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Arachnophobia - The Second Edition

von XFilerN

Kapitel 2

Washington DC, J. Edgar Hoover Building

15. April 2000



Er blickte hinauf an die Decke und zwirbelte nachdenklich den Bleistift in seiner rechten Hand zwischen den Fingern umher. Dutzende dieser Stifte hingen von der Bürodecke herab und er spielte mit dem Gedanken auch diesen letzten in seiner Hand dort hinauf zu werfen.

Nach dem Anruf von Agent Willmore, den er schon früh am Morgen bekam, hatte Agent Mulder für sich und seine Partnerin einen Flug nach Nevada gebucht. Zuerst allerdings würde er Agent Scully davon überzeugen müssen die Reise mit anzutreten. Von Fällen wie diesen hielt sie in der Regel nicht allzu viel, doch er hoffte stark, dass der rein wissenschaftliche Aspekt sie neugierig machen würde.

Ungeduldig sah er auf die Uhr, die neben der Tür an der Wand hing und ein kontinuierliches Ticken von sich gab. Seine Partnerin war stets pünktlich und wenn er sie richtig einschätzte, dann würde sie jeden Augenblick das gemeinsame Kellerbüro betreten.



Wie erhofft öffnete sich nur kurz darauf die Tür und Agent Scully kam herein. Der täglichen Routine folgend, stellte sie ihre Tasche ab, zog den Mantel aus und hängte ihn an die Gardarobe.

„Guten Morgen, Mulder", grüßte sie und sah flüchtig zu ihm rüber.

„Morgen, Scully." Er wartete, bis sie sich ihm gegenüber setzte und reichte ihr die Akte mit den wenigen Informationen, die er bisher zu ihrem neuesten Fall besaß. „Raten Sie mal, wer mich heute morgen angerufen hat."

Agent Scully seufzte hörbar. „Keine Ahnung, Mulder. Sind wir hier bei Jeopardy?"

„Tun Sie mir doch den Gefallen." Ihr Unwille, diesen kleinen Spaß mitzumachen, störte ihn nicht weiter. Er neckte seine Partnerin öfter auf diese Weise und das schon seit über sechs Jahren.

„War es Skinner?", fragte Scully widerwillig.

Mulder schüttelte den Kopf und lächelte sie an. „Nein. Es war jemand, den wir vor drei Jahren kennen lernten." Scully zuckte die Schultern und so fuhr Mulder fort. „Es war Craig Willmore."

„Wie geht es ihm?", erkundigte sie sich, ein wenig überrascht, durch diesen Anruf. Was konnte Craig Willmore von ihnen wollen? Nachdem, was zuletzt alles geschehen war, als sie diesen Agent kennen gelernt hatten, glaubte sie, dass er sich nie wieder bei ihnen melden würde.

„Keine Ahnung, das hab ich nicht gefragt. Diesmal ist er es, der unsere Hilfe bei einem Fall benötigt." Mulder reichte seiner Partnerin die Akte. Darin enthalten war die Aussage und erste Theorie von John Daniels, eine Mutmaßung von Agent Willmore und eine Kopie des Autopsieberichts von Daniels Frau.

Scully las sich die wenigen Berichte durch und sah dann von der Akte in der Hand zu Agent Mulder auf. „Und was hat das mit uns zu tun?", erkundigte sie sich. Sie klappte die braune Mappe zu und legte sie wieder zurück auf Mulders Schreibtisch.

„Wie können Sie mich das noch fragen, Scully? Sie haben doch eben die Berichte gelesen. Sagen Sie jetzt nicht, dass das keine X-Akte sein könnte", entgegnete Mulder ein klein wenig entrüstet. Musste sie sich denn jedes Mal querstellen, wenn er einen neuen und möglicherweise aufregenden Fall an Land gezogen hatte?

Die Agentin atmete tief ein und wieder aus, während sie ihren Partner eindringlich anblickte. Sie hatte wirklich schon genug gesehen und erlebt, in den fast sieben Jahren ihrer Zusammenarbeit. Dinge, von denen sie sich selbst heute noch nicht alles erklären konnte. Anders als bei ihm, lag ihr nicht sehr viel daran sich von einem Abenteuer ins nächste zu stürzen. Hörte das jemals auf?

„Mulder", begann Agent Scully nach einiger Zeit des Schweigens, „warum denken Sie, dass mich dieser Fall interessieren sollte? Dass er überhaupt in unser Aufgabengebiet fällt?"

