World of X

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The Sky of Armageddon (1)

von Lord Sijar

Kapitel 1

~xXx~



PROLOG



Das ist das ZEICHEN

Blut rinnt meine Kehle herab, so und nicht anders, als es sich gebührt nach einem Kampf.

Mögen die Seelen der Sklaven Freiheit in ihrem Tod finden. Möge mich der Name des Meisters, des großen Lords begleiten auf dem Kreuzzug zur Reinigung der Welt.

Möge mich das Lied des Phönix, des Herren der Unsterblichkeit stärken, Licht in die Dunkelheit zu tragen und den Finsteren Lord jagen bis ans Ende der Zeiten.

Mögen meine Krieger ihre Aufgabe erfüllen, und dem Clan Ehre bereiten.

Mögen sie von Mut, Klugheit, Stärke und Ehrlichkeit begleitet werden auf ihrer Suche nach dem größten aller Güter.

Die WAHRHEIT, die auch von der mächtigsten Dunkelheit niemals ganz besiegt werden kann, die immer einen Weg findet aus dem niederen Schmutz von Lügen zu erstehen...

Ich spreche das Gebet eines Kriegers.



~xXx~



IRGENDWO

Learning to fight until the future will dawn…



Die Zukunft beginnt zu hinaufzudämmern, ER wird zurückkehren, um das zu beenden, was er vor tausenden von Jahren begann.

Es wird keine gute Zukunft werden für die Erde.

Wir sind beauftragt worden, das Hinaufdämmern der Finsternis zu beenden, bevor es beginnt. Der Lord legt das Schicksal der Welt in unsere Hände. Wir werden die Zusammenkunft einleiten müssen, um eine Chance zu erhalten. ER schläft nicht, seine Schergen haben bereits begonnen die Welt zu unterwerfen.

Das Kriegsbanner wird uns begleiten. Es wird Zeit aufzubrechen und IHN zu besiegen, Rache zu nehmen für die, die bis jetzt starben. Wir berufen uns auf den Eid, den wir im Antlitz des Masterlords schworen, solange zu kämpfen bis die Welt von neu beginnt.

Wir nennen die Namen von Sijar, Fijur, Scuwa und Acris, den Beschützern und den Dienern der Welt. Doch nun müssen wir gehen.



~xXx~



SEINE Vorhut macht sich auf den Weg, um die letzten Hindernisse IHRES Plans zu beseitigen und zu vernichten, um IHM Platz zu räumen und SEINE schlafenden Diener zu wecken.



~xXx~



A new day...has come
A new day...has come



I was waiting for so long
For a miracle to come
Everyone told me to be strong
Hold on and don't shed a tear

Through the darkness and good times
I knew I'd make it through
And the world thought I had it all
But I was waiting for you



Hush, love



I see a light in the sky
Oh, it's almost blinding me
I can't believe
I've been touched by an angel with love

Let the rain come down and wash away my tears
Let it fill my soul and drown my fears
Let it shatter the walls for a new, new sun



A new day has... come



Where it was dark now there's light
Where there was pain now there's joy
Where there was weakness, I found my strength
All in the eyes of a boy



Hush, love



I see a light in the sky
Oh, it's almost blinding me
I can't believe
I've been touched by an angel with love

Let the rain come down and wash away my tears
Let it fill my soul and drown my fears
Let it shatter the walls for a new, new sun



A new day has... come



Let the rain come down and wash away my tears
Let it fill my soul and drown my fears
Let it shatter the walls for a new, new sun



A new day has... come



Ohhh, a light

Hush, now



I see a light in your eyes
All in the eyes of the boy

I can't believe
I've been touched by an angel with love



I can't believe
I've been touched by an angel with love

Hush, now

Hush, nowÄ



~xXx~



SCULLYS WOHNUNG 00.35 Uhr



Was wir fürchteten waren die Möglichkeiten, die Wahrheit die wir beide kennen.



Das Licht in Scullys Wohnung war gedämpft. Auf dem Tisch brannte ein Kerze. William zappelte in Mulders Armen.

„Hey Scully, ich glaube dein Sohn ist eifersüchtig“ sagte Mulder leise, ohne das Lächeln aus seiner Stimme zu bannen, das noch auf seinen Lippen lag. Er strahlte, seinen Sohn und die Liebe seines Lebens in seinen Armen haltend.

Frieden, ein klein bisschen Frieden für seine so lange gequälte Seele hatte er eben gefunden.

„Es ist auch dein Sohn, Mulder“ antwortete Scully ebenso leise und sah in seine braun-goldenen Augen.



Die Aussprache tat gut. Es war zwar nicht so, das Scully diesen Augenblick gefürchtet hätte, aber trotzdem hatte sie bisher gezögert, es ihm ins Gesicht zu sagen. Nicht, das sie befürchtete, er würde es nicht glauben, nicht verstehen oder sich um die Verantwortung drücken vielmehr, dass sie beide nun in ganz andern Bahnen denken mussten. Wahrheit, nun war es eine Tatsache. Verleugnet, aber doch schließlich ans Licht gekommen.

Mulders Gesichtszüge veränderten sich schlagartig. Das warme Lächeln wich ungläubigem, ehrfurchtsvollem Staunen.

Er hatte es gehofft, aber dennoch erfüllte ihn die Erkenntnis mit großer Freude. Als er die Sprache wiederfand, war seine Stimme heiser und beinahe schüchtern

„Warum hast du mir nichts davon gesagt?“ fragte er vorsichtig. Sein Gesicht hatte deutlich an Farbe verloren. Er sah Scully an und stellte fest, das sie zu lächeln begonnen hatte. Ihr warmer Atmen streifte noch immer seine Wangen.

„Weil wir beide zuviel zu tun hatten und weil ich gefürchtet habe, dass ich Dich dann sofort ins Krankenhaus einliefern müsste. Und da warst du in letzter Zeit entschieden zu oft.“

„Ich glaube ich verstehe den Satz *Setz Dich, denn es wird Dich umhauen* jetzt besser,“ schnaufte er mit zittriger Stimme und ließ sich, immer noch mit William im Arm, auf dem Sofa nieder. Die Unsicherheit des ersten Augenblicks.

Dann sah er seinen Sohn an genauer an. Der Kleine hatte die strahlend blauen Augen seiner Mutter, aber sein Haar war dunkler als das Scullys.

Ja vielleicht konnte er es jetzt glauben. Sein Sohn blicke zurück, fast neugierig, ein bisschen unwillig, als ob er fragen wolle:

*He wer bist du denn? Mein Daddy? Und wenn schon. Das Licht ist zu hell*

Die Stille im Raum störte ihn. William Scully streckte seine winzige Hand aus und versuchte nach Mulders Nase zu grabschen.

„Mulder ...?“ Mulder blickte zu Scully auf. Er hatte ein Stück seiner Fassung wiedergewonnen und seine Augen leuchteten.

„Umh, was ist los?“ schaffte er zu fragen.

„Ich glaube wir müssen... reden... über uns und die neue Situation“ erwiderte Scully zögerlich. Ihr Mut hatte sie gerade mit ihren Zweifeln allein gelassen.

„Wenn du meinst“ Er begann zu lächeln und nach Sekundenbruchteilen wurde ein waschechtes glückliches Muldergrinsen daraus.

„Ich liebe dich!“ Drei lausige kleine Worte die er auszusprechen sich so lange gescheut hatte aber dennoch die ganze Welt bedeuten konnten. Er hatte nie die Chance gehabt, es ihr auf diese Weise zu sagen

Scully sah ihm tief in die Augen, suchte nach Zweifeln, Angst oder Schmerz aber in ihnen spiegelte sich das wieder, was sie schon seit so langen Zeiten miteinander verband. Stärke, Loyalität, Treue, Kameradschaft und

Liebe.

Ihr Mut kehrte zurück und sie strafte sich für ihre Feigheit.

„Wie willst du das Bill erklären?“ Entsetztes Schweigen. Sie hätte sich dafür erschießen können, dass sie keinen Fotoapparat zur Hand hatte um Mulders vollkommen perplexen Gesichtsausdruck festzuhalten. Sie ließ ihn noch ein zwei Sekunden zappeln bevor sie ihn erlöste. Sie setzte sich neben ihn aufs Sofa und legte eine Hand auf seine Schulter.

„Ich liebe dich auch“

Es war raus. Die ganze verdammte Ungewissheit, die beide schon so lange begleitete, löste sich auf, wie der verdunstende Tau im Morgenlicht einer gemeinsamen Zukunft. Ungewissheit die nun endlich nach so langer Zeit zu Nichts wurde.

Sie sahen sich an und dann begann Scully auf einmal zu kichern. Es war seltener Augenblick für ihn, sie wirklich befreit Lächeln zu sehen und Lachen zu hören.

„Komm schon, welchen Insiderwitz hab ich hier nicht verstanden“, fragte Mulder verwirrt aber strahlend. Seine Denkprozesse liefen noch immer gedrosselt, die Hauptkapazität wurde noch zur Verarbeitung gewisser Erkenntnisse gebraucht.

„Findest du nicht, das das irgendwie etwas spät kommt?“ erkundigte sie sich als sie sich wieder gefangen hatte.

„Na ja, so in der normalen Reihenfolge: Liebe gestehen, Heiratsantrag und dann Kinder?“ Diese Frage zu stellen, ließ ihren Puls nach oben schnellen.

„Hab ich jemals gesagt, dass ich normal bin, Scully?“ fragte er grinsend dennoch mit einem versteckten Ernst in der Stimme, als hätte er die Frage als heimliche Anklage verstanden. Die Zweifel waren zu sehr Teil seines Lebens geworden, um sie einfach so aufgeben zu können. Scully erlöste ihn schnell.

„Ich liebe Dich dafür, wie du bist und nicht für ein verzerrtes perfektes Abbild von Fox Mulder, “ erwiderte sie grienend und küsste ihn schnell auf die Wange.

William quengelte. Es war spät und eigentlich für alle schon lange Zeit um zu schlafen. Scully nahm William kurz entschlossen hoch, und legte ihn in sein Bettchen.

„Meinst du, das verändert etwas?“ fragte sie Mulder vorsichtig, als sie zu ihm zurückkehrte, um sich an seine Seite zu setzen.

