine Frage habe ich noch Mulder. Wer von uns wird Skinner erklären, warum wir nur ein Zimmer mit Doppelbett gemietet haben?"


Mulder schaute sie mit seinem süßen Hundeblick an.


"Nein, auf keinen Fall. ICH kann das nicht."


"Sie schaffen das schon Scully. Sie können doch so gut mit Worten umgehen."


"Ich weiß und sie sind mehr für die praktischen Sachen."


Die Minuten vergingen, und der Film neigte sich immer mehr dem Ende zu.


Dann hörte Scully neben sich ein leichtes Schnarchen, und als sie sich zu Mulder drehte bemerkte sie, dass er friedlich eingeschlafen war.


Da liege ich schon mal mit einem gutaussehenden Mann in einem Bett, und da muss er einfach einschlafen, dachte sich Scully und ertappte sich dabei, wie sie Mulder von oben bis unten begutachtete.


Sein Kopf lag etwas nach vorne gekippt auf seinem Schlüsselbein. Er atmete tief und gleichmäßig.


Er sah einfach süß aus. Die Haare standen ihm etwas wirr vom Kopf.


Die Wände in diesem Hotel schienen nicht dicker als ein gewöhnliches Buch zu sein, denn man konnte genau hören, was im Zimmer nebenan gesprochen wurde.


Scully konnte aus ein paar Gesprächsfetzen entnehmen, dass ihre Nachbarn Luanne und Bob-Ray hießen und erst seit heute verheiratet waren.


"Na das kann ja heiter werden“, dachte Scully laut und rückte das Kopfkissen hinter ihrem Rücken zurecht. Damit hatte sie gar nicht so unrecht. Nach ein paar Minuten war lautes kichern zuhören.


Scully schaute auf ihre Uhr. 3 Minuten nach eins.


Scully schaltete um und schaute sich auf Kanal 6 noch die x-te Wiederholung von Mancuso FBI an. Doch nach ein paar Minuten schlief auch sie ein.


Die Uhr zeigte viertel nach drei an, als Scully durch kichern und das leises quietschen einer Matratze geweckt wurde.


Scully verdreht genervt die Augen und warf noch einen Blick auf ihren Partner. Doch der schien von der ganzen Sache nicht die Bohne mitzubekommen.


Also wälzte sie sich auf die andere Seite und versuchte einzuschlafen.


Ein paar Minuten klappte das auch, aber dann wurde sie wieder wach.


"Ich kann nie genug von dir kriegen Bob-Ray."


"Wie wir in den letzten Stunden hinreichend hören konnten", stöhnte Scully mit zusammengebissenen Zähnen.


"Na dann rauf zu mir, Schatz. Auf in eine neue Runde."


Luanne wieherte wie eine rossige Stute, und das Quietschen begann von neuem.


Jetzt war Scullys Geduld am Ende. Sie riss die Schublade auf, und suchte nach etwas mit dem sie schmeißen konnte. Doch das einzige was sie fand, war die Bibel, die in jedem guten Motel lag.


Sie nahm sie in die Hand und schleuderte sie so fest wie sie konnte gegen die Wand.


"He, Hanni und Nanni macht mal Pause!"


Kurzes Schweigen, dann war leises Kichern zu hören, und die Bettfedern begannen erneut zu quietschen.


Mulder schlief immer noch wie ein Stein. Nicht mal ein Erdbeben der Stärke 5 hätte in wecken können.


Scully nahm ihr Kopfkissen und drückte es auf ihre Ohren. Doch das war auf die Dauer auch keine Lösung.


Draußen war schon die Morgendämmerung zu sehen.


Scully fühlte sich, als wäre sie diese Nacht um mindesten 10 Jahre gealtert.


Sie drehte sich auf die Seite, so dass sie Mulder Rücken sehen konnte.


Dann bemerkte sie es. Es schien so, als wären Luanne und Bob-Ray endlich eingeschlafen.


Scully schloss die Augen und schlief auch sofort ein.


Doch schon 2 Stunden später war fing Mulders Wecker an zu läuten. Mulder wollte früh aufstehen, um noch mal zu diesem Ort zu fahren, an dem sie die letzte Nacht verdeckt ermitteln sollten.


Er drehte sich um und beobachtete Scully wie sie friedlich neben ihm schlief.


Vorsichtig beugte er sich über sie, und pustete ihr sanft ins Ohr. Scully murmelte etwas vor sich hin, aber Mulder verstand sie leider nicht.


Er versuchte es noch mal, was er im Nachhinein lieber gelassen hätte.


Denn Scully hob reflexartig ihre Hand und schlug Mulder mitten ins Gesicht


Leider traf Scully ihren Partner so hart im Gesicht, das er zurück ins Bett fiel, und ins Land der Träume verschwand.