Der Agent schüttelte leicht genervt den Kopf und musterte sein Gegenüber. „Spinnen, Scully. Nachdem, was aus den Berichten hervorgeht, und das können Sie nicht leugnen, wurde diese Frau von einer Horde Spinnen angegriffen und getötet. Und allein dieser Fakt macht diesen Fall zu einer X-Akte", erklärte er, bemüht gelassen. „Wollen Sie denn nicht wissen, was diese Tiere dazu brachte einen Menschen anzugreifen? Ein Geschöpf, das um das Hundertfache größer ist, als sie selbst sind?"

Die Agentin fuhr sich mit beiden Händen über das Gesicht und lehnte sich dann in ihrem Stuhl zurück. Wie sollte sie ihrem Partner klarmachen, dass sie, die sonst vor nichts und niemand Angst hat, sich ausgerechnet vor Spinnen fürchtete. Sie wollte seinen Beschützerinstinkt nicht schon wieder wecken. Alles, was sie wollte, war angesehen zu sein und auch, oder besser besonders, von den männlichen Kollegen respektiert zu werden. Keinesfalls wollte sie wie eine typische Frau wirken, die sich vor Spinnen und Mäusen fürchtet. War es ihr, als Frau, denn wirklich so unmöglich mit den männlichen Kollegen Schritt zu halten?

„Die Wissenschaftlerin in mir möchte durchaus gerne eine Antwort auf diese Fragen haben."

„Aber?" Mulder wusste, dass diesem Satz ein ‚Aber' folgen würde. Es war nicht zu überhören.

Erneut tauschten die Agenten Blicke aus. Scully faltete ihre Hände und berührte mit den Zeigefingern leicht ihre Nasenspitze. Ihre Augen fixierten irgendeinen Punkt an der Wand hinter Agent Mulder.

„Wenn Sie das irgendwem erzählen, Mulder, dann überleben Sie diesen Verrat nicht. Ist das klar?" Ihr Partner nickte stumm und betrachtete Scully mit einer Mischung aus Neugierde und Verwirrung. „Ich leide unter Arachnophobie", gestand sie schließlich zögernd.

"Wirklich?", fragte Mulder ein wenig verblüfft. Sie nickte stumm und entgegnete ihm einen drohenden Blick. „Haben Sie versucht, sich dieser Angst zu stellen, Scully?"

„Nein", antwortete sie knapp. „Ich bekomme Atemnot und Schweißausbrüche, wenn ich Spinnen sehe. Sie sind so ausgesprochen hässliche Insekten und ich habe sie schon immer verabscheut."

„Warum haben Sie mir das nie erzählt?", wollte er wissen und spielte erneut mit dem Bleistift in seiner Hand.

„Weil es bisher keine Rolle gespielt hat." Jetzt war es raus, doch Agent Scully wusste nicht, ob sie erleichtert darüber sein sollte oder nicht. „Bitte bearbeiten Sie den Fall allein. Ich werde Sie nach Kräften von hier aus unterstützen, Mulder."

„Scully, Sie müssen sich dieser Angst stellen. Versuchen Sie diese Tiere mit den Augen einer Wissenschaftlerin zu sehen. Ich brauche Sie bei dem Fall, ohne Sie bin ich aufgeschmissen." Mulder sah seiner Partnerin eindringlich und flehentlich zugleich in die Augen. „Erinnern Sie sich, Scully, ich habe mich meinen Dämonen auch schon einige Male gestellt. Insekten sind mir ebenfalls zuwider und vor Feuer fürchte ich mich auch. Allerdings lasse ich es nicht zu, dass diese Ängste mich beherrschen und meine Arbeit beeinflussen", fügte er hinzu. „Und Sie sollten dieser Angst auch nicht gestatten Ihr Leben zu beherrschen."

Scully erinnerte sich noch gut an die Fälle, die Mulder eben angesprochen hatte. Und sie musste ihm zustimmen. Irgendwie musste es auch ihr möglich sein, sich diesem, ihrem ganz persönlichen Dämon, zu stellen. Langsam nickte sie und dann folgte ein tiefes Seufzen. „Sie haben Recht, Mulder. - Okay, ich stelle mich meinem Dämon und fliege mit Ihnen nach Nevada."

Ein triumphierendes Lächeln zeichnete sich auf Mulders Lippen ab und er lehnte sich etwas auf seinem Stuhl vor. „Ich werde gut auf Sie aufpassen, Scully. Ich werde jede Spinne, die Ihnen zu nahe kommt, persönlich in Grund und Boden stampfen."