„Es verändert die Welt Scully! Zum Guten, seit sehr langer Zeit endlich zum guten, “ und seine ernste Stimme täuschte nicht über das Glück hinweg, dass er seit langer Zeit wieder empfand. Er stand auf und umarmte sie wieder

„Wer soll sein Patenonkel werden?“

„Tja, wir können ja mal Skinner und die Gunmen fragen“ scherzte Scully

„Hab Mitleid mit Deinem Sohn. Überleg Dir mal wie Frohikes Namen aussprechen sollte. Aber der Skinman scheint mir eine gute Wahl zu sein. Ich meine, den Assistant Director des FBI. „Onkel“ nennen zu dürfen...“ Die alte Frechheit hielt wieder Einzug. Nach den Zeiten des Kämpfens etwas das sie sich gönnen sollten, in dem Willen jede Sekunde des Friedens zu genießen und mit dem Wissen, das ihr Frieden nie von langer Dauer war.

„Hättest du wohl gerne, was!“ Sie knuffte Mulder in die Rippen bevor er die Chance erhielt einen Gegenvorschlag zu machen.

„Was hältst du von Reyes und Doggett? Doggett wurde im selben Kaff geboren und Monica hat mir geholfen ihn zur Welt zu bringen...“ Dann waren beide still, versuchten ihre eigenen durchmischten Gedanken zu sortieren. Scully ließ die Geschehnisse der letzten neun Monate Revue passieren.



Und dann wurde es dunkel. Augenblicklich war die einzige Lichtquelle die Kerze auf dem Tisch.

Stromausfall.

„Verdammt“, fluchte Scully um sich Augenblicke später dafür zu tadeln.

„Die haben das Leitungsnetz doch erst vor einem halben Jahr erneuert“ stöhnte sie genervt. William begann im Nebenzimmer zu weinen. Mulder stand auf und holte ihn zurück ins Wohnzimmer, während Scully einige weitere Kerzen anzündete.

„So, jetzt wird das noch ein richtig romantischer Abend“, versuchte er halbherzig zu witzeln, um die Stimmung zu retten, dabei war ihm nicht nach Scherzen zu mute. Als eben das Licht ausgegangen war, hatte sich sein sechster Sinn und das ungute Gefühl eines Dé jà-vouz eingestellt. Er hoffte inständig, dass es bloß durch seine übliche Paranoia hervorgerufen wurde. Aber diese spezielle Angst war bislang noch immer berechtigt gewesen. Scully spürte sein Unbehagen, sie wusste um seine Furcht.

„Was ist los mit Dir?“ fragte sie besorgt, als sie zu ihm herübertrat..

„Nichts, alles in Ordnung“ log er, blickte aber trotzdem wachsam umher. Seine Augen blieben am Fenster hängen.

„Das ist erstens mein Text und zweites glaubst du es doch selbst nicht.“ Er antwortete nicht, um seine Bedenken zu verbergen.

„Hey, meinst du nicht, dass du mit mir reden kannst?“ fragte Scully nun ebenfalls verunsichert und folgte seinen Blicken zum Fenster. Sie konnte nichts in der Dunkelheit ausmachen.

„Ich wollte dich nicht erschrecken, aber ich glaube du hat Recht. Als eben das Licht ausfiel, habe ich mich erschrocken. Ich glaube das liegt an meiner schlechten Erfahrung mit Stromausfällen, “ erwiderte Mulder nun und sah sie nachdenklich an.

Die angenehme Stimmung, die noch vor drei Minuten geherrscht hatte war nun endgültig verflogen.

„Meinst du etwa...“ begann Scully.

„Siehst du, jetzt hab ich dich doch erschreckt!“



~xXx~



SCULLYS APARTMENTHAUS : 00.40 UHR



Lord Sijar pirschte sich das Treppenhaus herauf. Die Geräusche die sie dabei verursachte waren minimal. Es war zwar unwahrscheinlich, um diese Uhrzeit jemandem auf den Fluren zu begegnen, aber sie wollte kein Risiko eingehen. Dazu war ihre Aufgabe zu heikel und zu wichtig.

Als das Licht ausfiel, zuckte sie kurz zusammen. Ein schlechtes Zeichen. Also waren die SIE bereits ganz in der Nähe. Hoffentlich war es noch nicht zu spät. Sie musste sich beeilen. Als sie das Stockwerk erreicht hatte, das sie suchte, öffnete vorsichtig die Tür, huschte über den Flur, und bleib schließlich vor dem gesuchten Apartment stehen. Da es auf dem Flur dunkel war würde sie zumindest keiner der Bewohner bemerken.



~xXx~



SCULLY’S WOHNUNG: 00.45 UHR



Der Stromausfall dauerte erst fünf Minuten, trotzdem wurden sie langsam nervös. Zwei Möglichkeiten, eine von beiden furchtbar irreal, doch deswegen nicht weniger Wahrscheinlich.

Schließlich stand Scully auf und zog die Gardinen auf, in der Hoffnung den Grund für das Geschehen draußen finden zu können. Vielleicht hatten die Arbeiter auf der Baustelle an der Straßenkreuzung eine Leitung getroffen? Aber nachts um diese Uhrzeit arbeitete niemand mehr. Ihre Überlegungen wurden gänzlich zunichte gemacht als sie feststellte, dass das gesamte Viertel ohne Strom war.

„Ich glaube, ich rufe mal bei den Nachbarn an“, meinte sie nachdem sie eine Weile in die Dunkelheit draußen geschaut hatte.

„Wenn du es Dir mit ihm verscherzen willst?“ Mulder hatte William aufs Sofa gelegt, und war gerade dabei, das Kinderbett ins Wohnzimmer zu schieben. In dieser Situation hielt er es für eine gute Idee.

Scully bemühte sich derweil die Nachbarn zu erreichen. Das Telefon war tot. Sie versuchte es von ihrem Handy aus. Nichts.

Das ungute Gefühl verdichtete sich.

Es war wie immer, wie immer, wenn SIE kamen

„Was gibt’s? “ fragte er als er aus dem Kinderzimmer zurückkehrte.

„Vergiss es, es funktioniert nicht“, gab Scully zur Antwort, sie wollte sich ihre Verunsicherung nicht gern anmerken aber das latente Gefühl von Bedrohung war ihr Begleiter. Vor fünf Jahren, hätte sie mit den Schultern gezuckt, sich gemütlich auf dem Sofa zusammengekuschelt und im Kerzenlicht, vielleicht mit einem Glas Rotwein, das Ende des Stromausfalls abgewartet. Aber die Situation hatte sich auf grundlegende Art und Weise verändert. Und diese Veränderung hatte auch sie erfasst.

„Soll ich’s mal mit meinen Handy versuchen?“ fragte Mulder leicht außer Atem. Das Bettchen war schwerer als er gedacht hatte Die Frage war sinnlos, weil er die Antwort kannte. Es war auch nicht so als ob er sich etwas davon erhoffte.

„Du bleibst Berufsoptimist“, seufzte sie.

Und auch Mulders Versuche bleiben erfolglos. Er hatte nichts anders erwartet und diese Gewissheit trug nicht zu seiner Beruhigung bei.

Der einzige, der mit der anhaltenden Finsternis und Ruhe zufrieden war, war William. Er schlief friedlich.



Plötzlich ertönten leise, kratzende Geräusche aus dem Flur der kleinen Wohnung, der völlig im Dunklen lag. So als würde das Türschloss professionell geknackt. Mulder und Scully schreckten auf. Sie sahen sich fragend an und griffen in stummer Übereinkunft zu ihren Waffen, Scully zu ihrer Dienstwaffe und Mulder zu dem unautorisierten Revolver, den er an seinem Knöchel trug. Er war vielleicht ohne Beruf, aber nicht ohne Vorbereitung. Seine bösen Vorahnungen schienen sich zu bestätigen.

„*Wer* ist da? Zeigen Sie sich und kommen Sie mit erhobenen Händen ins Licht. *Sofort*!“ brüllte Scully in die Dunkelheit. Ihre Stimme war klar und stark, und aus der führsorgenden Mutter, war in Bruchteilen einer Sekunde die FBI Agentin Dr. Dana Scully geworden. Mulder warf ihr trotz der angespannten Situation einen bewundernden Blick zu. Ihr rotgoldenes Haar funkelte im schwachen Licht. Diese Professionalität, war ihnen beiden zueigen geworden in einem knappen Jahrzehnt ihres Lebens.

Ein, zwei Sekunden war es ruhig, dann trat Jemand oder Etwas aus den Schatten. Das Wesen war groß und hatte etwa die Gestalt eines Grizzlybären. Langes löwenfarbenes Haar bildete eine wilde Mähne. Als die Person noch etwas weiter vortrat, wurden weitere Details sichtbar. Ein muskulöser ungleich kräftiger Körperbau, der nicht verriet, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelte, aber ein doch weibliches Gesicht. Die leicht zusammengekniffenen Augen glänzten in hellem gletschergrau. Ihre Blicke wirkten streng unter düsteren, geschwungenen Augenbrauen. Trotzdem schien sie gleichzeitig ausgesprochen besorgt zu sein. Sie schwieg, starrte furchtlos in die Mündungen der beiden auf sie gerichteten Revolver. Ein bedächtiges, überlegenes Schweigen.

„Wer verdammt sind Sie, antworten Sie Ihr!“ fauchte Mulder scharf. Adrenalin zirkulierte durch seine Blutbahnen und schärfte seine Sinne.

Die Fremde schien sich einen Ruck zu geben. Nicht aus Angst vor den Agenten, mehr als ob sie sich entschlossen hätte, ihr Anliegen vorzutragen.



„Es ist nicht wichtig, *Wer* ich bin, es ist wichtig *Was* ich zu tun gedenke.“

Die Stimme war tief, rau aber sehr beherrscht und klar. Es lag etwas stolzes darin, dem trotzdem jeder Aspekt von Hochmut fehlte.

„Nehmen Sie ihre Waffen herunter, ich bin nicht gekommen um einen von Ihnen zu verletzten.“

Das schwache Licht zeigte die Gestalt nun vollständig. Schlichte, schwarze Hosen, ein eng anliegendes Shirt aus blauer Seide, das die festen Muskeln betonte und ein beinahe bodenlanges Cape das locker um ihre breiten Schultern fiel, ebenfalls in leuchtendem Blau. Ungewöhnliche Kleidung. Ebenso wie das Langschwert, das an ihrem Gürtel baumelte und gelegentlich die Flammen der Kerzen reflektierte.

Sie wirkte wie eine Kriegerin, aber nicht aus dem Heute. Es lag etwas edles, ritterliches in ihrer Erscheinung.

