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Momente

von Kinona

Kapitel 1

Ich wache an diesem Morgen mit einem Gefühl auf, das ich seit meiner Studienzeit nicht mehr hatte: Dem Gefühl der Orientierungslosigkeit. Dem Gefühl, im ersten Moment, wenn man seine Augen aufschlägt, nicht zu wissen wo man ist.
Nach all den Nächten in Hotels und fremden Städten, wache ich nach Jahren zum ersten Mal wieder mit diesem Gefühl auf. Und ich wundere mich als ich die seltsam vertraute Wohnung meines Partners erkenne. Nur langsam kommen die Erinnerungen wieder...
Ich war an seine Schulter gelehnt eingeschlafen. An der Schulter, die ich vor Jahren einmal angeschossen habe. Er hat es mir niemals vorgeworfen.
Vielleicht ist das das Geheimnis unserer Freundschaft: Dinge hinnehmen, ohne eine Rechtfertigung zu verlangen. Darin sind wir gut! Wir haben nie über alles geredet. Vom ersten Abend an nicht: Wir saßen auf seinem Hotelzimmerbett und er hat mir von seiner Schwester erzählt. Von Samantha! Ihrer Entführung und seiner verzweifelten Suche nach ihr. Ich habe ihm zugehört. Und es hingenommen. Egal was ich darüber dachte und denke: Ich akzeptiere es. Auch wenn es oft schwerfällt.
Wir mussten nie alles aussprechen: Die Dinge haben sich immer irgendwie von selbst ergeben. Vielleicht haben wir auch einfach nur in dem Blick des anderen gelesen, und gewusst was wir denken.
So vieles ist passiert, das uns auf Ewig verbinden wird: Missys Tod, meine Entführung, der Tod seines Vaters, seiner Mutter, mein Krebs, Emily, Diana Fowley, der Kuss, die letzte Nacht...
Dinge über die wir nie geredet haben. Vielleicht haben wir sie deshalb überstanden!
Ich gebe zu, das ich mich nach allem was war oft verloren gefühlt habe: ich hatte das Gefühl mich verlaufen zu haben, vielleicht habe ich auch daran gezweifelt, ob der Weg den ich eingeschlagen habe, der richtige war. Aber egal was passiert ist, es gab einen Ort an dem ich mich immer sicher, geborgen und zu Hause gefühlt habe. Und dieser Ort ist an Mulders Seite. In seinen starken Armen kann ich mich fallen lassen. Es hat lange gedauert bis ich es bemerkt habe, aber in seinen Armen kann ich schwach sein. Ich, Special Agent Dana Kathrin Scully, kann schwach sein. Denn ich weiß, Mulder ist stark genug für uns beide. Und ich hoffe ihm geht es genauso!
Mein Gott, so wie das alles mit uns angefangen hat, hätte es eigentlich in einer Katastrophe enden müssen: Wir hatten den denkbar schlechtesten Anfang, den es geben kann. Doch wir haben es geschafft! Und ich könnte nicht einmal sagen wie.
Wir sind so grundverschieden, und doch haben wir nie versucht, den anderen zu ändern. Wir haben vielmehr versucht uns gegenseitig zu verstehen. Und das hat unser beider Leben bereichert.
Ja, ich glaube das war und ist es was unsere Beziehung so einzigartig macht: Ehrlichkeit, Verständnis, Toleranz, Vertrauen und die Stärke, ab und zu auch mal über Dinge einfach zu schweigen...
Ich weiß nicht genau, warum ich mich an diesem Morgen heimlich aus seiner Wohnung schleiche. Aber wer mag schon diese ganzen „der-Morgen-danach-Geschichten“? Und ich weiß, er wird es verstehen.
Es sind Momente die das Leben verändern. Momente wie damals, als ich in sein Büro im Basement des FBI-Gebäudes lief. Momente wie gestern Nacht...
Ich habe in den letzten Tagen viel über mein Leben nachgedacht, und über den Weg, den ich gewählt habe.
Eine endlose Reihe von Momenten.
Es ist verrückt, aber ich glaube er hat recht: Vielleicht haben unserer beide Lebenswege, tatsächlich zueinander geführt: Eine einzige andere Entscheidung, und wir hätte uns niemals kennengelernt.
Wäre ich damals bei Daniel geblieben, was wäre aus meinem Leben geworden? Was wenn ich mich nicht fürs FBI entschieden hätte? Was wenn ich damals nicht „strafversetzt“ worden wäre? Was, wenn Mulders Schwester niemals entführt worden wäre? Wäre er dann jemals FBI-Agent geworden? Hätten wir uns je kennengelernt?
Vielleicht gibt es ja auch Dinge, denen es einfach bestimmt ist zu passieren! Ich würde es nie zugeben: Aber vielleicht war es ja sowas wie Schicksal. Vielleicht hat alles seinen Grund...
Es gab so viele Dinge, die hätten anders laufen können. Was wenn ich ihm nicht von Anfang an vertraut hätte? Was wenn Mulder auf das falsche Spiel von Krycek und CGB Spender hereingefallen wäre? Oder auf das von Diana? Ich will nicht glauben, das all das Zufall war: Vielleicht musste Diana sterben, damit Mulder und ich leben können. Vielleicht musste Sam entführt werden, damit wir uns begegnen. Vielleicht hat alles was passiert ja einen ganz bestimmten Grund...
Ein tröstlicher Gedanke. Und ich spüre, dass sich mein Leben ein weiteres mal grundlegend verändert hat. Erneut stand ich vor einer Abzweigung und habe mich für eine bestimmte Richtung entschieden. Nur im Unterschied zu den vielen anderen Malen habe ich es diesmal ganz bewusst getan: Ich habe einen Weg gewählt, und bin jetzt gespannt darauf zu erfahren, wohin er mich führt.
Fox William Mulder, du hast gesagt, du verstehst nicht wie du für zwei Tage verreist bist, und mein Leben sich in der Zwischenzeit so sehr verändern konnte. Ich gebe zu, die zwei Tage ohne dich, waren ungewohnt. Man sagt, der Mensch weiß erst zu schätzen was er hat, wenn er es verliert. Doch es waren nicht diese zwei Tage, die mich und mein Leben verändert haben, das wird mir jetzt klar. Es war die letzte Nacht mit dir! Vielleicht war ja alles schlechte das mir bis jetzt in meinem Leben widerfahren ist, der Preis dafür, diese Nacht erleben zu dürfen. Und wenn es so ist... dann habe ich ihn gerne bezahlt!