Sie rieb sich kurz die Hand, und schlief dann sofort wieder ein.


Eine kurze Zeit später wurde Mulder durch die Schmerzen in seinem Auge wach.


Er stand auf und ging ins Badezimmer.


Als er in den Spiegel schaute, dachte er immer noch zu träumen. Doch als er sein blaues Auge näher untersuchte wusste er, dass es kein Traum war. Er nahm sich ein Handtuch, tränkte es in eiskaltes Wasser und presste es sich ins Gesicht.


Aber das Kühlen würde auch nichts mehr bringen. Sein rechtes Auge hatte die gleichen Farben angenommen wie der Sonnenaufgang vor der Haustür.


Mulder stellte sich ans Fenster und starrte nach draußen.


Doch dabei fiel ihm aus Versehen die Jalousie herunter, die dann mit lauten Geschepper zu Boden ging.


Scully öffnete leicht die Augen.


"Bekommen sie denn nie genug?"


Mulder war etwas irritiert.


"Von was bekomme ich nie genug?"


Scully war überrascht Mulders Stimme zu hören.


"Äh, nicht sie Mulder. Bob-Ray und Luanne von neben an."


"Ach so“, antwortet er ihr leicht kratzbürstig, und drehte sich zu ihr um.


Sie schaute ihn kurz an, und fing dann leicht an zu lachen.


"Das farbenfrohe Auge hatten sie gestern Abend aber noch nicht. Wie ist das denn passiert?"


"Fragen sie nicht wie, sondern wer mir das angetan hat?"


Mulder setzte sich zu ihr aufs Bett.


"Na gut. Wer hat ihnen dieses blaue Auge geschlagen?"


"Sie. Heute Nacht."


Scully fing an zu lachen und konnte nicht glauben was sie da eben gehört hatte.


"Aber so leidenschaftlich war ich noch nie, das müssen sie mir glauben." scherzte Scully, doch dazu war Mulder im Moment nicht aufgelegt.


"Ich wollte sie nur wecken, und da haben sie mir mit der Hand ins Gesicht geschlagen. Jetzt weiß ich auch, warum sie keinen Freund haben. Wer weiß wie viele sie schon auf ihrem Gewissen haben."


"Es tut mir so leid Mulder. Sowas ist mir noch nie passiert. Tut es sehr weh?"


Scully musste sich ein Lachen verkneifen. "Am besten zeigen sie mal her."


Sie kniete sich aufs Bett und nahm sein Gesicht zärtlich zwischen ihre Hände.


Ihre Nasen waren nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt.


"Und? Brauch ich jetzt ein Glasauge?"


Scully fing an zu lachen.


"Nein, so schlimm ist es nicht. Das blau wird ihnen zwar noch ein paar Tage erhalten bleiben, aber danach müssten sie wieder genauso gut gucken können wie vorher."


"Das beruhigt mich."


Mulder schaute ihr immer noch in die Augen. Plötzlich spürte er so ein komisches Gefühl. Langsam beugte er sich näher an sie ran, und gab ihr vorsichtig einen Kuss. Keinen langen, intensiven Kuss, da er nicht wusste, was sie ihm alles im wachen Zustand an tun könnte.


"Wir sollten das nicht tun, Mulder."


"Warum nicht?"


"Weil..., weil es einfach nicht richtig ist." Scully fiel in diesem Augenblick einfach kein konkreter Grund ein. Sie war noch immer so von seinem Kuss überrascht und starrte ihn nur verwundert an.


"Sie haben recht“, antwortete er und wollte gerade aufstehen, als sie ihm am Hemd zog und ihn dichter an sich ran zog. Sie schaute ihn kurz an und gab ihm dann einen so leidenschaftlichen Kuss, dass er sogar die Schmerzen in seinem Auge für einen Moment vergaß.


Mulder spürte erst jetzt wie sehr er diese Gefühle jahrelang unterdrückt hatte. Auch Scully war so überwältigt, dass ihr Herz wie verrückt schlug.


Gerade als sie sich aufs Bett legen wollten, klingelte das Handy von Mulder.


"Geh nicht ran“, flüsterte sie und zog in zu sich aufs Bett.


"Und wenn es was wichtiges ist?"


"Was gibt es im Moment Wichtigeres als uns?"


Mulder zögerte einen Augenblick und fing dann an, zärtlich ihren Nacken zu küssen.


Scully legte ihre Arme um seinen Hals, und drückte ihn noch fester zu sich herunter.


Doch das penetrante Läuten des Telefons ging Mulder auf die Nerven.


"Nicht bewegen. Ich bin gleich wieder da."


Er stand auf, und kramte sein Handy aus der Jacketttasche.