Sie blieb direkt vor Mulder stehen und sah in seine Augen. Langsam senkte der Agent seine Waffe. Scully tat es ihm gleich, nahm William schützend in den Arm. Mulder verfluchte sich innerlich. Er wusste nicht genau warum er dem inneren Befehl Folge geleistet hatte. Es war gefährlich den Schutz aufzugeben, dem ihm seine Waffe gewährte, aber etwas in ihm sagte ihm, das ihm der Revolver im Zweifelsfalle nichts nützen würde. Der Eindringling wirkte zu agil, eine unbestimmte Aura von Macht, eher Würde, umgab ihn.



Der kleine William hingegen schien die Sorgen und Zweifel seiner Eltern nicht zu teilen. Er streckte seine kleinen Händchen dem großen stillen Besucher entgegen und brabbelte eifrig.



„Sehen Sie, ich bin nicht hier um Sie zu erschrecken, Sie zu verletzen, oder Ihrem Sohn Leid zuzufügen, wie Sie es fürchten, sondern weil es ein ernstes Anliegen gibt,“ erklärte sie mit ruhiger Stimme.

„Sie sind nicht sicher hier und wenn Sie nicht wollen, das der Sohn des Fuchses und der Löwin stirbt, bevor die Sonne zum ersten Mal für ihn aufgegangen ist, dann müssen Sie mir vertrauen. Ich bin gekommen, um Sie an einen sicheren Ort zu bringen. Aber wir werden uns beeilen müssen, denn SIE werden nicht zögern Ihr Leben auszulöschen.“

Mulder zögerte einen Augenblick. Sein Gegenüber war einen halben Kopf größer als er, bewaffnet und sich seiner selbst sehr sicher.

Trotzdem verspürte er keine Feindseligkeit. Vielleicht lag es daran das die Fremde keinen dunklen Anzug trug, und nicht mit einem Revolver herumfuchtelte. Vielleicht war es ihr aristokratisches Auftreten oder auch nur die Ernsthaftigkeit der Worte, die seine schlimmsten Befürchtungen wiedergaben. Das was sie sagte, erschreckte ihn zutiefst. Die junge Frau hatte in Rätseln gesprochen, aber er fürchte sich vor dem, was er den Worten entnehmen konnte. Sein Leben würde eine ewig währende X Akte bleiben.

„*Wer* sind Sie?“ beharrte Mulder trotzig.

„Wer hat Sie hierher geschickt. War es das Militär oder die Regierung. Oder einer von DENEN? Seine Stimme verlor sich, er fühlte sich plötzlich willenlos.

„Ich versichere Dir Fuchs, dass es keine Armee dieser Erde war,“ versicherte die Fremde sanft. Erneutes Schweigen folgte.

„Nichts ist so, wie es scheint, aber einiges scheint anders zu sein als es ist.“

„Ich nenne Ihnen nur eine Wahrheit: Ich stehe auf der richtigen Seite, auf Ihrer Seite, auf der Seite des Lebens. Ich habe den Namen, den mir meine Eltern einst gaben abgelegt, weil er nichts mehr zählt, aber der Name, dessen was ich vertrete, wird ewig währen.“

Sie streckte Mulder die rechte Hand entgegen. Er bemerkte das breite, mit langen, silbrigen Dornen besetzte Armband an ihrem Handgelenk. Wort und Geste blieben im leeren Raum stehen. Die junge Frau schüttelte andeutungsweise den Kopf. Dann, nach einigen Sekunden, fuhr sie in eindringlichem, fast flehenden Tonfall fort:

„Wir werden aufeinander angewiesen sein, wenn der letzte Krieg ausgefochten wird. Es wird bald beginnen, und deshalb müssen nun gehen.“

Nach weiterem Zögern ergriffen erst Mulder und dann Scully die dargebotene Hand der Fremden. Die Haut war warm und trocken. Wieder fragte sich Mulder, was ihn zu dieser Aktion bewegt hatte.

Stille.

Doch in dem Augenblick als die Fremde ihre seltsame Unterhaltung fortführen wollte, fuhr ein eisiger Hauch durch das Zimmer. Die Kerzen auf dem Tisch erloschen. Augenblicklich war alles in vollkommene Finsternis gehüllt. Lediglich das silbrige Licht des Mondes floss durchs Fenster. William begann laut zu schreien, als ob er etwas bedrohliches in seiner Nähe fühlte.

Ebenso schien es der Fremden zu gehen. Obwohl sie für Mulder und Scully bloß noch ein Schatten war, meinte Scully zu bemerken, dass die Besucherin, zusammengezuckt war.



„Sehen Sie, nun sind SIE da,“ flüsterte sie traurig.

„Wenn Ihnen Ihr Leben, das Ihres Kindes und das Schicksal der Welt etwas Wert ist dann ziehen Sie sich in die Schatten zurück, denn für Flucht ist es nun schon zu spät.“

Die brummige Baritonstimme war nun bestimmend und sie drängte zu einer Handlung.

Gleißend weißes Licht flutete blitzartig von draußen ins Zimmer, sorgte für eine surreale Beleuchtung, die blendend hellweiß war und den Raum trotzdem in pechschwarze Schatten hüllte.

Dann implodierte das Glas der Fensterscheibe und Scherben regneten auf die Menschen im Zimmer nieder. Gleichzeitig begann ein hochfrequentes Heulen, das sich mit Williams Schreien vermischte. Und dann war das Zimmer voller huschender Schatten, die nichts menschliches an sich hatten.

Mulder umarmte Dana und William. Sie waren machtlos, das wusste er, vielleicht besser als alle anderen im Raum. ** NEIN!!! Nicht schon wieder...** heulten seine Gedanken. Es gab kein Entrinnen vor dieser speziellen Art von Schicksal. Aber diesmal wollte er wenigstens die Nähe derer fühlen, die er liebte.

Das gleißende Licht paralysierte ihn. Er konnte sich nicht mehr bewegen, nicht mehr sprechen, nur noch beobachten. Er wusste, was gleich folgen würde. Dachte er zumindest.

Aber was dann wirklich geschah, überraschte ihn.



Die Fremde stieß ein tiefes, donnerndes Knurren aus, das ebenfalls nichts menschliches mehr hatte.

Dann griffen SIE an. Seltsamerweise nicht die drei Menschen, die sich in einer Zimmerecke aneinander schmiegten, sondern die Fremde. IHR Heulen und Kreischen erfüllte den Raum. Mulder meinte in der Dunkelheit ein kurzes blaues Aufleuchten gesehen zu haben. Dann sah er eine blitzende Klinge und darauf ein Geräusch von zerfetzendem Gewebe. Gnädigerweise verhüllten Schatten das Geschehende.

Ein schriller, hohler Todesschrei gellte durch die Finsternis. Dann markerschütterndes Knurren, wie von einem Tier, und das Geräusch von brechenden Knochen, gemischt mit Lauten, die nur von zerreißen, zerfetzen und beißen stammen konnten. Wieder funkelte das Schwert und wieder hallten Todesschreie durch die Dunkelheit. Zischende Laute mischten sich mit dem Kampflärm.

„Du weißt wer ich bin, Diener des Dunklen Lords, aber ich gebe Dir keine Chance es ihm zu berichten“

knurrte jemand in der Finsternis.

Wieder knirschte es.

Dann auf einmal näherte sich eine magere Gestalt mit großen schwarzen Augen Scully, Mulder und William.

Die Augen der Kreatur schienen dunkler zu sein als der finsterste Schatten. Als würden sie in einer Art Anti-Licht strahlen, hoben sich von der hellgrauen Haut ab. Die Wesen näherte sich langsam, dem Kampfgetümmel keinerlei Beachtung beimessend, schien aber sein Ziel noch zu suchen.

William schrie laut auf. Der Laut klang nicht weinerlich, aber auf andere Weise erschütternd.

Das Biest hatte sein Ziel gefunden, wurde schneller. ES hob seine vierfingrige Hand, mit dunklen Krallen, holte aus um nach seinen Opfern zu langen. Die beiden Menschen wussten das es zu spät war.

Plötzlich war ein zweiter, wesentlich größerer Schatten hinter dem Angreifer, der ungleich kräftiger war. Er packte das andere Wesen im Genick, es knirschte, dann flog der Angreifer zwei Meter durch die Luft und krachte schließlich mit einem ekelerregenden, schmatzenden Geräusch gegen die gegenüberliegende Wand.

„Stirb!“

Ebenso plötzlich wie es begonnen hatte, war es vorbei. Das grelle Licht am Fenster verschwand.

Fast gleichzeitig kam auch der Strom wieder.

Die Szene, die sich im Licht der heil gebliebenen Lampen bot, war zu grässlich um in Worte gefasst zu werden.

Ein Dutzend, sich in grünen Schleim auflösende Körper, lagen im ganzen Raum verteilt. Ihre zähflüssige grüne Körpersubstanz ätzte sich langsam durch das Parkett, überall dort wo Tropfen hingespritzt waren, zischte es leise.

In Mitten dieses Schlachtfeldes aber saß eine Kreatur, die sowohl Engel als auch Teufel hätte sein können. Es war die Fremde. Zumindest dem Gesicht nach zu urteilen. Der Rest des Körpers wies die Merkmale verschiedenster Tierspezies auf.

Das was zuerst in ins Auge fiel, war ein Paar gefalteter lapislazulifarbener Vogelschwingen, die dicht über den Schulterblättern ansetzten, ebenso wie der lange echsenartige Schweif, der mit dunkelgoldener Haut bedeckt war, so wie der restliche Körper. Dazu kamen lange Krallen an den Klauenhänden.

Das Wesen richtete sich auf seinen kräftigen Beinen auf, die nun mehr Ähnlichkeiten mit denen eines Hundes oder einer Katze besaßen. Sie stand nur noch auf den Zehen, die ebenfalls dunkle Krallen aufwiesen. Ihr Haar war bläulich-schwarz, die Ohren liefen spitz zu und elfenbeinfarbene Eckzähne funkelten im Licht.

Abgesehen von Hose und Cape, war die Kleidung aufgrund der umfassenden physischen Veränderung zerrissen, hie und da baumelten noch einige Fetzen ihres Shirts.

Die Fremde unterbrach die noch immer andauernde Stille, selbst William war wieder ruhig geworden

„Ich nenne den Namen meines Herren, des Masterlords, bringe mein Opfer für die Toten, damit zu töten niemals eine Freude wird.“

Mit der eigenen Waffe und ritzte sich die Kreatur die goldene Haut über dem Oberarm auf. Eine funkelnde, azurfarbene Flüssigkeit, die hell glühte rann aus der Schnittwunde und tropfte in trägem Rinnsal zu Boden.