Die Agentin konnte sich ein leises Auflachen nicht verkneifen. „Mulder, wenn Sie die Akte gründlich studiert haben, dann sollte Ihnen bewusst sein, dass wir es nicht mit den typischen Hausspinnen zu tun haben werden, sondern mit Taranteln oder Vogelspinnen. Die kleineren Spinnen fangen ihre Beute mit den Netzen und nur die wirklich großen greifen ihre Beute direkt an und lähmen sie, sodass sie sich nicht mehr wehren können. Sie fressen ihre Beute bei lebendigem Leib. Das bezeichne ich nicht mehr als Insekt. Und ich garantiere Ihnen, dass Sie keine dieser Spinnen einfach so zertreten werden." Scully sah ihn herausfordernd an. Ihm jetzt zu sagen, dass sie nicht wollte, dass er sie beschützte, würde ihn nur unnötig verletzen und kränken.

„Gut, dann erschieße ich sie eben", zwinkerte er und ließ sich wieder gegen die Stuhllehne sinken.







Östliches Nevada

16. April 2000



Samuel Amibi hatte von seinem alten Bekannten den Anruf bekommen, auf den er schon nicht mehr gewagt hatte zu hoffen. Sie lernten sich während einer UFO Konferenz in Houston kennen, vor dreieinhalb Jahren. Er war begeistert von seiner Theorie, die er den Mitgliedern und Anwesenden mitgeteilt hatte. Er wollte ihm eigentlich nur sagen, dass er seiner Meinung war und ihm viel Glück wünschen, für die Suche nach seiner Schwester. Samuel bot ihm an, da er von den X-Akten erfuhr, ihn jeder Zeit anrufen und um Hilfe bitten zu können.

Samuel Amibi war ausgebildeter Arachnologe, der zudem Kryptonzoologie studiert hatte. Sein Spezialgebiet lag jedoch in der Erforschung von Arachniden.

Er empfand es als eine Ehre, mit dem berühmt berüchtigten Agent Fox Mulder auf eine Expedition zu gehen. Mulder sagte, er bräuchte seine Spezialkenntnisse im Bereich der Arachniden. Er liebte Spinnen und bewunderte sie. Für Samuel waren sie wunderschöne und prächtige Lebewesen. Mulder hatte ihn nicht überreden müssen, sondern eher zurückhalten, denn Samuel sprühte geradezu vor Euphorie, als er den Anruf seines Freundes erhielt und war sofort bereit den nächsten Flug zu nehmen.

Also hatte er alles Nötige eingepackt und flog Richtung Nevada, wo er Mulder und dessen Partnerin auf einer Farm treffen sollte, die am östlichen Rand von Nevada lag. Samuel mietete sich einen Jeep mit Allradantrieb und raste zu dem genannten Treffpunkt. Hier, inmitten des Nirgendwo, konnte er nach Herzenslust rasen und niemand würde ihn anhalten, um ihm einen Strafzettel zu geben. Ein Aspekt, der ihm sehr gefiel.



Fox Mulder, Craig Willmore und Dana Scully kamen gerade auf dem Gut der Daniels an. Sie stiegen aus dem Minivan, der voll war mit allen möglichen wichtigen Geräten, die für eine gründliche Untersuchung notwendig waren. Zumindest hatte Scully das den Männern gegenüber behauptet.

Mulder nahm an, dass Scully ein halbes Krankenhaus eingepackt hatte, so voll war der Van. Craig und er trugen ihr Gepäck und die Schlafsäcke ins Haus, während Scully sich abmühte ihre Tasche aus dem Wagen zu bekommen. Sie hatte alles, was ihr wichtig schien, zusammengepackt. Sie hatte verschiedene Insektensprays, ein Moskitonetz, ein kleines Zelt, einen Schlafsack und einige Kleider dabei. Sie war noch nie über längere Zeit in einer Wüste gewesen, von der sie wusste, dass es von giftigen Kleintieren nur so wimmelte und schon gar nicht über Nacht. Sie würde höchstwahrscheinlich einige Tage hier zubringen müssen und wollte deshalb für alle Eventualitäten gewappnet sein.

Der Karton mit den übrigen, den kleineren Utensilien, kam ihr entgegen als sie am Griff ihrer Tasche zog. Taschenlampen, Magazine für ihre Waffe und diverses Labor Equipment fielen ihr entgegen. Schnell sah sie sich um, Mulder und Willmore hatten es nicht bemerkt. Sie stopfte die Sachen wieder in den Karton zurück und schleifte ihre Tasche hinter sich her zu dem kleinen Holzhaus. Es sah aus wie ein typisches Farmhaus. Es war relativ groß, besaß eine Veranda in der eine Schaukel hing und war zweistöckig. Scully hievte die Tasche schwer atmend die Treppen hoch und weiter ins Innere des Hauses.