"Mulder“, meldete er sich sichtlich genervt.


"Oh sie sind Direktor Skinner."


Scully stand vom Bett auf, und richtete ihre Klamotten. Sie fühlte sich als hätten sie und Mulder etwas Verbotenes getan.


"Nein. Mein Handy lag im Badezimmer, deshalb hat es solange gedauert, bis ich ran gehen konnte. Agent Scully? Äh, die ist auch hier. Ja. Nein natürlich nicht, wie kommen sie denn darauf. In Ordnung. Ja, wir machen uns auf den Weg."


Er schaltete das Handy auf Stand by, und verstaute es wieder in der Jacke.


"Skinner möchte, dass wir zurück kommen. Der Fall wurde an eine andere Abteilung weitergereicht."


Scully merkte, dass Mulder einige Schwierigkeiten hatte ihr in die Augen zu schauen.


Ihm schien der Kuss von eben unangenehm zu sein.


"Ich schlage vor, dass wir uns unterwegs was zu essen holen, und jetzt machen, dass wir hier so schnell wie möglich wegkommen."


Mulder wusste nicht genau, wie er mit diesen neuen Gefühlen Scully gegenüber umgehen sollte. Er zog seine Schuhe an, und holte schon mal den Wagen.


Die ganze Fahrt über herrschte Schweigen im Auto.


"So still Scully? Bist du sauer auf mich?"


"Nein“, sagte sie schnell und beide schauten sich zum ersten Mal wieder direkt ins Gesicht.


"Ich bin nicht sauer." .


"Was ist es dann? Ist es wegen des Kusses vorhin?"


Scully rutschte nervös auf ihrem Sitz hin und her.


"Zum Teil“, antwortete sie ihm. "Ich weiß nicht, wie ich diesen Kuss einordnen soll. War er nur so, weil ich da war, und dich deine Hormone überkamen. Oder war es mehr?"


Mulder wusste nicht genau, was er ihr jetzt antworten sollte. Er konnte sich nicht immer so genau mit Worten ausdrücken, und hatte Angst, dass er was Falsches sagen könnte, und sie damit verletzte.


"Keinen Antwort ist auch eine“, bemerkte Scully und schaute etwas gekränkt aus ihrem Fenster.


"Nein, das stimmt nicht. Ich habe schon viele Frauen geküsst, aber noch nie war da dieses Gefühl, welches sich ..."


"...wie Tausend Schmetterlinge anfühlten, die wie verrückt in meinem Magen herum flattern, und versuchten rauszukommen“, vollendete Scully seinen Gedanken.


"Genau“, sagte er etwas überrascht und schaute sie von der Seite an.


"Es war nicht nur ein Kuss. Für mich war es wie der Beginn einer wunderbaren Freundschaft."


Scully lächelte ihm zu, und sah aus dem Augenwinkel heraus, dass Mulder das Auto auf die Gegenfahrbahn gelenkt hatte, und von vorne ein 40ig Tonner auf sie zukam.


"Fährst du oder soll ich fahren?"


"Wie kommst du da jetzt drauf?"


Scully griff ihm ins Lenkrad und rettete den Wagen noch rechtzeitig auf die sichere rechte Fahrbahnhälfte.


"Daran sieht man mal wieder das Liebe blind macht“, bemerkte Mulder sarkastisch, und atmete aus.


Es dauerte einen Moment bis Scully die Worte richtig verarbeitete.


"Liebe?" wiederholte Scully und blickte Mulder etwas überrascht an.


"Ja, Liebe." Mulder griff nach Scullys warmer Hand, "Ich war mir noch nie so sicher damit, wie in diesem Augenblick. Ich fühle das schon seit einiger Zeit.


Scully rückte ein Stück näher an ihn heran, und legte ihren Kopf auf seine Schulter.


"Ich habe meine Gefühle auch immer verdrängt und nie gesehen, wie schön sie hätten werden können."


Sie gähnte leicht, und schmiegte sich noch dichter an seine Brust.


"Ich schlage aber vor, dass wir es nicht gleich jedem im Büro erzählen, und es erstmal für uns behalten. Du musst wissen, schon damals als ich dich vor 4 Jahren zum ersten Mal in meinem Büro gesehen habe, war dieses Kribbeln in meinem Magen. Es gab so viele Situationen in denen ich dich am liebsten in den Arm genommen, und fest am mich gedrückt hätte. Ich bin froh, dass uns Skinner diesen Auftrag gegeben hat. Oder was meinst Du Scully? Scully?"


Mulder hörte ihren gleichmäßigen Atem auf seiner Schulter und wusste, dass sie eingeschlafen war.


"Dann ein andermal“, sagte er zu sich selber und legte seinen Kopf sanft auf ihren.


 


 


Ende