Scully erkannte erst einige Sekunden später, dass es Blut war.

Die Fremde hob ihren Kopf und fasste die drei Menschen im Zimmer fest ins Auge, bevor sie sich an sie wandte.

„Nun kennt Ihr Bedrohung von der ich sprach und mein zweites Antlitz, die Gestalt in der ich Lord Sijar und einer der vier Dracos bin. Der Draco der Fluten, und des stürmischen Meeres.“

Ihre Stimme war noch eine Oktave tiefer geworden und erfüllte den Raum mit gleichmäßigen, ausdruckstarken Klang. Die Fremde flößte allein durch ihre körperlichen Ausmaße Respekt ein, doch vielmehr die Stärke und die Klugheit die ihre leuchtenden Augen ausstrahlten, schufen die Aura der Erhabenheit, die das Wesen auszeichnete. Obwohl der muskulöser Körper von grünen Schleimschlieren bedeckt war, schien ihr der Kampf eben nicht zugesetzt zu haben.

„Verstehen Sie jetzt wovon ich spreche?“ fragte sie grimmig.

„Verstehen Sie nun warum wir nicht hier bleiben können?“

Scullys Gesicht war eine Maske mühsamer Selbstbeherrschung.

Am Abgrund stehen und dem Tod ins Auge blicken, die einzige Definition für dieses Grauen. Der Tod war zu ihrem ständigen Begleiter geworden und einmal mehr zeigte er seine immerwährende Macht.

Sie begriff nicht was eben geschehen war. Leid, Grauen und Horror waren schon vor langer Zeit zu einem Bestandteil ihres Lebens geworden und zusammen mit Mulder hatte sie schon viele bösartige Situationen gemeistert. Aber noch nie war so etwas in ihrer eigenen Wohnung und in einem Moment, in dem sie glücklich hätte sein sollen, geschehen.

Das Grauen, war spätestens seit den X-Akten auch bis direkt in ihr Privatleben vorgedrungen, aber nie hatte sie sich so hilflos gefühlt.

Abgesehen vielleicht von ihrem Krebs, den sie schließlich aus sich selbst heraus hatte besiegen können. Aber die Rettung ihres Lebens zu diesem Zeitpunkt, Hier und Heute, hatte sie der drachenhaften Kreatur, die inmitten der Trümmer ihrer Wohnung vor ihr stand, zu verdanken.

Auf eine Antwort wartend, die Scully zur Zeit nicht zu geben vermochte. Diese Vorstellung machte ihr Angst.

Sie bemühte sich auf ihren analytischen Verstand zuzugreifen, der Teil von ihr der Wissenschaftler war, denn die neuen Fakten ließen die Situation in anderem Licht erscheinen. Die Fremde war kein Mensch, aber auch keines der Wesen denen sie bisher begegnet war. Sich an die Weisheit, dass der Feind deines Feindes dein Freund war, erinnernd. Der Beweis, in Gestalt von sich langsam auflösender Aliens, lag vor ihr.

Ja, sie war bereit zumindest die Tatsachen dessen was geschehen war, zu akzeptieren.



Als das Licht wieder anging, dankte Mulder dem Schicksal, das er sonst so sehr verfluchte. Die Fremde hatte sich tatsächlich als Freund erwiesen. Wer, oder besser gesagt Was sie war, das konnte er aber zur Zeit ebenso wenig bestimmen, wie er den Grund ihres plötzlichen Auftauchen kannte.

*Wer ich bin ist nicht wichtig, Was ich tue ist entscheidend*

Das hatte sie gesagt und ihre Glaubwürdigkeit eben auf eindrucksvolle Weise bewiesen. Sie war als einzige nicht von IHNEN paralysiert worden, so wie es ihm schon zu oft passiert war. Und sie war mehr als nur eine Mensch. Mit dem Begriff Draco hatte sie sich beschrieben.

Dache. Eine passende, würdige Beschreibung ihrer selbst.

Die Fremde wartete immer noch auf seine Antwort. Ihr langer Schweif klopfte in unregelmäßigen Abständen auf den Boden. Mulder fiel eine seltsame Narbe in ihrem Gesicht auf. Sie zog sich schräg über die ganze Stirn über das rechte Auge. Dort, wo eine Verlängerung der Linie die eisgraue Iris durchkreuzte, war diese auf einer dünnen Gerade orangegold verfärbt und er fragte sich, welche Macht der Welt in der Lage war, jemandem derartige Verletzungen zuzufügen.

Ja, er verstand wovon sie sprach, er erkannte die Notwendigkeit, schnell von hier zu verschwinden, aber er wusste nicht wohin. SIE verfolgten einen überall hin, man konnte sich DEREN Einfluss nicht entziehen. SIE waren gefährlicher als je zuvor und ihre Spione inzwischen überall.

„Wohin sollen wir gehen“ fragte Mulder schließlich resignierend.

„Lassen Sie es mich Ihnen erklären. Es gibt zahlreiche Dinge über die auch die Klügsten Ihrer Spezies keine Kenntnis besitzen und es gibt mehr Dinge auf der Welt als Sie sich zu träumen vermögen.

Eine dieser Tatsachen ist die, das es Wesen wie mich gibt, vier genau, deren Aufgabe es ist, über das Wohl der anderen zu wachen und dann wenn die Ordnung ins Ungleichgewicht gerät einzugreifen. So wie jetzt.

Die Götterdämmerung hat begonnen und die Welt steht vor dem Anbeginn des größten aller Kriege.“

„Das nehme ich Ihnen nicht ab“ erwiderte Mulder ruhig. Er bemühte sich seine Stimme klar zu behalten und zumindest den Schein von Gelassenheit zu wahren.

„Bleibt Ihnen denn etwas anders übrig? Sehen Sie mich an. Wonach sieht das aus, was Sie sehen? Es gibt nur wenige sterbliche Wesen, die je einen Draco zu Gesicht bekommen haben, erachten Sie es daher als Ehre. Eine noch größere Ehre sollte es Ihnen sein, das ich gekommen bin, um Sie und die Ihren zu schützten. In naher Zukunft wird das Schicksal der Lebenden in den Händen weniger liegen. Sie müssen dazugehören, sonst werden wir scheitern.“

„Wovon reden Sie die ganze Zeit?“ fragte Scully, die langsam ihre Stimme und einen Teil ihrer Zuversicht wiedergewann. Ihre Stimme klag schrill und fremd, sogar in ihren eigenen Ohren. Das was eben geschehen war, konnte sie nicht fassen, aber sie musste sich auf das konzentrieren, was nun geschah. Sie stellte sich neben Mulder, der sich, fand sie, erstaunlich gut unter Kontrolle hatte.

„Sie haben doch gesehen, wer hier eben angegriffen hat. Reicht das nicht als Beweis? Wir haben die selben Feinde, jeder für sich wird sie nicht besiegen können. Wenn Sie versuchen mir zu vertrauen, werde ich Sie an einen vorläufig sicheren Ort bringen können und versuchen einige Fragen zu klären.“

„Sie wissen, das wir Ihnen nicht vertrauen können?“

„Natürlich. Ich kann es verstehen.“ Die Fremde gab ein kurzes Lachen von sich, das fast wie ein Bellen klang Aber Sie sehen die Notwendigkeit ein, hier zu verschwinden?“

„Ja,“ gestand Mulder schließlich ein.

„Aber Sie wissen nicht wohin?“

„Das stimmt,“ knurrte er verbittert.

„Und warum kommen Sie dann nicht mit mir? Schlimmer kann es doch eigentlich nicht mehr werden. Ihr Leben ist hier in Gefahr, ergreifen Sie doch wenigstens die Chance, die Ihnen geboten wird.“

Obwohl ihm sein Verstand gebot, Vorsicht walten zu lassen, begannen seine Instinkte wieder ihr Eigenleben zu führen. Sein Leben hatte ihn gelehrt, seinem sechsten Sinn gelegentlich mehr Vertrauen zu schenken, als seinem Verstand und sein Sohn hatte es ihm bereits vorgemacht, indem er die Fremde instinktiv nicht als Bedrohung angesehen hatte. Er traf eine, selbst für seine Verhältnisse ausgesprochen irrationale und impulsive Entscheidung.

„Ich vertraue Ihnen nicht, aber ich werde die uns gebotene Chance nutzen.“

„Mulder...!“

Scully blickte ihn verunsichert an. Sie war sich nicht sicher, ob dem das er eben gesagt hatte, aber dann erkannte sie, dass er es durchaus ernst gemeint hatte. Sie konnte es ihm ansehen, genauso wie das gewisse Glitzern in seinen Augen, das sonst immer für seine Suche vorbehalten war. Und was sie wusste war auch, das ihn in dieser Situation rationale Argumente nicht beeindrucken konnten und das sie ihm folgen würde, wie sie es schon acht Jahre tat. Schließlich gab sie sich einen Ruck. Sie wusste nicht, was sie sonst tun konnte. Die Ereignisse der letzten Monate hatten das Gleichgewicht der Dinge entscheidend verändert, die Geschehnisse der letzten fünf Minuten noch deutlich mehr. Es gab keine Sicherheit mehr für William und sie selbst. Keine Sicherheit mehr für die Menschen.

„Dann ist es beschlossen. Ein Schritt in die richtige Richtung wurde getan, Sie werden es nicht bereuen.“

Die Draco neigte kurz ihren Kopf.

„Das hoffe ich ... Aber erklären Sie uns nun, *Was* Sie sind!“ forderte Mulder sofort.

„Das ist eine zu lange Geschichte, um sie jetzt zu diesem Zeitpunkt zu berichten, aber als was würden Sie mich denn bezeichnen?“ Mulder zuckte bloß mit den Schultern.

„Nichts, dass in Brehms Tierleben verzeichnet ist.“

„Vor zwei Jahren war ich bloß ein Mensch wie Sie.“

Sie zögerte, um ihren Gesprächspartnern die Möglichkeit zu geben, entsprechende Fakten zu verdauen.

„Jetzt bin ich... ein Wissenschaftler, ein Krieger und... ich glaube auch das bin ich... ein sehr guter Killer. Meine biologische Definition ist nebensächlich.“

Sie lächelte ohne Ironie und mit einem gewissen Schmerz in den Zügen, als sie die letzten Worte aussprach stellte Scully fest.