Von Mulder und Willmore war weit und breit keine Spur als sie durch das Haus ging. Sie fragte sich wo der Besitzer sich aufhielt. Eigentlich wollte er die Agenten hier in Empfang nehmen. Die Räume, die sie zunächst im Blick hatte, sahen aufgeräumt und sauber aus. Sie stellte ihre Tasche im Wohnbereich ab und begann damit sie auszupacken.



„Hey, Scully!", hörte sie Mulder dann plötzlich von draußen rufen. Seine Stimme machte einen etwas genervten Eindruck auf sie. Hatte er sie etwa schon mehrfach gerufen und sie hörte es erst jetzt? Sie lief nach draußen und hinter das Gebäude, von wo seine Stimme kam, um nachzusehen was ihr Partner wollte.

„Was ist...?" Ihre Frage wurde durch den Anblick, der sich ihr darbot, im Keim erstickt. „Oh mein Gott!", stieß sie erschrocken aus.

Vor Mulder und Willmore lag ein weißes Etwas, das sie Schlimmes vermuten ließ. „Er hat offensichtlich Bekanntschaft mit einigen neuen Freunden gemacht", sagte Agent Mulder, mit seinem typischen Sarkasmus.

Scullys Mund stand ein wenig offen, als sie den Leichnam sah, nachdem Mulder und Willmore die Wabenkapsel geöffnet hatten. Die beiden Agenten holten den toten Mr. Daniels aus der Kapsel und trugen ihn ins Haus, wo sie ihn auf den Küchentisch legten. Mulder warf Scully einen Blick zu, den sie nach all den Jahren zu deuten gelernt hatte. Er bat sie im Stillen eine Autopsie an dem Leichnam durchzuführen, um einige Anhaltspunkte zu bekommen.

Ohne Worte ging Scully dann an ihre Tasche, nahm ein paar Handschuhe und verschiedene Skalpelle heraus. Sie war nun froh darüber, dass sie so viel eingepackt hatte, auch wenn Mulder und Craig Willmore sich anfänglich darüber lustig gemacht hatten.

„Mulder, machen Sie sich nützlich und schießen Sie einige Fotos", befahl sie ihm und begann mit der Sektion.

Willmore ging nach draußen, mit der Entschuldigung, dass ihm schlecht würde, wenn er sich das mit ansehen müsse. Verständlich, denn zum einen war das nicht irgendeine Leiche, sondern der tote Körper eines Freundes, und zum anderen sah Willmore vermutlich nicht so regelmäßig wie Mulder bei einer Obduktion zu.

Während Mulder Fotos von der Leiche aufnahm, begann Scully zunächst mit der optischen Sektion.

„Das Opfer ist weiß, männlich, etwa 1,80m groß und wiegt circa 160 Pfund", sprach sie sachlich in ihr kleines Diktiergerät, das sie in der Hand hielt. „John Daniels wurde hinter dem Haus in einer Art Kokon gefunden, der von Spinnen, deren Art noch unbekannt ist, geschaffen scheint. Eine erste visuelle Untersuchung macht deutlich, dass er offensichtlich von mehreren dieser unbekannten Exemplare gebissen wurde. Deutlich sind die entsprechenden Male am Hals, dem gesamten Rumpf und auch an den Extremitäten zu erkennen. Ich werde jetzt mit der Sektion beginnen, um eine Probe des Toxins zu gewinnen."

Mulder warf Scully einen fragenden Blick zu. „Ich würde mich gerne mal umsehen. Brauchen Sie noch Hilfe?"

„Nein, ich komme schon klar, aber bitte passen Sie auf, Mulder. Ich möchte weder Sie, noch Agent Willmore als nächstes sezieren, klar?", antwortete Scully besorgt.

Ein schwaches Nicken ihres Partners genügte ihr als ein Versprechen.

Er wandte sich von Scully ab, die ein Skalpell zur Hand nahm, und ging ins Freie zu Agent Willmore. Der saß auf der Treppe und starrte in die Ferne.

„Hey, alles klar?", erkundigte sich Mulder.

Erschrocken stand der Agent auf und sah sein Gegenüber nachdenklich an. „Es geht mir gut. Ich habe mich gefragt, was das für Insekten sind, die ihm das antaten... Ich meine, Spinnen sind Einzelgänger und keine... es ist nicht typisch...", murmelte er stotternd, mehr zu sich selbst als zu Mulder. Vor wenigen Tagen noch hatte er mit John gesprochen, ihm gesagt, dass er ihm helfen würde und nun... Jetzt war er tot. Willmore fragte sich, ob er Johns Tod hätte verhindern können, wenn er eher imstande gewesen wäre nach Nevada zu fliegen?