„Aber lassen Sie uns nun gehen.“

Mulder fragte sich in was er da hereingeraten war, als sich das fremde Wesen in Richtung Flur wandte. Er war schon diversen Ungeheuern begegnet, hatte schon manche erschossen und auch mit einigen gesprochen. Aber keins von ihnen war so gewesen wie die Draco. Klug, entschlossen, gnadenlos im Kampf, furchtlos genug um sich den Menschen zu offenbaren und sie hatte einen Namen. Ein Metamorph.

Zu diesem Zeitpunkt schien sich - Sijar - ebenfalls auf ihr äußeres Erschienungsbild zu besinnen.

Sie ballte die Klauenhände zu Fäusten und schien sich dann auf etwas zu konzentrieren.

Ein bläuliches Glimmen erfasste ihren Körper.

Mulder hatte es bereits einmal bemerkt.

Es wurde heller, hüllte schließlich den ganzen Körper ein, dann ebbte es wieder ab. Lord Sijar war nun kein Monster mehr, sondern nur noch ein großer, sehr gut trainierter Mensch. Ihr Cape reichte wieder bis zu den Füßen. Sie hüllte sich darin ein.

„Kommen Sie.“

Das Wesen - der Draco - Mensch - was auch immer - öffnete die Tür, wartete dann und sah fragend zurück.

Mulder gab sich einen Ruck ebenso Scully, die William in eine Decke gewickelt hatte. Sie wollte raus aus der Zerstörung hinter ihr.



In ein paar Stunden würde ihre Nachbarin die Tür offen finden, hineingehen und mutmaßen was geschehen war. Dann würde sie Scullys Kollegen vom FBI, wahrscheinlich Doggett und Skinner, herrufen. Skinner würde innerhalb von fünf Sekunden die, von seinem Standpunkt aus, richtigen Schlussfolgen ziehen und bei Mulder anrufen. Er würde auch ihn nicht antreffen. Und dann würde die Suche beginnen. Wieder einmal.

Es schmerzte sie, ihre beiden Kollegen und Vertrauten im Dunklen zu lassen, aber was würden sie tun können, was Mulder und sie selbst nicht konnten?

„Was glaubst du, werden Skinner und Doggett machen, wenn wir einfach so verschwinden?“ fragte sie Mulder.

„Ich weiß es nicht, aber ich hoffe, dass sie nicht die falschen Schlüsse ziehen.“

„Ich befürchte etwas derartiges“ erwiderte Scully nachdenklich.

„Machen Sie sich keine Gedanken um Ihre Kollegen“, mischte sich Sijar ein.

„Warum?“ Scullys Frage war scharf und sie unterdrückte die Erbostheit darüber, dass die Fremde keine Scheu hatte alle Gespräche zu verfolgen.

„Ich bin, wie ich schon sagte, nur eines von vier Wesen meiner Art. Zur Zeit sind die anderen Drei dabei, auch ihre Mitstreiter und Freunde aufzusuchen und um deren Hilfe zu bitten. Wir werden auch sie benötigen.“

„Benötigen wofür?“ fragte Scully

„Um zu verhindern, dass so etwas eben erneut geschieht, um zu verhindern dass SIE eine Chance bekommen, auf dieser Welt heimisch zu werden. Ich denke, Sie wissen genau wovon ich rede.“

„Wozu brauchen Sie unsere Hilfe, und warum sind gerade wir diejenigen, die Sie fragen? bohrte Mulder weiter.

„Weil Sie zu den wenigen gehören, die bereit sind die Wahrheit zu akzeptieren, weil Sie selbst zu einem Teil dieser Wahrheit geworden sind, weil Ihr Sohn der erste Mensch ist, der immun gegen IHR Virus ist...“

„Wie bitte?“ Die Erwähnung Williams, verdoppelte Scullys Aufmerksamkeit.

„...Weil es außer Ihnen nur etwa fünfzig Menschen gibt, die aufgrund ihres Wissens in der Lage wären uns zu helfen. Etwa die Hälfte von ihnen ist in zwischen tot. Von den eigenen Leuten umgebracht, so wie Ihr Vater, Mulder, oder von IHNEN. Ist es in Ordnung, wenn Sie Mulder nenne, Fuchs?

Ihr Geburtsname Fox beschreibt Sie sehr gut. Der Fuchs ist ihr Symboltier, das sehe ich ihnen an. Seien Sie stolz darauf. Die wenigsten Eltern erkennen, was ihr Kind einmal sein wird.“

„Nein, es ist schon in Ordnung wenn Sie mich Mulder nennen,“ beantwortete er die Frage und grübelte über das soeben gesagte nach. Woher wusste die Fremde, das er seinem Vornamen mit gemischten Gefühlen gegenüberstand?

Die Fremde schien es nicht für notwendig zu halten weitere Details über sich preiszugeben und Scully fragte sich, ob sie nicht einmal mehr einer großen Lüge aufsaßen.

Sie standen nun vor der Haustür. Die Draco blickte wachsam umher, nach Unregelmäßigkeiten suchend.

Mulder fühlte sich ein wenig an seine früheren Informanten erinnert, die wie die Draco misstrauisch das Licht und jegliche Art von Trubel mieden. Vielleicht war sie deswegen Nachts erschienen.

Ein wenig abseits der nächsten Straßenlaterne stand ein großer, blau-metallic lackierter, Pick-Up, mit abgedunkelten Fensterscheiben in denen sich die Sichel des abnehmenden Mondes spiegelte. Mulder hob den Blick zum klaren Himmel bevor er fragte:

„Sie wollen uns hier wegbringen... Wohin?“

„An die Küste,“ meinte das Wesen bloß, bevor es ebenfalls zum Mond aufsah.

„Ich habe Ihnen versprochen, Sie in Sicherheit zu bringen und genau das werde ich tun.“ Mulder schnaubte ungläubig.

„Es gibt keine Sicherheit.“

„Gedulden Sie sich.“ Letzten Endes schien alles darauf hinauszulaufen. Er kam zu dem Schluss, das es keinen Sinn machte weiter über die Situation nachzugrübeln. Den Grund um seinen umherhuschenden Gedanken das Maul zu verbieten hatte er inzwischen gefunden. Kleine Kinder logen nicht, aber ebenso wenig ließen sie sich belügen.

Die Draco ließ sich seufzend hinters Lenkrad sinken. Dann betätigte sie ein paar Knöpfe. Das Lenkrad verschwand in einer Vertiefung, um einem futuristisch anmutenden Kontrolldisplay Platz zu machen.

Mulder betrachtete den Vorgang neugierig.

Einige der berührungsempfindlichen Schaltflächen betätigend wandte sich die Draco an ein verborgenes Computersystem.

„Computer, Positionsbestimmung und Routenermittlung einleiten!“

„Stimmerkennung positiv, Auftrag wird bearbeitet.“ Zwei Sekunden Stille.

„Position wurde festgestellt, Routingdaten sind ermittelt.“ Der Rechner funktionierte auf Zuruf. Die Rätsel wurden immer umfassender, sie weckten Mulders angeborene Neugier und den Jagdinstinkt, den Dingen auf den Grund gehen zu müssen.

Er bemühte sich, die spärlichen Fakten, die ihm bis jetzt zur Verfügung standen, in ein Gesamtbild einzufügen.

Zuerst einmal, war da das überraschende Auftauchen einer Kreatur, halb Mensch, halb Monster, die sie ohne zu zögern gegen einen scheinbar überlegenen Gegner verteidigt, alle Angreifer getötet und schließlich ihre Hilfe angeboten hatte.

Die anscheinend mehr über die Wahrheit wusste als er, die auf die beste zur Verfügung stehende Elektrotechnologie zugreifen konnte und trotzdem zwei eigentlich unbedeutende FBI Agenten und deren Kind um Hilfe bat. Es war verwirrend, aber Mulder war sich sicher, dass er die Antworten früher oder später finden würde. Es entsprach nicht seinem Wesen, so bedingungslos zu vertrauen, aber sein Instinkt riet ihm in diesem Fall, der Draco zu folgen, seine Zweifel hinten anzustellen. Sollte bloß ein Wort von dem Ausbruch des Krieges wahr sein, würden sie alle Hilfe brauchen.

Inzwischen hatte Lord Sijar ihrem Truck mit einem verbalen Befehl gestartet und das Auto suchte sich wie von Geisterhand, seinen Weg durch den spärlichen Nachtverkehr.



~xXx~



OREGON, 21. 45 UHR



Urlaub mit alten Freunden.

Eine schöne Idee, nach all dem Chaos in ihrem Leben, nach all den Kämpfen der letzten Wochen. Es änderte nichts daran, sie fühlte sich unwohl, schon den ganzen Tag.

Vier Wochen Wildnis pur, weitab vom FBI und ihren Kollegen lagen vor ihr. Genau eine Wochen war es her, dass sie ihrem alten Bekannten Doggett wiederbegegnet und Hals über Kopf in ein filmreifes Abenteuer geraten war. Niemand, so dachte sie, konnte ihr daher verdenken, wenn sie daraufhin drei Tage später spontan das Angebot einer alten Schulfreundin annahm, sie auf eine Treckingtour mitzunehmen.

Ein Trugschluss, denn sie verspürte zur Zeit alles mögliche, aber keinen Frieden und keine Freude. Die Ereignisse der letzten Tage waren noch zu präsent und die ungeklärten Fragen ließen sie auch am Abend nicht los. Der Himmel war in die bläuliche Farbe des Zwielichts getaucht, das letzte Licht des verblassenden Tages und Reyes fühlte die Parallelen dazu in ihrem Herzen. Die Sonne der Harmonie war vor einem Monat versunken und die letzten Strahlen einer guten Welt schienen den Himmel über der Welt bloß noch schwach zu erleuchten um schließlich wie alles andere zu verblassen. Zugegebenermaßen war es keine *gute* Welt gewesen, wenngleich von einer gewissen Ordnung geprägt, aber die Welt die sich Monica in den letzen Tagen offenbart hatte, besaß nicht einmal mehr diese Ordnung. Sie fürchtete sich vor dem Sonnenaufgang der Weltzeit die bevorstand, würden sich Dana Scullys und Fox Mulders Prophezeiungen bestätigen.

Frieden war nie Teil ihres Lebens gewesen, aber sie wünschte sich zumindest Ruhe. Aber Ruhe wollte ihr ihre Seele nicht gewähren. Ihre Gedanken waren wie ein ständig umherhuschendes Kätzchen, dass sich nach einem ruhigen Herzen sehnte, dass ihm den Frieden bringen würde.

Monica wünschte sich, sie hätte dem Vorschlag nicht zugestimmt. Dann würde sie zu dieser Zeit in Washington in ihrem Bett liegen, oder bei William sein, oder mit John reden. Er gehörte wie auch Scully zu den Menschen, die diesen ungeheuren Frieden mit der Welt ausstrahlten, auch wenn die Welt ihnen gegenüber nie friedlich gewesen war. Vielleicht hätte sie John bitten sollen mit ihr zu kommen. Mit ihren alten Freunden konnte sie nicht über das geschehene Reden. Das war eine Sache, die nur von denen verstanden werden konnten, die ihrer Teil waren. Ihr Leben bot wenig Ereignisse, die sich für Small Talk eigneten.



~xXx~



WASHINGTON



Ich glaube jetzt habe ich Zeit Ihre Fragen zu beantworten“ begann die Draco ernst , nachdem sie es sich in ihrem Sitz bequem gemacht hatte.

„Tun Sie mir einen Gefallen und beginnen Sie mit dem *Wer* und *Was* Sie sind?“ bat Scully. Sie war vorerst nur neugierig und wollte ihre Retterin nun auf Glaubwürdigkeit prüfen. Zuerst ging es darum, die Herkunft der Fremden zu ermitteln. Ihre Position erlaubte es nicht, unangemessene Fragen zu stellen, trotzdem gelang es ihr nicht, den ungeduldigen wenn nicht aggressiven Tonfall aus ihrer Stimme zu bannen.

„Warum nicht?

Zuerst, sollten Sie wissen, dass ich noch vor zwei Jahren ein ganz normaler Mensch war, aber das hatte ich wohl schon gesagt.

Ich bin im rein wissenschaftlichen Sinne wohl am ehesten als genetische Mutation zu bezeichnen. Sehen Sie, die DNA eines gewöhnlichen Homo Sapiens - sprich Menschen - ist in Gensequenzen aufgeteilt die im üblichen Buchstabencode tausende von Seiten füllt. Aber nur ein Bruchteil dieser DNA ist in die biologischen Funktionen eines Menschen eingebunden. Das restliche genetische Material ist ein Erbe der Evolution. In diesen inaktiven Genen liegen aber die Codierungen, die zum Beispiel für die Bildung von Flügeln oder Krallen notwendig sind. Ich bin in der Lage, per neurochemischem Befehl aus dem Gehirn, diese inaktiven Gene zu aktivieren und mit ihrer Hilfe mein Äußeres selbst zu gestalten - bis zu einem gewissen Maße natürlich. Es ist ein nützliches Werkzeug, um meine Aufgaben auszuführen. Das was Sie eben sahen, ist bloß eines von vielen Gesichtern, welches bei rein physischen Auseinandersetzungen doch mit Abstand das nützlichste ist. Ist das eine Antwort, mit der Sie vorläufig leben können?“

Die medizinischen Tatsachen über die Verwandlungsmöglichkeit der Fremden schienen für Scully als Ärztin plausibel oder doch zumindest nicht ausgeschlossen.

„Ein interessanter biologischer Prozess, ich hätte nicht angenommen, das derartige Kontrolle über die DNA möglich ist“ kommentierte sie rasch.

„Eine weitere Frage. Wieso funktioniert der Prozess der Metamorphose so schnell, Zellteilung nimmt für gewöhnlich wesentlich Zeit in Anspruch?“

„Es genau zu erklären dürfte mehr oder weniger unmöglich sein. Dazu sei gesagt: Es fließt mehr als Menschenblut durch meine Adern. Die Komponente, die mir die Möglichkeit der rapiden Zellteilung ermöglicht, stammt von jemandem, dessen Identität preiszugeben, ein Sakrileg und Vertrauensbruch gegenüber denen, denen ich verpflichtet bin, wäre. Ich bin nicht in der Position über diese Wahrheit zu Entscheiden. Es tut mir Leid.“

Scully schwieg. Wann immer die Fragen aufs wesentliche abzielten und sich dem Kern der Sache näherten, erhielten sie keine Antworten mehr.

„Gestatten Sie mir noch eine Frage?“ fragte Mulder nach einer Weile des Schweigens.

„Natürlich!“

„Können Sie mit ihren Flügeln wirklich fliegen?“ Schon allein diese Fähigkeit barg große Macht in sich.

„Ja klar“ antwortete die Draco flapsig, was im krassen Gegensatz zu ihrem sonst so archaischen Ausdruck stand..

Mulder schwieg erstaunt. Dann begann er einen weitern Versuch ins Gespräch zu kommen. Es erschien ihm mehr als unangemessen, Forderungen zu stellen. Eine ungewohnte Situation für ihn, ohne auf seine Autorität als Bundespolizist hinweisen zu können, doch seine Dienstmarke hatte er abgegeben, von der kleinen Unstimmigkeit abgesehen, dass sie sich sowieso der völligen Gnade des Drachenwesens unterworfen hatten. Vorläufig war er auf die Fakten angewiesen, die die Draco freiwillig preisgab.

„Sie haben uns um Hilfe gebeten, aber was darf ich konkret darunter verstehen? Sie haben eben *uns* gerettet und nicht wir Sie“

„Ich glaube, Sie beide unterschätzen ihre Rolle im Lauf der Dinge,“ meinte das Wesen neben ihm ruhig und schüttelte andeutungsweise den Kopf.

„Es gab nur wenige Individuen, die in der Lage waren, das komplexe Geschehen zu verstehen und die dunkle Zukunft die uns allen droht zu bekämpfen.

Überdies sind Sie beide bereits einmal Opfer von IHNEN geworden und haben überlebt. Ihrem Sohn damit die Immunität gegen DEREN Seuche gegeben. Diese Konstellation ist so, bisher einmalig auf dieser Welt.“ Die Draco musterte Scully und Mulder genau und hob schließlich eine Augenbraue, bevor sie fortfuhr:

„Außerdem kennen Sie die Menschen besser als jeder einzelne meiner Spezies. Ich bin jünger als Sie, sehr viel jünger und das Weilen der meinen unter den Menschen ist kurz..“

„Ich beginne zu verstehen“ erwiderte Mulder, obwohl er sich sicher war, das man seine Aussage als Lüge enttarnen konnte.

Einige der Details passten ins Bild, das er sich im Laufe seiner Tätigkeit beim FBI gemacht hatte. Die Draco wusste über DEREN Pläne bescheid, die Erde zu unterwerfen, kannte möglicherweise sogar weitere Tatsachen, woher auch immer. Außerdem war sie über seine eigene Entführung vor einem Jahr informiert und wohl auch darüber was Scully in der Antarktis passiert war. Irgendjemand beobachtete ihn schon lange, lange genug um zu wissen, das William offenbar ein besonderes Kind war. Informiert über Dinge, von denen er selbst keine Ahnung hatte und er wagte es nicht zu mutmaßen ob es gut oder schlecht war.

„Ich hoffe es“.



~xXx~



BODENKONTROLLZENTRUM DES HUBBLE SPACE TELESKOPS



Professor McRaff saß in Begleitung einer inzwischen kalt gewordenen Tasse Kaffe, an seinem Schreibtisch vorm Computer. Während der Nachtschicht war selten etwas los, seine Aufgabe war es die Datenflut die ihnen das Hubble aus der Umlaufbahn übersandte zu kontrollieren und sie auf Fehler zu überprüfen. Zur Zeit hatte irgend ein hohes Tier der Astrophysik Beobachtungszeit zugeteilt bekommen, das Hubble war auf NGC 6537Ä ausgerichtet, einen Planetarischen Nebel indessen Mitte ein Weißer Zwergstern beobachtet werden sollte.

McRaff gähnte, die Überwachung einer Aufnahme war so ziemlich das langweiligste an seinem Job, aber da er seinem Kollegen Dr. Stevens - ja ja Herbert, auch du wirst älter - die Geburtstagsparty gönnte, nahm er heute Nacht diese Verpflichtung wahr.

Plötzlich strahlte der Bildschirm hell auf, als ob die Optik des Hubble von einem extrem hellen Lichtblitz getroffen worden sei. McRaff wusste jedoch das derartiges so gut wie unmöglich war, da in Richtung NGC 6537 keine weiteren helleren Sterne oder sonstigen Himmelsobjekte lagen, die derartige Lichter verursachen konnten. Hoffentlich war die Bobachtungssoftware nicht beschädigt worden. Das Computersystem war besonders empfindlich und zu helles Licht konnte die Systeme überlasten.

Innerhalb von wenigen Sekunden, hatte er auf Bildwiederholung umgeschaltet und die Helligkeit drastisch reduziert. Das Bild das sich ihm bot, konnte er sich nicht erklären. Er griff zum Telefon und wählte die Nummer seines Vorgesetzten...



~xXx~



60 KM SÜDLICH VON ANNAPOLIS 03.50. UHR



Mulder gähnte leise und tadelte sich zwei Sekunden später schon wieder dafür. Er musst auf jeden Fall wach bleiben. um nichts zu verpassen.

Scully und Will hingegen schliefen. Er gönnte ihnen diese Entspannung, doch gleichzeitig brachte es für ihn eine noch größere Verantwortung mit sich.

Ihre Route hatte sie inzwischen aus Washington DC herausgeführt. Sie befuhren nun eine nur mäßig befestige Küstenstraße an den Ausläufern der Cheasapeakebay.

Das Gebiet war eigentlich gut erschlossen, aber die Strecke, die der Bordcomputer ausgewählt hatte, führte durchs Nirgendwo. Die zerklüftete Küste auf der einen Seite und dichter Wald auf der anderen versperrten immer wieder den Blick auf die Lichter von Baltimore. Schließlich erreichen sie die Ausläufer einer kleinen Bucht, die unberührt von Menschenhand erschien. Einige Felsen schirmten die Lagune gegen den Einfluss des Wassers von Außerhalb ab, ebenso wie die Blicke eventuell neugieriger Schiffsführer. Auch von der Landseite war das Gebiet kaum einzusehen. Die Küste fiel steil bis ins Wasser ab, doch die Küstenlinie lag zur Zeit kaum zwanzig Zentimeter höher als der Wasserspiegel. Der Pick-Up blieb stehen.

Die Draco setzte sich auf, und berührte erneut einige Tasten das Interfaces. Dann richtete sie sich an den Bordcomputer.