Craig erinnerte sich noch so gut daran, wie er und John sich vor vielen Jahren prügelten, weil sie sich in dasselbe Mädchen verliebt hatten. Sie hatten sich gegenseitig ordentlich zugesetzt, waren anschließend allerdings zusammen was Trinken gegangen und alles war vergessen gewesen. Er hatte sich mit John zwar immer wieder gestritten, was nicht selten in einer Schlägerei geendet hatte, aber sie vertrugen sich auch immer wieder, waren sehr enge Freunde gewesen.

Mulder entging nicht, dass Craig seinen Gedanken nachhing und um seinen Freund trauerte, daher beschloss er, den jungen Kollegen abzulenken. „Wir beide machen jetzt einen Ausflug, Craig. Sind Sie schon mal geritten?", fragte Mulder und zog dabei belustigt eine Braue hoch und deutete auf die Stallungen, die sich unweit des Hauses befanden. Ein kleiner Ausritt und vor allem die Arbeit würden seine Gedanken vorübergehend ablenken.

Willmore schüttelte den Kopf, folgte ihm jedoch als Mulder schon losging, um sich ein Pferd auszusuchen.



Einige Zeit später war Scully in ihrem Element und entnahm der Leiche verschiedene Proben, um sie unter einem Mikroskop zu untersuchen. Sie begutachtete eine Harnprobe, eine Blutprobe und auch eine Gewebeprobe. Das Toxin der Spinne befand sich in jeder dieser Proben, sein ganzes System war vergiftet worden. Es handelte sich dabei um ein Neurotoxin, wie Scully schnell erkannte. Was jedoch noch unklar blieb, war, warum das Opfer nicht von einer, sondern von vielen Spinnen angegriffen wurde. Jedoch kannte die Agentin nicht eine einzige Art, die Menschen angreifen würde, geschweige denn dazu überhaupt in der Lage war. Als sie sich ihren Befund notieren wollte und nach ihren Unterlagen griff, stieß sie einen entsetzten Schrei aus. Ihr Gesicht war aschfahl, als ihr Blick auf eine dicke schwarze Spinne fiel, die auf ihren Notizen saß.

Argwöhnisch begutachtete sie das Tier. Sie bekam eine Gänsehaut und ihre Atmung ging stockend als sie sich langsam näherte. Etwas dermaßen Hässliches hatte sie noch niemals gesehen. All die Monster, Mutanten und entstellten Menschen, denen sie im Laufe der Jahre begegnet war, wurden von dieser abstoßenden Kreatur in den Schatten gestellt.

Scully wollte gerade nach einem Buch greifen, um die Spinne zu erschlagen, als ihr gesunder Menschenverstand sie davon abhielt. Sie legte das Buch wieder zur Seite und ergriff stattdessen ein leeres Glas, welches sie hastig über ihren kleinen Feind stülpte.

„Hab ich dich, du Ekel", sagte sie triumphierend. Vorsichtig zog sie ihre Unterlagen unter dem Glas hervor und sah sich die Spinne mit kritischem Blick genauer an. Die Spinne krabbelte aufgeregt an der Innenseite des Glases entlang, wuselte nervös hin und her und suchte einen Ausgang. Scully belächelte ihre Erscheinung.

„Pech gehabt! Dich lass ich nicht mehr frei und lebend schon gar nicht", zischte sie das kleine Tier heroisch an. Der Rumpf der Spinne war nicht größer als 1,5 cm, doch mit ihren langen Beinen wirkte sie größer und gefährlicher. Als die schwarze Spinne erneut am Glas entlang krabbelte, konnte Scully etwas auf ihrem Abdomen erkennen, das ihr einen eiskalten Schauer über den Rücken jagte. Es war ein rotes Mal und sah aus wie zwei Dreiecke, die sich an jeweils einer Ecke trafen, in etwa wie eine Sanduhr. Schnell notierte sie sich diese besondere Kennzeichnung und schlug vorsichtshalber in einer ihrer Enzyklopädien über Spinnen nach. Ihre erste entsetzte Vermutung wurde ihr bestätigt, als sie ein solches Individuum fand. Eine schwarze Witwe, der Größe nach zu urteilen ein Weibchen, war Scully in die Fänge geraten.

„Ein Biss dieser Spinne ist giftig...", las sie laut aus dem Buch vor. „Für Menschen nicht unbedingt tödlich... - Vielleicht nicht von einer, aber..." Scully schlug das Buch zu und legte es beiseite. Dann sah sie wieder zu ihrer Gefangenen und beäugte sie misstrauisch.