„Computer, stelle Verbindung mit dem Zentralrechner der Midgard her.“

„Verbindung komplett“ berichtete der Rechner sofort.

„Nimm Zugriff auf das Navigationssystem.“

„Zugriff möglich“

„Sicherheitssystem abschalten!“

Annäherungssensoren sind offline“ bestätigte der Computer sofort.

Sie gab einige Befehle in die Tastatur ein.

Mulder fragte sich entgeistert, was mit dieser Aktion bezweckt war. Dieses Nirgendwo mochte ja nur wenigen Menschen bekannt sein, aber DIE würden sie hier trotzdem finden. So wie Billy Miles schließlich auch Scully gefunden hatte. Er hoffte inständig, das ihn sein Instinkt nicht getrogen hatte.

Seine Selbstgeißelung wurde abrupt unterbrochen, als er eine Bewegung im Wasser zu seiner linken ausmachte.

„Sieh, Scully,“ flüsterte er aus einem Impuls heraus, gerade laut genug um Dana zu wecken.

Es war zwar noch Nacht, aber am östlichen Horizont wurde es langsam hell. Der Vorteil der *weißen* Nächte des Sommers. Es erlaubte einen besseren Überblick über die Gegend.

Etwas Großes - sehr Großes - durchbrach die Wasseroberfläche und versetzte das Meer in Bewegung. Es hätte von oben gesehen etwa die Gestalt eines stumpfwinkligen Dreiecks gehabt und war relativ flach. Kurze, schmale, flossenartige Erhebungen kennzeichneten das Heck. Es wirkte fließend, fast organisch, wie aus einem Stück gefertigt. Weich konturierte Schwingen schmiegten sich dicht an den Rumpf. Es erinnerte ein wenig an einen B-52 Bomber, hatte aber gut einhundert Meter Länge und die anderthalbfache Breite.

Das Gefährt, was immer es auch war, glitt mit anmutiger Bewegung auf die Küste zu. Langsam wendete es dem Auto die Breitseite zu. Es blieb stehen, trieb langsam ans Ufer und stieß schließlich sanft mit einer Tragfläche gegen den Felsen. In der dunkelgrauen Bordwand öffnete sich ein Schott.

Ein Raumschiff, weit über dem technischen und industriellen Niveau der menschlichen Zivilisation erkannte Mulder, es gab nichts vergleichbares von Menschenhand geschaffenes.

„Was ist das?“ fragte er schließlich die offensichtliche Herrin des großen grauen Schatten.

„Wonach sieht es den aus?“ gab die Draco stolz zurück. Mulder schwieg. Seine Vermutung erschien ihm plötzlich kindisch und naiv

„Na ja, ich denke Sie würden es als Raumschiff bezeichnen.“

„Wirklich? Sein Enthusiasmus war echt, ein kleines Stückchen Fox Mulders Seele, der von den ewigen Kämpfen verschont geblieben war, der selbe Teil seines Herzens, der ihn die Folgen von Raumpatrouille Orion genießen ließ.

Scully wusste, das er in seinem Element war.

„So real und Teil der Wahrheit, wie der Boden unter ihren Füßen und der Himmel über Ihrem Kopf. In der Tat, es ist ein Raumschiff. Es wurde konstruiert, um Spionageaufträge auszuführen. Dazu ist es mit einem sehr effektiven Tarnsystem ausgestattet. DIE können es nicht auffinden. Verstehen Sie jetzt, warum ich Sie gerade hier her gebracht habe? Außerdem besitzt die Midgard ein relativ großes offensives Potential, für den Verteidigungsfall.“

Mulder konnte seine Aufregung nur schlecht verbergen, sah immer wieder zu der Silhouette des Schiffs herüber. Nun würde er freiwillig und ganz bewusst ein Stück außerirdische Technologie betreten. Den handfesten Beweis vor Augen haben und diese Erfahrung mit Scully teilen. Dieses UFO war kein Spuk, kein Trugbild und auch kein Feind. Es haftete ihm nicht diese unbestimmbare Aura der Unglaubwürdigkeit an, es war einfach da, in jeder Hinsicht erfahrbar.

Lord Sijar lenkte ihren Wagen über die Felsenkante auf die dunkelgraue Tragfläche und fuhr über deren leicht geneigte Oberfläche zum offenen Schott. Als sie es durchquert hatten, schloss es sich leise.



Scully sah sich bewundernd um. Sie war schon öfter auf großen Schiffen gewesen, immerhin war ihr Bruder Bill ein Naivy Captain, aber die kühne Konstruktion der Midgard hatte so ziemlich keine Ähnlichkeit der eines *normalen* Schiffs. Der Anblick von schimmerndem Metall in Form von filigranen Trägerkonstruktionen dominierte. Dabei wirkte es nicht kalt und abweisend sondern offenbarte eine leichte, effiziente Eleganz. Es war nicht so sonderbar kahl und unbegreiflich, wie IHRE Technologie, sondern eben nur ein Schiff das man anfassen und begreifen konnte.

Nach acht Jahren des Leugnens und sich Weigerns, die Tatsache zu akzeptieren das es außerirdisches Leben, Raumschiffe und Mutanten gab, befand sie sich nun im inneren eines UFOs. Obwohl sie im letzten Jahr offener geworden war für extreme Möglichkeiten, hätte sie nie gedacht sich je in einer solchen Situation zu finden.

Vielleicht sollte sie das Schiff nicht als UFO bezeichnen. Sie kannte ja sogar den Namen.

Midgard war der Name des Weltenstroms und des gleichnamigen Ungeheuers, das ihn bewohnte. Beide Symbole beziehungsweise Wesen wurden in der Edda, der größten Sammlung nordischer Legenden erwähnt. Sie musste lächeln, als sie sich erinnerte, das das zugehörige Bildsymbol eine sich selbst in den Schwanz beißende Schlange war, das Zeichen, das ihren eigenen Rücken zierte. Ein stolzer Name.



Sie befanden sich in einer kleinen gut beleuchteten Halle. In mehreren Boxen standen ein weiterer Pick-Up Truck, der jedoch metallic-rot lackiert war, und drei ziemlich große Motorräder unbekannten Fabrikats, deren Maschinenleistung wahrscheinlich weit über einhundert PS betrug. Eins war so blau wie der Pick-Up in dem sie saßen, ein weiteres metallic-grün und das letzte silbern.



Die Besitzer kümmerten sich gut um ihre Maschinen, stellte Mulder fest. Sie waren allesamt glänzend gewienert, und jedes Fitzelchen Chrom blitze in der künstlichen Beleuchtung.

Sämtliche Fahrzeuge waren mit Klemmen am Boden fixiert, um bei heftigeren Bewegungen des Schiffs ein verrutschen zu verhindern.

Ihre Gastgeberin parkte den Truck in einer leeren Parkbox, als sie eine Markierung auf dem Boden überfuhr und dann den Motor ausschaltete, rasteten vier Befestigungsklemmen in die Felgen ein.

„Zuhause ist es am schönsten. Wir sind die Ersten die zurückkehren. Ich hatte damit gerechnet, der letzte zu sein. Aber kommen Sie nun.“ Sie öffnete die Fahrertür, dann die für Scully, um es ihr mit William leichter zu machen, der schon die ganze Zeit fest schlief.

Scully war dankbar darüber, das wenigstens er Ruhe und Frieden in unruhigen Zeiten fand. Mulder streckte sich ein wenig, als er das Auto verließ. Sein Unbehagen hatte sich weitestgehend aufgelöst.

„Wie geht’s Dir?“ Scully fragte er leise

„Ich kann immer noch nicht ganz verstehen, was hier vorgeht. Und es stellt sich vor allen Dingen die Frage ob wir hier wirklich sicher sind.“

„Tja, ich neige dazu es zu glauben. Dieses Wesen hat sicherlich recht. du hast das Schiff von außen gesehen. Wenn es sich nicht so gut verstecken könnte wie sie behauptet, dann wäre das Militär mit Sicherheit hier. Abgesehen von unseren grauen Freunden.“

„Vielleicht, aber wir dürfen Skinner und Doggett nicht vergessen. Sie sind Kersh die Rechenschaft über unser Verschwinden schuldig. Wir können hier nicht ewig bleiben.“

„Davon war nicht die Rede. Wenn ich mich recht erinnere, meinte sie, dass wir hier vorläufig in Sicherheit wären und sie hat gesagt, dass sie sich um Skinner und Doggett kümmern würde.“

„Warum bist du dir so sicher, das sie die Wahrheit sagt? Worte ohne Beweise, jedes einzelne könnte eine Lüge sein“ gab Scully zu bedenken

„Keine Ahnung, ich hab einfach ein gutes Gefühl und William auch,“ antwortete er vorsichtig in dem Bewusstsein, dass alle bisherigen Behauptungen auf einem wackligen Fundament aus vagen Vermutungen standen.

„Sie hat recht. DIE sind hinter uns her. Wir können jeden Schutz gebrauchen, den wir bekommen können. Wenn schon nicht für uns, dann wenigstens für Will.“

„Mag sein“ meinte sie schließlich.

„Aber ich frage mich nach den Motiven dieser uneigennützigen Tat.“



~xXx~



IRGENDWO IM PENTAGON



Alle Personen, die in dem großen Hörsaal zusammensaßen, kannten sich nicht mit Namen, bloß die Codes, die jeder einzelne angenommen hatte, waren auf den kleinen Namensschildchen zu lesen. Den Namen eines Menschen zu kennen, bedeutete Macht über ihn zu haben, und keiner der Anwesenden gab gern etwas von seiner Macht ab.

Zur Zeit betrachteten die Menschen schweigend eine Projektion eines Fotos an der Wand. Es zeigte ein helles Objekt auf schwarzem Hintergrund. Offenbar wusste jeder das Foto zu deuten.

Ein älterer, dunkelhaariger Mann begann zu sprechen:

„Meine Herren, dieses Bild wurde uns vor zwei Stunden von einem Informanten zugespielt, die Aufnahme stammt vom Hubble Space Telescope und ist erst drei Stunden alt. Ich denke Sie verstehen unsere sofortige Initiative.“

Es wurde nicht viel gesprochen, doch zu dem einhelligen Nicken gesellte sich auch leises zustimmendes Murmeln. Der Wortführer nickte einem weitern, ebenfalls nicht mehr ganz jungen Mann zu, der sich bedächtig durch das schlohweiße Haar fuhr und dann ebenfalls das Bild kommentierte.

„Ich wünsche, das Sie unverzüglich ihre Mitarbeiter informieren und das Projekt beginnen. Unsere Abteilung in Tunis ist bereits Informiert und dabei die notwendigen Sofortmaßnahmen anzufahren. Der Verlust so vieler fähiger Projektleiter vor drei Jahren ist noch lange nicht ausglichen, aber wir hoffen, dass sich die neuen Gruppenführer bewähren.

Der Codename des Unternehmens ist „Thors Hammer“ Weitere Informationen entnehmen Sie bitte den üblichen Kanälen, es wird bis zum Beginn der zweiten Phase keine weitern Treffen dieser Art mehr geben.“

Einige Personen taten murmelnd ihren Unwillen kund.

„Gibt es ein Problem meine Herren?“ fragte der Weißhaarige.

„Wenn Sie Zweifel unseren Mitarbeitern in Tunis haben, halte ich es für angebracht, das Sie das Projekt sofort verlassen! Aber Sie wissen doch alle was das bedeutet, nicht wahr meine Herren?“ Das eisige Funkeln in den hellgrünen Augen des Alten, ließen keinen Zweifel an seinen Absichten.

„Aber wir haben kaum Zeit uns vorzubereiten,“ begann ein kleiner, rundlicher Mann dessen Stirn feucht glänzte.

„Haben Sie ein Problem damit unter Zeitdruck zu arbeiten? DIE warten schon lange auf ihre Chance“ blaffte ihn einer seiner Kollegen an, der anscheinend dem Militär angehörte.

„Nein Sir,“ erwiderte der Kleine.

„Dann ist ja alles geklärt,“ meinte der Mann mit dem weißen Haar und wendete sich schließlich mit erhabener Geste zur Tür.

Die Sitzung war beendet.

Fünf Minuten später war der Raum leer, nichts zeugte mehr von dem geheimen Treffen. Die Vorbereitungen der Apokalypse liefen im Verborgenen an.



~xXx~



TUNESIEN, 50 KM SÜDLICH VON TUNIS



Die großen, weißen Traglufthallen reflektierten das Sonnenlicht, waren weithin im endlosen Sandmeer sichtbar. Noch viel auffälliger waren aber die grünen leuchtenden Maisfelder, die in der heißen Sonne gediehen.

Aber bis hier drang kein Tourist allein in die Wüste vor, bis zu dieser vermeintlichen Oase, führte keine Ausflugsroute.

Satellitenbilder der Gegend gab es nur wenige und auch diese waren nur ausgewählten Personenkreisen zugänglich. Und falls sich doch einmal ein Unwissender hierher verirrte... Er würde das Gesehene niemandem mehr berichten können.

Aber für die, die wussten wonach es zu suchen galt, war auch das beste Versteck kein wirkliches Hindernis.

Ein großer silberner Pick-Up pflügte, dank Allradantrieb weitestgehend mühelos, über riesige Dünen aus feinem Quarzsand. Sein Ziel fest anvisiert.

Lord Scuwa bremste ihr Gefährt langsam ab, als ihr Ziel in Sensorenreichweite geriet.

„Akila, che scur thicar!“

Von der Ladefläche erhob sich ein mannsgroßer Adler in die Luft. Kein gewöhnlicher Vogel erreichte seine stattliche Größe und eine Flügelspanne von etwa sechs Metern. Er war etwas besonderes, so wie sie selbst.

Sein dunkelgoldenes Gefieder schimmerte in der gleißenden Sonne, die gewaltigen Schwingen waren silbrig-weiß, so wie der keilförmige Schwanz und die Federn seines Haupt.

Das Tier flog davon, es würde seinen Auftrag gut erfüllen. Sie programmierte den Bordcomputer mit einigen Befehlen und packte dann eine kleine Tasche mit diversem Werkzeug zusammen. Eine ganze Reihe Verfahrensweisen standen zur Auswahl, doch der Weg der geringsten Gewalt sollte zum Erfolg führen.

Sie hängte sich den kleinen Beutel um die Schultern und auf ihrem attraktiven Gesicht machte sich ein listiges Grinsen breit. Ihre grünen Augen funkelten unternehmungslustig.

Dann ballte sie die Hände zu Fäusten und konzentrierte sich... Silbrig-weißes Glühen umgab sie...



Fünf Minuten später segelte ein weiterer, großer, geflügelter Schatten über die Dünenlandschaft, den Traglufthallen und Maisfeldern entgegen.

Ungesehen von den Wachen, die unter ihr patrouillierten.



In einiger Entfernung sah Scuwa, Aklia im Tiefflug durch die Maisfelder fliegen, immer wieder ganze Partien ausreißend und umknickend. Es würde die Wachen beschäftigen.

Sie öffnete die Tür zu einer der Hallen und aktivierte ein kleines Gerät, das an ihrem Gürtel befestigt war. Keine Überwachungskamera im Umkreis von einhundert Metern würde jetzt noch ein Bild erzeugen.

Ventilatoren glichen laut heulend den Luftdruckverlust aus, den sie geschaffen hatte.

Scuwa lächelte. Dieser kleine „Störfaktor“ war ihre eigene Erfindung, und er würde es den anderen verdammt schwer machen, herauszufinden wer ihre Bienen vergiftet hatte.

Das tiefe Summen von Millionen von Insekten echotete in der großen Halle wieder. Der Fußboden aus Metallplanken vibrierte kaum merklich.

Scuwa öffnete ihren Ausrüstungsbeutel und ergriff eine Phiole, die mit rötlichem Pulver gefüllt war. Sie entfernte den Gummistopfen und setzte dem Pulver eine Flüssigkeit aus einer kleinen Flache zu. Fast gleichzeitig begann das Gemisch zu zischen und sich in feinen weißen Nebel aufzulösen, der schell auf den Boden sank und sich dort rasend schnell ausbreitete. Sie träufelte die schäumende Substanz auf die Metallstege zu ihren Füßen, wodurch weiteres Gas entstand.

Scuwa wartete eine Minute lang. Das Summen begann schwächer zu werden.

Dann verließ sie die Halle und wiederholte den Vorgang bei den restlichen Traglufthallen. Es behinderte sie niemand.

Akila zerstörte weiterhin Maisplantagen und die uniformierten Wachen hatten keine Chance ihn loszuwerden.

Scuwa gefiel was sie sah. Bisher waren die Sabotageakte ein Kinderspiel gewesen.

Was es auch sollte, für die Krieger des Masterlords. Ihre Befehle lauteten keinen Menschen zu verletzen. Scuwa genoss Herausforderungen dieser Art.

Dank ihrer langen Krallen, war es ein leichtes an den weichen Seiten der Traglufthallen empor zu klettern um von dort zum Kommandozentrum der Basis zu fliegen. Das Ansaugsystem der Klimaanlage schien der richtige Angriffspunkt zu sein.

Sie dachte für einen kurzen Augenblick über die Schwächen der menschlichen Spezies nach dann sie ihr schüttelte kurzes silbrig weißes Haar.

Nicht alle Dracos bevorzugten extravagante Frisuren.

Davon, das sich ihre Beute tatsächlich in diesem Gebäude befand, war auszugehen. Keine dieser Personen würde sich freiwillig der heißen Wüstensonne aussetzen, die hier vom Himmel brannte und genau diese Bequemlichkeit war ihr Schwachpunkt.

Scuwa lachte leise, als sie das geruchlose Betäubungsgas in das Lüftungssystem einleitete. In fünf, spätestens aber zehn Minuten würden diejenigen, die seit fünfzig Jahren vergeblich die Fäden zogen, dem Tiefschlaf zum Opfer fallen.

Sie wartete zehn Minuten und segelte zu dann zum Boden herab. Der Haupteingang war mit einer doppelten Sicherheitsschleuse verriegelt, aber die Wachen dahinter waren bereits zusammengesunken.

Scuwa, zückte ein kurzes Messer aus funkelndem Metall und ritzte ein großes Rechteck in das Glas. Ein leichter Stoß genügte um das Glasstück heraus zu trennen. Eine Öffnung entstand.

Sie wiederholte die Prozedur bei der zweiten Tür.

Scuwa lächelte.

Ihre Freundin und Befehlshabende in dieser Sache, hätte dieses Problem wahrscheinlich mit roher Gewalt aus dem Weg geräumt, aber sie selbst mochte eine stilvollere Methode des Einbruchs. Schnell orientierte sie sich im Gebäude, und fand ihre Opfer genau da vor, wo sie sie erwartet hatte, alle drei fest schlafend. Es war leichter als sie geglaubt hatte. Sie lag genau in der Zeit.

Vorsichtig und sehr sorgfältig fesselte sie die drei Menschen, brachte sie ins Erdgeschoss, wo sich Erwartungsgemäß nichts rührte.

Dann betätigte sie die Fernbedienung ihres Trucks. Das Funksignal würde den vorher eingegebenen Programmcode aktivieren und das Auto direkt hierher bringen.

Vorsichtshalber wartete sie im Schatten einer Säule in der Eingangshalle. Es war zwar unwahrscheinlich, das die Leute draußen mit Akila fertig geworden waren, aber es bestand natürlich die Möglichkeit, das früher oder später jemand auf die Idee kommen würde, Bericht zu erstatten, womit die Sabotage aufgeflogen wäre..

Kaum fünf Minuten später kam ihr Jeep vorgefahren. Es war alles genau geplant. Das Auto war unbemerkt eingedrungen, als die Soldaten den Wachwechsel vollzogen hatten. Scuwa packte ihre „Opfer“ auf die Rückbank und stieß dann einen schrillen Pfiff aus.

Sie wusste genau, das Akila sie verstehen und ihrem Befehl folgen würde.

Dann nahm sie hinter der Steuerkonsole ihres Wagens platz, dunkelte die Scheiben ab damit man ihre *Gäste* nicht bemerken würde, und klebte auf beide Vordertüren des Trucks ein militärisch anmutendes Symbol. Das es entsprechendes Zeichen nicht wirklich gab, würden die Wachhabenden aufgrund des allgegenwärtigen Staubes nicht bemerken. Sie würden auch gar nicht dazu kommen mit ihr zu diskutieren.

Scuwa gab Gas, kehrte in die Wüste zurück, aus der sie gekommen war und erlaubte sich ein triumphierendes Lachen.

Fünfundzwanzig Kilometer vor Tunis holte Akila sie ein.

Er nahm Platz auf der Ladefläche, als sei dies das selbstverständlichste der Welt für ihn.

Dann bog das seltsame Gespann in Richtung Küste ab...